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Aichach-Friedberg

31.01.2019

Rote Karte für Müllsünder: Wann kommt sie zu uns?

Das ist in den Biotonnen! Plastiktüten, Metallteile, Hygieneartikel – immer wieder landen Stoffe im Biomüll, die nicht hineingehören. Archiv
Bild: Marcus Merk

Plus Mit Metalldetektoren will Nachbar-Landkreis Augsburg gegen Störstoffe in Biotonne vorgehen. Wie hält‘s der Landkreis Aichach-Friedberg?

Im Wittelsbacher Land dreht sich derzeit gefühlt das Öffentliche Leben um die seit Jahresbeginn eingeführte Gelbe Tonne. Es gibt Ärger wegen deren Größe und die Abholung, die zum Teil nicht klappt. Diesen Eindruck könnte man zumindest anhand der Reaktionen in Sozialen Medien gewinnen. Jedenfalls ist die traditionell müllbewegte Bürgerschaft östlich des Lechs wieder mitten in einer Debatte über Müllvermeidung, Mülltrennung, Wertstoffhof und Co. Über die „gelbe“ Diskussion sind die Bürger im Nachbarkreis Augsburg längst hinaus – dort wird der Verpackungsmüll schon seit Jahren abgeholt. Dennoch gibt es auch westlich des Lechs einen aktuellen Abfall-Aufreger: Wer seinen Biomüll nicht ordentlich trennt, könnte in Kürze vor einer ungeleerten Tonne stehen.

Der Landkreis Augsburg will Braune Tonnen mit einem Metalldetektor untersuchen lassen. Verbergen sich zwischen Bananenschalen und verfaulten Tomaten Metallgegenstände, bleibt die Biotonne im schlimmsten Fall ungeleert stehen. Die Kontrollen beginnen schon im Frühjahr. Das Abfallwirtschaftsamt will so die Qualität des Biomülls verbessern. Denn immer wieder landen Dinge in der Braunen Tonne, die eigentlich nicht hineingehören. Früher lag der Anteil an Fremdstoffen im Biomüll zeitweise bei fünf Prozent, heißt es vonseiten des Landratsamtes. Zwar ist der Anteil zuletzt deutlich gesunken, wie eine aktuelle Untersuchung des Bifa-Umweltinstitutes in der Region Augsburg zeigt (wir berichteten). Laut Analyse betragen die Fremdstoffe in der Biotonne im Kreis Aichach-Friedberg 1,26 Prozent, im Kreis Augsburg 1,1 Prozent und in der Stadt Augsburg 1,44 Prozent. Die Störstoffmenge pro Einwohner liegt in Aichach-Friedberg bei 1,8 Kilogramm. Das ist deutlich mehr als in der Stadt (1,05 Kilo pro Kopf), erklärt sich aber auch durch die fast doppelt so hohe Menge an erfasstem Biomaterial. Im Wittelsbacher Land sind es 140 Kilo pro Bürger und Jahr, in Augsburg nur 72 Kilo. Erklärung: Im ländlichen Raum fällt in Gärten deutlich mehr Bioabfall an.

Ein Problem ist auch Mikroplastik

Michael Haas, Sachgebietsleiter der Abfallwirtschaft am Landratsamt in Aichach, sieht die Fortschritte: „Wir sind schon ganz gut.“ Aber es gebe noch Luft nach oben, denn vor allem Kunststoffe können nicht komplett aussortiert werden und landen über die Verwertungskette in der Komposterde und damit auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Stichwort: Mikroplastik. Unser Bild aus der Anlage in Lechhausen führt vor Augen, was alles in die Tonnen geworfen wird. Die Umwelt-Folgen sind verheerend. Störstoffe sorgen auch für große Probleme bei der energetischen Verwertung der Abfälle in der AVA. Die Abfallwirtschaft im Kreis beobachtet jetzt die Kontrollen bei den Nachbarn. Wenn sich das bewährt, könnten sie auch hier eingeführt werden. Allerdings erst mit Vergabe des nächsten Auftrags für die Abholung von Restmüll- und Biotonnen in dreieinhalb Jahren, so Haas. Der aktuelle Auftrag mit dem Entsorger läuft bis Mitte 2022.

Der Landkreis Augsburg kann dagegen sofort handeln. Entwickelt wurde das Kontrollsystem mit den Metalldetektoren von der Firma Maier und Fabris aus Tübingen. Geschäftsleiter Hans J. Maier erklärt: „Die Detektoren erkennen alle Stoffe, die elektrisch leitfähig sind.“ Entdeckt werden also nicht nur Metallbeschläge, Nägel, Dosen oder die Klinge des Gemüseschälers, sondern auch beschichtete Tetra-Packungen oder Aludeckel von Joghurtbechern. Steckt zu viel davon in der Tonne, geht eine Warnleuchte am Müllfahrzeug an. Die Müllmänner wissen dann, dass in der Tonne Fremdstoffe stecken und verteilen eine Gelbe Karte als Verwarnung. Sie soll Bürger informieren, was in die Biotonne darf und was nicht. Doch damit ist es nicht getan: Nach sechs Wochen Laufzeit kommen auch Rote Karten zum Einsatz. Wer die auf der Tonne kleben hat, kann sich sicher sein: Der Biomüll ist nicht noch drin. Der Tonnenbesitzer hat dann zwei Möglichkeiten: Er kann seine Biotonne bis zur nächsten Leerung eigenhändig nachsortieren oder die Tonne gegen eine Extragebühr als Restmüll leeren lassen. Wie das Landratsamt erklärt, müssen dazu aber erst die Voraussetzungen in der Gebührensatzung geschaffen werden.

Was passiert mit dem Biomüll?

Drei Müllfahrzeuge im Landkreis Augsburg sind bereits mit dem Störstoffdetektor ausgerüstet. Sie werden seit November getestet. Das Ergebnis sei sehr gut, betont Daniela Bravi, Werksleiterin beim Abfallwirtschaftsbetrieb. In Neusäß habe der Detektor in zwei Monaten nur 25-mal angeschlagen, in kleineren Orten gar nicht. Ab welcher Menge das System anschlägt, legt der Abfallwirtschaftsbetrieb fest. Nach Angaben des Landratsamtes laufen die Detektoren derzeit im unteren Drittel der Skala und erkennen nur größere Fremdstoffe.

In anderen Kommunen in Deutschland sind die Detektoren seit Längerem im Einsatz. Der Anteil an Fremdstoffen im Bioabfall sei dort deutlich reduziert worden, betont Firmenchef Maier. „Schon die rote Karte auf der Tonne zeigt eine positive psychologische Wirkung“, sagt er. In den meisten Fällen hätten die Bürger ihren Müll nachsortiert. Schlägt der Detektor an, wird die Meldung gespeichert. Die Art der Störstoffe werde nicht erfasst, heißt es vonseiten des Landratsamtes.

Aus dem Bioabfall werden in der Anlage in Lechhausen Gas und Komposterde gewonnen. Die Vergärungsanlage erzeugt derzeit im Jahr rund 37 Millionen Kilowattsstunden regenerativ erzeugtes Biogas. Fremdstoffe wie Metalle, Plastik oder Textilien werden so weit als möglich aussortiert. Ein Magnetband holt den Metallschrott aus dem Biomüll. Deutlich mehr Probleme bereitet die große Menge an Plastik in den Biotonnen. Rund 2000 Tonnen kommen im Jahr in der Abfallverwertung Augsburg zusammen. Gegen das Plastik helfen auch die Mülldetektoren nichts. Doch einen Zusammenhang gibt es: In Tonnen mit Metallresten steckt auch Plastik, wie wissenschaftlichen Untersuchungen der Uni Tübingen zeigen. Die Detektoren sollen aber nicht nur den Müllsündern auf die Schliche kommen. Wer besonders fleißig trennt, wird mit einer grünen Karte belohnt.

Was darf in die Biotonne und was nicht? Was darf in die Biotonne und was nicht?

Gartenabfälle Kleine Mengen an Gartenabfällen dürfen in die Biotonne: Rasenschnitt, Laub, Fallobst, Unkraut, Topfpflanzen, Schnittblumen, Baum- oder Heckenschnitt. Große Mengen müssen bei Entsorgungsstellen abgegeben werden. Erde und Kompost müssen gesondert entsorgt werden

Lebensmittel Speisereste pflanzlicher Herkunft, Obst- und Gemüsereste, Kaffeefilter und Eierschalen dürfen in die Biotonne.

Zeitungspapier Bioabfälle dürfen in Zeitungspapier oder besser Küchenkrepp eingewickelt werden. Das verringert Gerüche im Sommer und verhindert das Einfrieren im Winter. Gesteinsmehl oder Gartenkalk bindet Feuchtigkeit und verhindert Gerüche.

Mülltüten Um Bioabfall zu sammeln, dürfen keine Plastiktüten verwendet werden. Auch „biologisch abbaubare“ Kunststofftüten sind für Vergärung und Kompostierung ungeeignet.

Verboten Zeitschriften, Milchpackungen, Tempos, Asche, Grillkohle, Windeln, Zigarettenkippen, Textilien

Was sonst noch so „entsorgt“ wird Staubsaugerbeutel, Tierkadaver, Fäkalien, Haare, Tapetenreste und sonstiger Problemabfall gehören auf keinen Fall in die Braune Tonne.

Lesen Sie dazu den Kommentar: In den Biomüll gehört nur Biomüll

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