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Aichach-Friedberg

17.06.2020

Serie: Warum die Kapelle in Oberhaslach an Schicksale erinnert

Die Kapelle Mariä Geburt in Oberhaslach mit dem leicht vorgesetzten Turm wurde 1926 erneuert.
Bild: Hubert Raab

Plus Der Ort Oberhaslach wird 1405 erstmals erwähnt. Die Kapelle Mariä Geburt berichtet von Kriegen und Familiengeschichten. Was sonst noch besonders ist.

Die Einöde Oberhaslach südöstlich von Sielenbach kann eine lange Geschichte aufweisen. Sie nimmt vor 1400 ihren Anfang. Urkundlich ist der Ort seit 1405 nachweisbar. Hier steht auch die Kapelle Mariä Geburt. Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg beginnt mit Johann und Anna Mayr um 1600 die in vielen Generationen ununterbrochene Linie der Hofbesitzer.

1643 heiratete die Witwe Elisabeth Mayr Georg Asum aus Tödtenried. Mit ihm beginnt die Asumlinie in sechs Generationen, ehe 1844 die Witwe Magdalena Asum Stephan Riedlberger ehelichte. Der Ehe von Magdalena und Stephan Riedlberger entstammten neun Kinder, fünf Buben und vier Mädchen. Doch von den ersten acht Kindern überlebte nur ein Bub, der künftige Hoferbe Josef. Vielleicht war dies ein Grund dafür, dass die Eheleute nach diesen Schicksalsjahren in den Jahren 1862/63 neben dem Wohnhaus eine neue Kapelle an der Stelle eines Vorgängerbaus errichteten.

Im folgenden Jahr 1864 am 1. Januar kam ein zweiter Bub zur Welt, der überlebte und den Namen Kaspar erhielt. Von der Vorgängerkapelle, die in der Uraufnahme eingezeichnet ist, konnte nichts in Erfahrung gebracht werden. Der Zeit entsprechend wurde die neue Kapelle im neugotischen Stil errichtet. Es ist ein einschiffiger Bau mit dreiseitigem Schluss, der manche für die Zeit typischen Merkmale aufweist. Über dem Eingang erhebt sich leicht vorgesetzt der Turm. Er ist zunächst würfelförmig quadratisch, dann nach einem kurzen kupfernen Regendächlein zierlicher achteckig. Darüber erhebt sich zwischen Dreiecksgiebeln ein Spitzhelm, auf dem ein Kreuz ruht. Bei der Restaurierung der Kapelle Mariä Geburt 1926 wurde auch der Turm erneuert.

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Oberhaslach: Das ist die Geschichte der Kapelle

Der Innenraum wird durch je drei große spitzbogige Fenster auf beiden Seiten beleuchtet. Ins Auge sticht beim Eintreten sogleich der reich verzierte dreiteilige neugotische Altar der Erbauungszeit. Die Grundfarbe ist grau, die überaus reichen Verzierungen sind vergoldet, wenige blaue Linien unterstreichen dezent die räumliche Wirkung. Sie korrespondieren geschickt mit dem blauen, von vielen Sternen überzogenen Himmel im Altarraum. In der Nische des Mittelteils, dessen Spitzbogen reich verziert ist, steht die gekrönte Gottesmutter. Ihr Haupt ist von einem Sternenkranz umgeben. Auf dem rechten Arm trägt sie das segnende Jesuskind, das in seiner Linken eine kleine, vergoldete Erdkugel hält. In der Linken hält Maria einen Rosenkranz. Über der Nische erhebt sich ein von vergoldeten Krabben besetzter Wimperg, der von Fialen flankiert wird. Er schließt mit einer Giebelblume. In den baldachinartigen Seitennischen, die von kleineren Wimpergen und Fialen überhöht sind, sind links der Heilige Florian und rechts der Heilige Sebastian zu sehen. 1893 wurde der Altar überarbeitet.

Auch die drei Felder des Altarantependiums sind mit gotischen Verzierungen versehen. Dabei zeigt das mittlere ein Kreuz in einem Vierpass. Zu beiden Seiten des Eingangs befindet sich je eine von Tuffsteinen gebildete Figurennische. Links sieht man die Lourdesmadonna, rechts den Heiligen Joseph mit einer Lilie. An den Wänden verteilt hängen die 14 Tafeln des Kreuzwegs, 1880 von Joseph Schweiger aus Aichach gefertigt. Hinzuweisen bleibt noch auf die Kirchenstühle aus der Entstehungszeit mit im neugotischen Stil verzierten Wangen sowie Gedenktafeln für die Familie Riedlberger und Ferdinand Asam und Leonhard Asum. Letztere waren Teilnehmer der Feldzüge Napoleons nach Polen im Jahr 1807 und Russland 1812.

Buch: Kapellen im Wittelsbacher Land auf 190 Seiten

Die jetzigen Hofbesitzer Katharina und Ulrich Britzelmair öffnen gerne ihre Kapelle nach telefonischer Anmeldung unter 08258/387. (Gabriele und Hubert Raab)

„Kapellen im Wittelsbacher Land“, Wißner-Verlag, 190 Seiten, viele Fotografien. Das Buch ist im Verlag vergriffen. Es sind jedoch Exemplare im Landratsamt vorrätig (Kontakt: katharina.martin@lra-aic-fdb.de) sowie teilweise auch im örtlichen Buchhandel.

Lesen Sie weitere Teile unserer Kapellenserie:

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