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Prozess

10.02.2015

Sektglas-Attacke: Junger Frau bleiben Narben im Gesicht

Angeklagte beteuert, dass die Tat keine Absicht war. Sie ist seit dem Vorfall psychisch angeschlagen

Die Narben im Gesicht einer 20-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis sieht man noch heute. Verursacht haben sie im Januar vor einem Jahr die Scherben eines Sektglases, das ihr eine 20-jährige Aichacherin ins Gesicht geschlagen hatte. Es sei keine Absicht gewesen, beteuerte die Angeklagte gestern den Tränen nahe vor dem Aichacher Amtsgericht. Staatsanwältin Rauch glaubte das nicht. Sie forderte wegen gefährlicher Körperverletzung einen dreiwöchigen Dauerarrest. Richter Dieter Gockel berücksichtigte in seinem Urteil, dass die Aichacherin wegen des Vorfalls psychisch angeschlagen ist.

Unachtsam und angetrunken sei sie gewesen und übernehme die Verantwortung, sagte die Aichacherin vor Gericht. Was genau vor einem Jahr gegen zwei Uhr morgens in einer Kneipe passiert war, wusste sie nicht mehr. Ganz sicher war sich die Angeklagte aber, dass sie nicht mit dem Glas Sekt in der Hand zum Schlag ausgeholt und die 20-Jährige bewusst habe verletzen wollen. Sie könne sich noch daran erinnern, dass sie an ihrem Arm festgehalten worden sei und sich daraufhin ruckartig umgedreht habe, sagte sie aus. Dabei müsse sie die 20-Jährige verletzt haben, folgerte die Angeklagte. Bewusst geworden sei ihr dies erst ein paar Minuten später, als die Freunde der 20-Jährigen ihr vorwarfen, der jungen Frau ein Sektglas ins Gesicht geschlagen zu haben.

Mehrere Schnittwunden rund um die Augenpartie

Die 20-Jährige hatte mehrere Schnittwunden im Gesicht rund um die Augenpartie. Einige davon so tief, dass noch heute die Narben zu sehen sind. „Die Schmerzen waren höllisch“, sagte sie vor Gericht aus. Drei Tage lang habe sie Sehstörungen gehabt. „Den Schlag habe ich noch heute direkt vor Augen“, so die 20-Jährige. Die Angeklagte habe ausgeholt und ihr das Glas von oben nach unten ins Gesicht geschlagen.

Klarheit über die Frage, welche der beiden Versionen die richtige ist, erhoffte sich Verteidiger Reinhard Baade von einem Gutachten.

Anhand der Verteilung der Verletzungen ging der Sachverständige des Rechtsmedizinischen Instituts München davon aus, dass sie „von einem Schlag von oben, mit einer Ausholbewegung“ stammen. „So wie die Verletzungen verteilt sind, ist es naheliegend, dass das Glas in der Stirnregion auftraf.“ Der Sachverständige hielt es für unwahrscheinlich, dass das Sektglas beim Umdrehen im Gesicht zerspringen würde. Ganz ausschließen wollte er es aber auch nicht.

Staatsanwältin Rauch hielt der Angeklagten eine alkoholbedingte Enthemmung zugute. Sie hatte an dem Abend rund 1,9 Promille. Schwer wog für die Staatsanwältin jedoch, dass die Aichacherin mit dem Sektglas einen sehr sensiblen Bereich am Auge getroffen habe. Wegen gefährlicher Körperverletzung forderte sie drei Wochen Dauerarrest sowie eine Geldauflage in Höhe von 800 Euro.

Dem schloss sich auch Anja Seitz-Dembinsky an. Die Rechtsanwältin vertrat die 20-jährige Nebenklägerin. „Verwundert und schwer irritiert“ war die Anwältin über den Verfahrensverlauf. Die Angeklagte hätte gleich aussagen sollen, dass ihr alkoholbedingt der Gaul durchgegangen sei, meinte die Anwältin.

Verteidiger Baade sprach sich für Hilfsdienste und eine Geldauflage wegen fahrlässiger Körperverletzung aus. Er wies darauf hin, dass sich die Angeklagte von Anfang an sehr bestürzt gezeigt habe und mehrfach versucht hatte, sich bei der 20-Jährigen zu entschuldigen. Der Vorfall habe die Aichacherin völlig aus der Bahn geworfen und sie ziehe sich aus dem sozialen Leben zurück, hieß es im Attest einer Therapeutin.

Das berücksichtigte Richter Gockel in seinem Urteil. Er verurteilte die Aichacherin zu 120 Stunden Hilfsdiensten. Außerdem muss sie insgesamt 2500 Euro Schmerzensgeld an die 20-Jährige zahlen. Als Motiv für die Tat vermutete Gockel Eifersucht. Die 20-Jährige ist mit einem Ex-Freund der Aichacherin zusammen. (drx)

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