Newsticker

Erneut mehr als 11.000 neue Corona-Fälle in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Revolver als Beweisstück im Gerichtssaal

Schöffengericht

11.02.2015

Revolver als Beweisstück im Gerichtssaal

Bild: Archivfoto: Christian Kirstges

44-jähriger Justizbeamter sitzt auf der Anklagebank

Aichach Illegalen Waffenbesitz vermutete die Kriminalpolizei Augsburg bei einem 44-jährigen Justizbeamten aus dem südlichen Landkreis. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden sie Anfang vergangenen Jahres einen Vorderladerrevolver sowie Verschlussköpfe für ein Schnellfeuergewehr. Wegen vorsätzlichem unerlaubten Besitzes von Schuss- und Kriegswaffen stand der Beamte gestern vor dem Aichacher Schöffengericht. Nach der Aussage mehrerer Sachverständiger blieb nur eine Ordnungswidrigkeit übrig. Die Waffe war eines der Beweisstücke, die Staatsanwalt Christian Engelsberger mit in den Gerichtssaal gebracht hatte.

Wie war es überhaupt zu der Durchsuchung gekommen? Der Hinweis war vom Bundeskriminalamt Wiesbaden gekommen. Die Polizeibeamten waren bei einem Ermittlungsverfahren auf den Namen des Angeklagten gestoßen. Ermittelt hatten die Beamten 2009 gegen einen Zivilbediensteten der Bundeswehr, der als Wachmann für ein Materialdepot eingeteilt war. Er ist angeklagt, im großen Stil Waffenteile über das Internet verkauft zu haben. Bei der Auswertung von dessen Kontenverbindungen war auf einem Überweisungsbeleg auch der Name des Angeklagten aufgetaucht.

Die Verschlussköpfe und -träger, nach der die Polizei bei der Hausdurchsuchung daraufhin gesucht hatte, hätte er ihnen sofort übergeben, sagte der Kriminalbeamte aus. Der Revolver, den sie dabei ebenfalls entdeckten, habe der 44-Jährige im Wald gefunden, als er mit einem Metalldetektor unterwegs war, hatten die beiden Verteidiger, Julia Weinmann und Hans Peter Lindner, dem Gericht mitgeteilt.

Laut Aussage eines Sachverständigen der Stadt Augsburg hatte der Angeklagte, der als Sportschütze auch bei Wettkämpfen schießt, auch die Erlaubnis, einen solchen Vorderladerrevolver zu besitzen. Der 44-Jährige hatte lediglich versäumt, den Fund auf seiner Waffenkarte eintragen zu lassen. Was die Stadt nur als Ordnungswidrigkeit und nicht als Verstoß gegen das Waffengesetz wertete.

Viel Zeit investierte das Schöffengericht in die Frage, ob die Verschlussköpfe und -träger unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen. Zwei Sachverständige hatten das Beweismaterial unter die Lupe genommen. Es ging um Schweißnähte und abgefräste Flächen und fehlende Teile wie Schlagbolzen, Federn oder Steuerstücke. Beide Experten waren zu dem Ergebnis gekommen, dass die Verschlussköpfe unbrauchbar sind und wegen fehlender Teile nicht als Kriegswaffe gelten. „Nur komplette Verschlussköpfe fallen unter das Kriegswaffenkontrollgesetz“, sagten beide Sachverständige.

Der unerlaubte Besitz von Kriegswaffen sei nicht nachweisbar, sagte Staatsanwalt Engelsberger nach der intensiven Befragung der Experten. Auch ob der Angeklagte gegen das Waffengesetz verstoßen habe, sei unsicher, stellte er fest. Er schlug deshalb vor, das Verfahren einzustellen. Die beiden Verteidiger stimmten dem Vorschlag zu.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Sabine Igloffstein stellte das Verfahren ein. Die Kosten und Auslagen trägt die Staatskasse. Igloffstein ermahnte den Angeklagten, künftig seine Waffen und Munition sachgemäß aufzubewahren. Die Bilder, die die Beamten bei der Durchsuchung aufgenommen hatten, zeigten Revolver und Munition, die in der Wohnung offen herumlagen. „Sie machen sich selber todunglücklich, wenn irgendetwas passiert“, mahnte die Richterin. (drx)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren