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Aichach-Friedberg

17.07.2019

Schwebt künftig eine Magnetschwebebahn über die A8 nach München?

Die einmontierte Magnetschwebebahn auf dem Mittelstreifen der Autobahn ist eine Zukunftsvision. Aber auch die nächtliche Impression von der Autobahn A 8 wirkt schon surreal.
Bild: Leichtle, Montage Emering

Plus Eine Schwebebahn über dem Mittelstreifen der A8 zwischen Augsburg und München könnte den Öffentlichen Personennahverkehr in der Region revolutionieren. Jetzt soll das Interesse der Pendler abgefragt werden.

Sie sind München-Pendler und stehen mit ihrem Auto oft im Stau auf der Autobahn? Könnten Sie sich vorstellen, ihr Fahrzeug/Fahrrad an einem P&R-Parkplatz in Dasing oder Adelzhausen abzustellen, dort in eine Magnetschwebebahn einzusteigen und über dem A8-Mittelstreifen mit 150 Kilometer in der Stunde Richtung Landeshauptstadt zu düsen? Ja, das ist Zukunftsmusik und die Verkehrsidee ist visionär, aber das ist nicht utopisch.

Voraussetzung für die Realisierung eines solchen Verkehrsprojekts zwischen Augsburg und dem Bahnhof in München-Pasing ist allerdings ein sehr hohes Fahrgastaufkommen. So ein Transportsystem, wie es das Bauunternehmen Max Bögl konzipiert hat, könnte im Fünf-Minuten-Takt etwa 9000 Menschen in der Stunde befördern.

Verkehr: Zweimonatige Online-Befragung ab September

Der Nachbar-Landkreis Dachau lässt derzeit in einer Studie das Fahrgastpotenzial für innovative Verkehrsmittel untersuchen. Ab September bis Ende Oktober findet dazu eine zweimonatige Online-Befragung statt. Teilnehmen können alle, die im Einzugsbereich der untersuchten Strecken wohnen oder arbeiten. Die Gemeinden Dasing und Adelzhausen rufen ihre Bürger schon jetzt dazu auf mitzumachen, um die Anbindung an München zu verbessern.

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Der Lehrstuhl für Verkehrstechnik der Universität der Bundeswehr prüft neben der A8-Parallele auch das Fahrgastpotenzial der Verbindungen zwischen Dachau und München-Nord sowie zwischen Haimhausen und Lohhof. Während hier auch deutlich langsamere Verkehrsmittel wie Seil- und Pendelbahnen oder sogenannte Minimetros (Spezialform Standseilbahn) in Betracht kommen, ist für die etwa 60 Kilometer lange Strecke zwischen der A8-Anschlussstelle Augsburg-West und Pasing eigentlich nur ein Schienen- oder Schwebebahnsystem sinnvoll.

Wittelsbacher Land: Autopendler nicht bereit, in Busse umzusteigen

Für eine leistungsfähige und attraktive Verbindung braucht es dreizehn Haltestellen mit P&R-Parkplätzen vorrangig an den A8-Auffahrten, so die Universität in einer Projektvorstellung. Im Wittelsbacher Land wären das Derching (Friedberg), Dasing, Adelzhausen und weiter Odelzhausen, Sulzemoos, Bergkirchen-Gewerbepark.

Eine schnelle Verbindung nach München zwischen den bestehenden S-Bahn-Ästen S2 (Altomünster, Kreis Dachau) und S3 (Mammendorf, Kreis Fürstenfeldbruck) wird seit Jahrzehnten in den westlichen Umlandkreisen der Metropole gefordert. Eine weitere S-Bahn an der A8 bis Dasing (Anbindung zur Regiobahn) war dabei genauso ein Gedankenspiel wie eine Schnellbus-Verbindung Dasing-Pasing auf der Autobahn.

Das Erstere lässt sich allein schon wegen der Trassenführung nur mit einem immensen baulichen Aufwand realisieren. Die Bus-Verbindung stand bis zuletzt auf der politschen Tagesordnung, scheiterte an den Kosten ( wir berichteten ) und wird derzeit nicht mehr verfolgt.

In der Studie der Universität wird diese schnell umzusetzende Alternative auch gar nicht abgefragt. Michaela Tießler, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Verkehrstechnik, begründet das mit der fehlenden Akzeptanz. Bisherige Untersuchungen hätten ergeben, dass Autopendler nicht bereit seien, in Busse umzusteigen: Wenn, dann müsse das neue Verkehrssystem unabhängig von der Stauproblematik auf der Autobahn sein.

Die von der Uni vorgeschlagenen innovativen Verkehrsmittel haben gemein, dass sie kaum Flächen verbrauchen, vollautomatisch und fahrerlos funktionieren und mit Strom betrieben werden können. Die Ergebnisse der Potenzialanalyse sollen bis März nächsten Jahres vorliegen.

Das Transportsystem Max Bögl.
Bild: Firmengruppe Max Bögl

Die Befragung läuft zwei Monate ab September. Der Link https://survey.unibw.de/dachau ist noch nicht freigeschalten. Unter den Teilnehmern werden Preise verlost.

Das Transportsystem Bögl:

  • System Fahrerloses automatisches Personentransportsystem
  • Technik Elektromagnetisches Schwebesystem mit kombinierter Trag- und Führfunktion
  • Länge zwölf Meter pro Sektion
  • Kapazität Rund 250 Passagiere bei zwei Sektionen.
  • Reisegeschwindigkeit Bis zu 150 Stundenkilometer
  • Max Bögl Das international tätige Bauunternehmen aus Neumarkt (Oberpfalz) beschäftigt 6500 Mitarbeitern. Das Unternehmen hat unter anderem die erste kommerziell betriebene Transrapid-Strecke in Shanghai (China) errichtet. (Quelle: Firmengruppe Bögl)
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Die Diskussion ist geschlossen.

17.07.2019

Magnetschwebebahn haben wir schon einmal in den Sand gesetzt.

Dann haben wir das ganze nach China verkauft. Ich bin selbst schon im beeindruckenden Shanghai Maglev mit 430 km/h zum Flughafen gefahren, dennoch ist das Projekt auch dort von technischen und finanziellen Pannen geplagt.

Deshalb sehe ich das ganze etwas kritisch. Insbesondere, weil bereits eine teure Infrastruktur (Bahn) München mit Augsburg verbindet, welche jedoch seid Jahren vernachlässigt wird. Es kommt zu Nadelöhren, ständigen ausfällen und Verspätungen.

Wenn man Jahrhundert alte Basistechnologien nicht zum laufen bringt, sollte man sich erst darum kümmern, bevor man nach den Sternen greift.

Das erinnert mich bisschen an Indoen heute. Erst vor wenigen Tagen ist der Start der Mondmission gescheitert. Man gönnt sich ein teures Raumfahrtprojekt (begleitet von Pech und Pannen), während Millionen Bürger nicht ausreichend zu essen haben, keinen Wohnraum und sauberen Zugang zu Trinkwasser.


Deshalb: Bitte immer nachhaltige, funktionierende Gesamtlösungen anstreben anstatt das Geld der Steuerzahler links und rechts zu verprassen.

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17.07.2019

Prinzipiell finde ich den Ausbau von Alternativen zum PKW sinnvoll. Gerade wenn es um Pendlerströme geht.

Der Vorteil dieser "Kögl"-Lösung wäre sicherlich, dass es eine dedizierte Strecke ist, die nur durch die Magnetschwebebahn genutzt werden kann, unabhängig von anderen Verkehrswegen genutzt werden würde und deshalb sicher eine hohe Pünktlichkeitsrate hätte.

Die Frage, die man sich stellen muss ist aber, ist es auch eine Konkurrenz für die Bahn? Kann man die ausgebaute Bahnstrecke effektiver machen, um ähnliche Werte zu erzielen?

Bedarf es eher schnelle neue S-Bahn Strecken ins Umland? 150 km/h für die Magnetschwebebahn ist ja auch nicht Welt.

Auch sollte man sich die Erfahrung in Shanghai anschauen, wo die Transrapidstrecke verkommt und wohl durch ein Zugsystem ersetzt werden soll.

Schwierig... für die Autofahrer wäre es aber in der Bauzeit bestimmt nicht lustig, weil wenn die Strecke über den mittelstreifen genutzt wird, bedarf es sicherlich die Sperrung der 3. Spur! Juhu!!

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