Newsticker

Bundesregierung erklärt fast ganz Österreich und Italien zu Risikogebieten
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Rezepte gegen den Ärzte-Notstand

Aichach-Friedberg

25.02.2015

Rezepte gegen den Ärzte-Notstand

Im Wittelsbacher Land ist die Versorgung mit Ärzten momentan noch gut. Doch junge Ärzte zieht es kaum aufs Land.
Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Für junge Ärzte ist eine eigene Praxis auf dem Land wenig attraktiv. Um die künftige Versorgung der Patienten zu sichern, gehen Landkreis und Ärzte daher neue Wege.

Noch sieht es sehr gut aus mit der medizinischen Versorgung im Landkreis Aichach-Friedberg. Wer hier krank wird, hat gute Chancen, ganz in der Nähe einen Arzt zu finden, der einen Termin frei hat. Laut Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) ist der nördliche Landkreis mit Medizinern fast aller Fachrichtungen sogar „überversorgt“. Noch.

Denn der Hausarzt im Wittelsbacher Land ist beispielsweise statistisch betrachtet knapp 55 Jahre alt und für 1180 Patienten zuständig. Er hat 32 Kollegen im nördlichen Landkreis und weitere 25 im südlichen Bereich, von denen fast ein Drittel den 60. Geburtstag bereits hinter sich hat und dem Ruhestand entgegenblickt. Werden deren Praxen nach ihrem beruflichen Ausscheiden nicht von jungen Ärzten übernommen, ändert sich die Lage der Patienten vor Ort.

Junge Ärzte zieht es nicht aufs Land

Ganz ähnlich sieht es bei den Fachärzten aus. Den Zahlen der KVB zufolge gibt es im Landkreis keinen niedergelassenen Nervenarzt oder Chirurg unter 45, ein Drittel der Frauenärzte ist über 60 und bei den Kinderärzten gibt es nur zwei praktizierende Mediziner, die jünger sind als 45 Jahre.

Das Problem ist bekannt. Junge Mediziner zieht es nicht unbedingt in eine eigene Praxis auf dem Land. Experten erwarten, dass es in einigen Jahren vor allem an Hausärzten mangeln wird.

Dr. Markus Beck, Vorsitzender des ärztlichen Bezirksverbandes, kennt die Gründe: Die Ausbildung zum Allgemeinmediziner sei schwieriger zu organisieren. Oft stünden dafür Umzüge an. Zudem werde die Allgemeinmedizin an den Universitäten vernachlässigt, sodass die Medizinstudenten stattdessen im Lauf der Zeit oft Interesse an einer anderen Fachrichtung entwickeln.

Hinzu kommt laut Beck, dass Allgemeinmediziner häufig weniger verdienen als ihre Kollegen. Ziehen sie aufs Land, findet ihr Partner dort möglicherweise keinen Job. Die Hausärzte haben dort lange Arbeitszeiten und Bereitschaftsdienste. „Die Tätigkeit ist auch fachlich eine Herausforderung“, gibt Beck zu bedenken. Bei der alltäglichen Arbeit eines Hausarztes treffen viele Fachrichtungen aufeinander.

Ein Weiterbildungsverbund soll helfen

Auch die Vertreter des Landkreises verfolgen die Entwicklung. Die Zukunft der medizinischen Versorgung betrachte Landrat Klaus Metzger als Ganzes, wie es aus dem Landratsamt heißt: Der Neubau des Krankenhauses in Aichach gehört ebenso dazu wie eine Kooperation der Fachärzte des Landkreises mit dem Klinikum Augsburg und eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Kliniken an der Paar und niedergelassenen Ärzten. Um die Praxen der Ärzte, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, wieder zu besetzen, wurde im Landkreis im November ein Weiterbildungsverbund gegründet.

Der Verbund ermöglicht es jungen Ärzten, die Ausbildung zum Allgemeinmediziner in fünf statt bisher sieben Jahren in der Nähe ihres Wohnortes zu absolvieren. Sie können ihre Ausbildungsabschnitte bei sieben niedergelassenen Ärzten im Landkreis abschließen oder bei den Kliniken an der Paar. Die Krankenkassen und die KVB unterstützen den Weiterbildungsverbund finanziell. Für eine Vollzeitstelle eines Weiterbildungsassistenten erhält das Krankenhaus in der Abteilung Innere Medizin einen Zuschuss von 1020 Euro pro Monat, in Abteilungen wie der Orthopädie oder der Chirurgie sind es 1750 Euro pro Monat.

Selbst Dr. Krzysztof Kazmierczak, Geschäftsführer der Kliniken an der Paar, ist erstaunt, wie gut junge Mediziner das Förderprogramm annehmen. Die Resonanz sei sehr schnell nach der Gründung des Weiterbildungsverbundes und sehr positiv erfolgt, freut er sich: „Wir sind sehr glücklich mit dieser Entwicklung.“

Zwei Interessenten hätten sich gleich nach der Informationsveranstaltung gemeldet, insgesamt gab es acht Anfragen seit November. Die meisten werdenden Allgemeinmediziner möchten ihren Beruf offenbar in Praxen lernen, in denen mehrere Ärzte ihre Erfahrungen an die jungen Kollegen weitergeben können.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren