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Lesung

19.11.2019

Sie haben einen besonderen Sinn für Unsinn

Als „ziemlich beste Freunde“ zeigten sich Filmregisseur Marcus H. Rosenmüller (links) und Filmkomponist Gerd Baumann bei der poetisch-musikalischen Lesung im Blumenthaler Freiraum.
Bild: Manfred Zeiselmair

Marcus H. Rosenmüller und Gerd Baumann stellen ihr Buch „Wenn nicht wer du“ in Blumenthal vor

Sie haben einen ganz besonderen Sinn für Unsinn – und das beweisen sie überzeugend bei ihrer musikalischen Lesung am Samstagabend im voll besetzten Freiraum in Blumenthal. Auf der Bühne sitzen mit dem bekannten bayerischen Filmregisseur Marcus H. Rosenmüller und seinem kongenialen Filmmusik-Kompagnon Gerd Baumann zwei, um die Filmsprache zu wählen, „ziemlich beste Freunde“. Diesen Eindruck gewinnt jedenfalls das Publikum, wenn die beiden gut gelaunt ihre Gedichte und Lieder aus dem gemeinsamen Buch „Wenn nicht wer du“ zum Besten geben. An einem Abend voller humorvoller Fantasie- und Traumgeschichten und meist nicht ganz ernst gemeinter Lebensweisheiten, bei dem kein Auge trocken bleibt.

In ihrem Programm spielen sich Rosenmüller und Baumann immer wieder geschickt mit ihren gereimten Geschichten gegenseitig den Ball zu, ohne dabei das Publikum außen vor zu lassen. Schon zu Beginn verleiht sich Gerd Baumann „für dieses besondere interaktive Konzept“ einen Innovationspreis. Und so gehen die beiden auf viele Themenwünsche ihrer Zuhörer ein. Es scheint bisweilen sogar, als gestalten Baumann und Rosenmüller – manchmal über geschickte Umwege – spontan ihr Programm danach.

Tatsächlich gibt es kaum einen Gedanken, den die beiden in ihren Gedichten nicht schon einmal thematisiert hätten. Und diese Gedanken sprudeln, meist ohne einen Blick ins Manuskript zu werfen, wie aus einer nicht versiegenden Quelle geradezu aus ihnen heraus: spielerisch leicht und in Verse verpackt, mal ernst und hintergründig, mal urkomisch und absurd.

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„Rosi“ Rosenmüller, der sich nach eigenem Bekunden in der Schule schon als Klassenclown hervortat, erweckt dabei den Eindruck, als sei er dem Lausbubenalter nie entwachsen. Der Filmemacher aus Hausham, das er als „oberbayerisches Manchester“ bezeichnet, bringt sich bei den vorgetragenen Gedichten und Wortspielen ein ums andere Mal selbst zum Lachen. Zum Beispiel bei seiner „karibischen Sehnsucht“ , die ihn beim Motorradllastwangtaxi-Rauschen in seiner Studenten-WG am Mittleren Ring erfasst. Oder beim Gedicht über Schaf und Schäfer, das so beginnt: „Ein Schäfer zählte seine Schafe, stellte fest, dass eines fehlte. Das stand hinter ihm ganz brav, weil es nämlich Schäfer zählte …“.

Bei manchem Reim fühlt man sich unweigerlich an den unvergessenen Heinz Erhardt erinnert, der neben Joachim Ringelnatz einer von Rosenmüllers Lehrmeistern war. Der Filmkomponist und Liederschreiber Baumann tut es „Rosi“ gleich und steht keinesfalls hinten an. Er glänzt mit seinen musikalischen Geschichten, die er virtuos auf der Gitarre begleitet. Beim Anti-Pegida-Song „Du bist das Volk?“ schlägt er auch mal harte politische Töne an. Schließlich tragen „Rosi“ und er als wohl einzige Mitglieder des Limerick-Clubs „LC Schade“ noch einige ihrer ganz besonderen fünfzeiligen Nonsens-Gedichte vor. Und als ernsten Nachschlag gibt’s von Gerd Baumann noch ein wunderschönes Liebeslied an ein ungeborenes Kind aus dem Rosenmüller-Film „Sommer in Orange“.

Im Pressegespräch erzählen die beiden, dass sie sich 2005 bei den Dreharbeiten zu „Wer früher stirbt ist länger tot“ näher kennengelernt und viele Gemeinsamkeiten entdeckt haben. „Seitdem haben wir mehr als 130 Lesungen hinter uns“, sagt Rosenmüller, „und jede is a bissl anders“.

„Rosi“ verrät dann sein nächstes Filmprojekt. Es schließt sich der Kreis, denn es ist eine Dokumentation über die „folklorefreie Volksmusik“ von Gerd Baumanns außergewöhnlicher siebenköpfiger Band Dreiviertelblut.

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