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Aichach

16.07.2020

Seit 40 Jahren bei der Feuerwehr: 2222 Mal ist Josef „Beppo“ Steidle ausgerückt

Josef Steidle sitzt zufrieden vor einem Einsatzfahrzeug „seiner“ Freiwilligen Feuerwehr Aichach.
Bild: Feuerwehr Aichach (Repro)

Plus Seit 40 Jahren ist der Aichacher Josef "Beppo" Steidle bei der Freiwilligen Feuerwehr. Bei seinen Einsätzen hat er auch schlimme Erfahrungen gemacht.

Man muss lange suchen, ehe man einen Feuerwehrmann mit dieser Bilanz findet. Josef „Beppo“ Steidle absolvierte vor Kurzem seinen 2222. Einsatz im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Aichach, die sichtlich stolz ist auf dieses Schnappszahl-Jubiläum. „Dafür muss man schon 40 Jahre dabei sein“, rechnet Kommandant Christoph Fischer vor. „Sonst schafft man es nicht.“ Er kann sich nicht vorstellen, dass im Kreis seiner rund 80 Aktiven jemand noch öfter zum Löschen, Retten oder Bergen unterwegs gewesen sein könnte.

Steidle hat nicht nur positive Erinnerungen bei der Feuerwehr gesammelt

Viermal die Zwei: Mittlerweile ist Steidle schon längst auf dem Weg zu weiteren Marken, schließlich vergeht kaum ein Tag, an dem die Floriansjünger nicht gefordert sind. Und Steidle, der sich als 62-Jähriger in der Passivphase der Altersteilzeit befindet, ist beruflich nicht mehr gefordert. Der Hinweis auf seinen jahrzehntelangen Arbeitgeber ist dem Mann, der aus Aichach stammt und in der Steidlestraße lebt, besonders wichtig: „Die Firma hat nie Schwierigkeiten gemacht, wenn ich ausgerückt bin, auch untertags nicht.“ Bei Julius Zorn war er als technischer Angestellter tätig. Drei seiner Kameraden sind nach wie vor dort beschäftigt.

So manch schlimme Erfahrung hat Steidle, der am 1. April 1974 Mitglied der Aichacher Feuerwehr wurde, in all den Jahren gesammelt. Gleich in der Startphase kam er zu einem Unfall an der alten B300, bei dem eine gute Bekannte gestorben war. An einem Weihnachtsfest brannte in Obergriesbach eine Wohnung.

Unvergessen bleibt für Steidle ein Unfall am Bahnübergang in Sulzbach

Zwei Kinder konnten gerettet werden, ein weiterer Bub hatte keine Überlebenschance. Man fand seine Leiche mit einem Teddybären in der Hand. Steidle auch nach gut drei Jahrzehnten: „Das schlägt einen schon auf den Magen.“ Unvergessen bleibt ihm auch ein Unfall am Bahnübergang bei Sulzbach, als Vater, Mutter und ein Kind ums Leben kamen.

Das Gleiche gilt für den Brand in einer großen Villa in der Bahnhofstraße vor 30 Jahren. Zusammen mit Albert Dussmann, dem Onkel des heutigen Zweiten Bürgermeisters Josef Dussmann, musste Steidle damals einen Innenangriff machen: „Mit dem habe ich mich überall reingetraut.“ Und ganz allgemein sagt er über seine Arbeit im Ehrenamt: „Wenn ich kein Risiko auf mich nehme, muss ich Schach spielen.“ Stellvertretender Kommandant war er zwölf Jahre lang, dazu Ausbilder in diversen Bereichen. Darum kann „Beppo“ Steidle heute von sich sagen, dass die aktuelle, junge Führung mehr oder weniger durch seine Schule gegangen ist.

Immer ein kompetenter und geduldiger Ansprechpartner bei den Tagen der offenen Tür ist Josef Steidle.
Bild: Feuerwehr Aichach (Repro)

Auch sein Sohn ist bei der Aichacher Feuerwehr aktiv

Die Frage, ob ihm der Dienst für seine Mitmenschen überwiegend Spaß bereitet hat, kann man sich eigentlich ersparen.

Natürlich kam der nicht zu kurz trotz der vielen Erlebnisse, die sich irgendwie eingebrannt haben im Gedächtnis dieses Mannes, dessen Sohn Thomas bereits seit 17 Jahren auf seinen Spuren wandelt. „Früher haben wir noch mehr Gaudi gehabt“, versichert Steidle senior, der so manche Moritat zum Besten geben könnte.

Aber bei diesem Thema zieht er es vor, den Mantel des Schweigens darüber zu legen. Das gemütliche Beisammensein mit seinen Mitstreitern, etwa beim alljährlichen Enten-essen, kann er als kleines Dankeschön dafür ansehen, dass er so manches Mal um halb drei Uhr morgens „im schönsten Tiefschlaf“ jäh aus den Federn gerissen wurde.

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