1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Schulpolitik: Auf das Wirrwarr ist Verlass

Schulpolitik: Auf das Wirrwarr ist Verlass

Schulpolitik: Auf das Wirrwarr ist Verlass
Kommentar Von Christian Lichtenstern
10.01.2020

Im Kreis gibt es weniger Gymnasiasten als früher. Dass der Rückgang so deutlich ist, war nicht zu erwarten.

Im Wittelsbacher Land leben derzeit rund 1000 Gymnasiasten weniger als vor zehn Jahren. Damals wurden allein an den beiden Schulen in Aichach und Friedberg über 2400 junge Menschen unterrichtet und weitere 800 bis 1000 vor allem an Gymnasien in Augsburg und in der weiteren Region. Heute sind es an drei Kreisgymnasien insgesamt rund 1900 Schüler aus dem Landkreis selbst und sehr viel weniger, die Schulen in der Nachbarschaft besuchen.

Im Deutschherren-Gymnasium in Aichach werden derzeit knapp 670 Schüler unterrichtet. Das sind etwa 430 Schüler oder 40 Prozent weniger als vor neun Jahren.

In der hitzigen Schuldebatte vor einer guten Dekade sind solche Zahlen nie genannt worden. Nein, im Gegenteil. In diversen Gutachten zur Entwicklung der Schülerzahlen war immer die Rede, dass die Zahlen in der Altersklasse für Gymnasiasten konstant bleiben und die Übertrittsquoten eher steigen. So viel zu Expertisen, auf denen kommunalpolitische Entscheidungen fußen. Wer jetzt die Kosten pro Schulplatz im Vergleich zu früher hochrechnet, der dürfte ein blaues Wunder erleben.

Aichach-Friedberg: Dass der Rückgang kommt, war klar

Dass in Friedberg ein Rückgang der Schülerzahlen kommen wird, war klar. Dass er so deutlich ist, hat auch niemand geglaubt. Die Entwicklung in Aichach ist noch schwerer zu erklären. Ein moderater Rückgang war ja erwünscht, aber über 40 Prozent in nur acht Jahren? Es liegt sicher daran, dass doch nicht mehr so viele Schüler und Eltern glauben, dass nur das Abitur auf dem ersten Bildungsweg zählt. Da hat sich nämlich was verändert. Der zweite Weg mit Berufsausbildung und den weiteren Möglichkeiten ist nämlich alles andere als ein Umweg und er scheint für viele auch leichter und deshalb attraktiver zu sein. Dazu kommt, dass das Aichacher Gymnasium ganz offensichtlich keine magnetische Anziehungskraft in der Region hat. Es fällt auf, dass sich Schüler an Rändern des Einzugsgebiets anders orientieren.

Schulpolitik: Auf das Wirrwarr ist Verlass

Es gibt aber auch positive Seiten der Entwicklung. Die Schulen platzen nicht mehr aus allen Nähten und die Klassenstärken sind gesunken – das müsste eigentlich einen besseren Unterricht ermöglichen. Mittelfristig dürften die Schulhäuser auch wieder besser gefüllt sein. Das Wittelsbacher Land ist eine Wachstumsregion und mit dem Gymnasium an der Bahnachse nach München jetzt viel besser aufgestellt. Und wenn das Gymnasium bald wieder neun Jahrgangsstufen hat, muss in Aichach und Friedberg zumindest nicht mehr erweitert oder aufgestockt werden – wie beim nagelneuen Bau in Mering. Das hat bei den Schülerprognosen vor zehn und 15 Jahren übrigens auch niemand auf der Rechnung gehabt. Auf das Hü und Hott in der Bildungspolitik ist zumindest Verlass.

Lesen Sie dazu auch: Warum das Aichacher Gymnasium schrumpft

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren