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Fußball

14.10.2019

Reportage: Warum die Fans des FC Pipinsried auswärts mehr Spaß haben

Volle Unterstützung bekommen die Pipinsrieder Spieler vom Fanklub Bibaschria 67ga. Gerade nach dem Rückstand peitschen die zahlenmäßig deutlich unterlegenen FCP-Anhänger ihr Team nach vorne. Am Ende gewinnt der Dorfklub in der Kreisstadt Landsberg mit 5:1.
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Volle Unterstützung bekommen die Pipinsrieder Spieler vom Fanklub Bibaschria 67ga. Gerade nach dem Rückstand peitschen die zahlenmäßig deutlich unterlegenen FCP-Anhänger ihr Team nach vorne. Am Ende gewinnt der Dorfklub in der Kreisstadt Landsberg mit 5:1.
Bild: Sebastian Richly

Plus Der Fanklub Bibaschria 67ga organisiert einen Fanbus nach Landsberg. Warum es in der Fremde schöner ist - eine besondere Auswärtsfahrt mit den FCP-Anhängern.

„Es ist nur ein Auswärtsspiel“ – heißt es in einem Lied der deutschen Band Die Toten Hosen. Genau dieses Lied dröhnt nach dem Bayernligaspiel zwischen dem TSV Landsberg und dem FC Pipinsried aus den Boxen der FCP-Fans. Der Fanklub Bibaschria 67ga hat eigens einen Bus für die Partie angemietet – etwa 30 Anhänger machen sich auf die rund einstündige Fahrt vom FCP-Sportheim in Richtung Süden.

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Einen Bus hat der Fanklub in dieser Spielzeit noch zu keinem Duell in der Ferne eingesetzt. Sobald alle an Bord sind, geht es auch schon los, mit einer Musikmischung irgendwo zwischen Mallorca und Bierzelt. Schnell wird klar, das hier ist nicht „nur“ ein Auswärtsspiel. Die Stimmung ist gut, alle sind zuversichtlich – schließlich ist der FC Pipinsried immer noch ungeschlagen und hat die vergangenen elf Spiele gewonnen. Claudia und Sandra Reisner und Claudia Kraus feuern ihr Team bei fast jedem Spiel an und sind selbstverständlich auch im Bus dabei. Egal ob daheim oder auswärts – die Frauen zwischen 25 und 28 Jahren sind eigentlich immer dabei. Schon in der vergangenen Saison machte sich das Trio etwa bis nach Aschaffenburg oder Burghausen auf. „Klar gewinnen wir heute“, sind sich alle drei einig.

Der Fanklub Bibaschria 67ga organisierte zum Auswärtsspiel in landsberg einen Bus. Eine wilde Fahrt mit den Anhängers des FCP. Im Bus.
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Bildergalerie: So bunt ist eine Auswärtsfahrt mit dem FC Pipinsried
Bild: Sebastian Richly

So erobern Pipinsrieder Fans Landsberg

Doch Sandra Reisner betont: „Wir wollen aber in erster Linie guten Fußball sehen. Wenn wir gut spielen und verlieren, kann ich damit leben.“ Ohnehin gehe es um mehr als das Spiel, wie Reisner betont: „Die Gemeinschaft ist am wichtigsten. Jedes Auswärtsspiel ist für uns ein Erlebnis.“ Das bestätigen die übrigen Passagiere. Für fast alle sind die Auswärtsspiele viel wichtiger als die Heimspiele. Fanklub-Vorsitzender Martin Ott erklärt: „Die meisten von uns müssen bei den Heimspielen im Stadion mitarbeiten und bekommen deshalb vom Spiel gar nicht so viel mit. Auswärts ist das anders.“ Und schnell wird klar, die FCP-Anhänger genießen ihre Freiheit auf der Auswärtsfahrt. Je näher Landsberg rückt, umso ausgelassener wird die Stimmung. Ott stimmt das eigens komponierte Fanklub-Lied an und alle stimmen mit ein. „Mia san die Fans vom FC Pipinsried, von unsam Dorfverein, so wirds immer sein“ heißt es im Refrain.

Reportage: Warum die Fans des FC Pipinsried auswärts mehr Spaß haben

Mit Trommeln und großem Banner – als die Pipinsrieder Delegation am Parkplatz des Landsberger Sportgeländes ankommt, ziehen sie sofort die Blicke der gegnerischen Zuschauer auf sich. Martin Ott: „Eine andere Fangruppe gibt es in der Bayernliga eigentlich nicht. Die Leute schauen meist nur, aber Probleme gibt es nie“, so der 33-Jährige, der betont: „Wir haben mit sogenannten Ultras überhaupt nichts zu tun. Wir wollen nur ein bisschen Gaudi.“

Gab im Bus den Stimmungsmacher: Fanklub-Vorsitzender Martin Ott.
Bild: Sebastian Richly

FC Pipinsried: Fans - keine Spielerfrauen

Angesprochen werden die Pipinsrieder aber schon des Öfteren. Insbesondere die drei jungen Frauen: Sandra und Claudia Reisner sowie Claudia Kraus. „Die fragen uns, was wir hier wollen. Die meisten denken, wir sind Spielerfrauen“, erklärt Claudia Reisner, die im Stadion mithilft, die Pipinsrieder Banner zu befestigen. Auf einem ist die Comic-Figur Homer Simpson in Jubelpose zusehen. Auf gelbem Hintergrund steht in blauer Schrift „Pipinsried - auswärts oida“. „Das trifft es ganz gut“, meint Martin Ott, der auch auf der Landsberger Tribüne den Vorsänger gibt. „Hurra das ganz Dorf ist da“ oder „Auf gehts Pipi schießt ein Tor“, während des gesamten Spiels feuern die Fans ihre Spieler an. Zahlenmäßig sind die Gästefans den rund 900 restlichen Zuschauern hoffnungslos unterlegen. Akustisch liegt aber Pipi vorne, so wie auch auf dem Platz. 5:1 gewinnen die Gäste.

Das Stadion leert sich, nur die Pipinsrieder harren hinter den Bannern aus. Der Trommler gibt Vollgas und auch der Fahnenschwenker legt einen Endspurt hin. Das Signal für die Spieler: Jeder Fan wird abgeklatscht und gemeinsam die Herbmeisterschaft gefeiert. Mittendrin ist auch wieder Martin Ott. Der Vorsitzende lobt den aktuellen Kader: „Die Stimmung ist deutlich besser als im Vorjahr. Mit den Spielern kann man sich auch mal nach dem Training im Sportheim unterhalten.“

Warum nicht alle im Pipinsrieder Fanklub den Aufstieg wollen

Aktuell läuft es beim Dorfklub auf und neben dem Platz, doch die Meinungen gehen auch innerhalb des Fanklubs auseinander, ob das auch bei einem Aufstieg in die Regionalliga so bleiben wird. Ott: „Die Gegner sind dort attraktiver, aber wir haben aktuell mehr Zuschauer bei den Heimspielen als in der vergangenen Saison. Der Aufwand wird in der Regionalliga wieder größer. Deshalb befürworten nicht alle einen Aufstieg.“ Einer, der den sportlichen Aufstieg anstrebt, ist FCP-Spielertrainer Muriz Salemovic. Der 31-Jährige kam im Sommer vom TSV Landsberg und ist über die Unterstützung beim Dorfklub überrascht. „Da schauen doch tatsächlich fast immer ein paar Leute beim Training zu. Das ist schon Wahnsinn. Das ganze Dorf steht hinter dem Verein, das habe ich gleich gespürt.“

Während Salemovic und seine Spieler in der Kabine verschwinden, machen sich die Fans auf den Heimweg. Zum Abschied hupen ein paar Autos mit Landsberger Kennzeichen. Dann geht es zurück Richtung Norden. Von der Stimmung der Hinfahrt ist nicht mehr viel geblieben. Die meisten sind müde. Claudia Kraus erklärt: „Wir sind seit 10 Uhr morgens auf den Beinen. Das ist meistens so. Wir haben jetzt zwölf Siege in Folge, da wird nicht immer überschwänglich gefeiert.“ Am Ende also doch nur ein ganz normales Auswärtsspiel?

Begleiten den FC Pipinsried fast zu jedem Auswärtsspiel: (von links) Claudia Reisner, Sandra Reisner und Claudia Kraus.
Bild: Sebastian Richly
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