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02.06.2009

Ruf nach staatlicher Hilfe hilft nur wenig weiter

Dasing (jusk) - Mit unangenehmen Fakten hat Kreisobmann Reinhard Herb den diesjährigen Kreisbauerntag im Bauernmarkt Dasing eröffnet. Seit der vorherigen Versammlung 2008 seien die Erlöse für Milch und Getreide drastisch gefallen, viele Bauern fühlten sich abgezockt von Lebensmittelkonzernen und Discountern.

"Das sind erpresserische Verhandlungen, und die Preise werden den Bauern regelrecht aufs Auge gedrückt", betonte Herb. Der Hauptreferent des Abends, Horst Hermannsen, erinnerte die Anwesenden jedoch daran, dass die Discounter in Wahrheit ihre größten Abnehmer seien. Er forderte ein Umdenken. Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise bedeutet für die Bäuerinnen und Bauern zu niedrige Lebensmittelpreise bei zu hohen Produktions-Fixkosten.

Gemeinsam eine Lösung finden

Insbesondere den Ehrengästen, den Vertretern der Politik, sollte vor Augen geführt werden, wo der Schuh die Landwirte drückt. Geladen waren unter anderem Bundestagsabgeordneter Eduard Oswald, Landrat Christian Knauer und Landtagsabgeordneter Reinhard Pachner. Einhellig versprachen sie den Anwesenden ihre Hilfestellung und Unterstützung bei deren Problemen. Man wolle gemeinsam mit ihnen eine Lösung finden. Die bäuerlichen Landwirte müssten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass es "nicht mehr so rasant nach oben gehen wird, wie es vielleicht einmal der Fall war", ermahnte Oswald.

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Überraschend andere Töne schlug Horst Hermannsen an. Er ist freier Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks und Fachjournalist der Unabhängigen Agrarzeitung Ernährungsdienst. Gleich zu Anfang appellierte Hermannsen an den Bauernverband, sich seiner Außenwirkung bewusst zu werden. Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner öffentlich als "Verräter" und "Bauernjudas" zu bezeichnen, würde den Verband von innen her angreifen und der Gefahr der Bedeutungslosigkeit aussetzen. "So machen Sie sich zum Affen", warnte Hermannsen. Nach Horst Hermannsens Meinung befinden sich die Milchbauern in einer beneidenswerten Situation: "Welcher Kaufmann kann es sich erlauben, seine Kunden zu beschimpfen?", fragte er provokant. Discounter müssten als Vermarktungspartner ernst genommen werden. Auch die Politik als Vertreterin der bäuerlichen Interessen wurde angezweifelt. "Die Bauern haben das Heft in der Hand, nicht die Kanzlerin." Der Ruf nach staatlicher Hilfe gehöre in die Rumpelkammer, er sei ein wenig wirksames Instrument bei der Problemlösung.

Im Anschluss an Hermannsens Vortrag entfachte sich noch eine hitzige Grundsatzdiskussion zwischen dem Referenten und CSU-Politikern über die Verantwortlichkeit und Verlässlichkeit von Journalismus und Politik. Jeder sollte vor allem eines mit nach Hause nehmen: Landwirtschaft hat Zukunft, denn keiner kann auf Essen und Trinken verzichten. Es gehe darum, die Anforderungen der Zukunft ernst zu nehmen, sagte Hermannsen. "Sie haben nur diese Zukunft."

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