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Therapie

04.11.2015

Sie hilft, mit Musik die Trauer zu überwinden

Musik und Taschentücher – Elke Galic hilft damit Menschen bei der Trauerarbeit.
Bild: Sebastian Richly

Heilpraktikerin Elke Galic aus Dasing hilft mit den richtigen Klängen über einen Verlust hinweg. Warum bei ihrer speziellen Therapie auch Bilder eine Rolle spielen.

Taschentücher gehören für Elke Galic zur täglichen Arbeit dazu, denn es fließen viele Tränen. In ihrer Praxis im Dasinger Ortsteil Wessiszell hilft die Heilpraktikerin Menschen über ihre Trauer hinweg – mit musikalischer Unterstützung. Mit speziellen Klängen sollen ihre Patienten den Schmerz überwinden und zurück in den Alltag finden. Die Menschen kommen aus unterschiedlichsten Gründen, nicht immer ist ein geliebter Mensch gestorben. Manche wenden sich nach Trennungen an Galic. Und auch der Verlust eines Tieres wird betrauert.

Die Trauernden kommen meist ein halbes Jahr oder noch später nach einem Verlust. So auch eine 41-jährige Kissingerin, deren Schwester vor fünf Jahren an Krebs gestorben war. „Anfangs gibt das Umfeld viel Halt. Mit der Zeit fällt das weg“, sagt sie. Lange litt sie unter massiven Schlafstörungen und konnte so den Alltag kaum bewältigen. „Irgendwann musste ich mir einfach Hilfe suchen.“ Angefangen hat es mit autogenem Training bei Elke Galic, irgendwann entschied sie sich für die Musiktherapie: „Ich wollte das unbedingt ausprobieren.“

Los geht es immer mit einem Vorgespräch, damit Galic weiß, mit welchen Problemen die Menschen zu tun haben. Erst dann kommt die Musik zum Einsatz. Im Dachgeschoss steht eine Liege, die Patienten legen sich hin und schließen die Augen. Dann geht es auf eine musikalische Reise mithilfe speziell entwickelter Programme. Die 41-jährige Patientin erinnert sich: „Ich konnte endlich meine Emotionen rauslassen. In der ersten Sitzung flossen sehr viele Tränen. Es war für mich wie eine Befreiung.“ Instrumentale Barockmusik erfüllt den Raum, mal langsam, mal schnell – Paukenschläge und Trommeln setzen ein. „Die Musik hat immer genau meine Stimmung widergespiegelt. So konnte ich mich ganz darauf einlassen und Halt finden.“

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Die Patienten erzählen von den Bildern in ihren Köpfen. Anhand dieser wählt die Heilpraktikerin die Stücke aus: „Musik ist gleich Emotion. Sie erzeugt innere Bilder, die helfen, Probleme freizulegen.“ Die Kissinger Klientin sah etwa die Beerdigung vor ihrem inneren Auge. „Mir wurde klar, dass sie nicht mehr wiederkommt. Aber die geistige Verbindung bleibt immer bestehen.“

Die Liedfolgen wechseln, das Ziel bleibt

Je nach Gemütslage gibt es verschiedene Liedfolgen – alle mit demselben Ziel: Die Patienten sollen für sich selbst eine Lösung finden, um den Alltag wieder bewältigen zu können. Dabei geht es nicht immer ruhig zu. „Manche werden richtig wütend und werfen Kissen durch den Raum. Da kann ich keine langsame Musik laufen lassen“, sagt Elke Galic. Vor allem bei Frauen staue sich in der Trauer viel auf.

Die Musik ändert die Therapeutin erst dann, wenn der Patient in eine andere Stimmung gelangt. Am Ende der musikalischen Reise soll so eine emotionale Entwicklung stehen. „Einfach fröhliche Lieder aufzulegen, hat wenig Sinn. Das hilft höchstens kurzfristig“, weiß sie. Im Nachgespräch berichtet die Patientin von ihren Gefühlen und malt davon ein Mandala. Anhand des Bildes kann Galic dann die Entwicklung nachvollziehen. „Abendröte“, „Kraft der Liebe“ oder „Vorwärts“ – den Werken werden Namen gegeben. Das dokumentiere auch den Therapieverlauf.

Im Optimalfall kann der Patient danach mit der Trauer umgehen und wieder einen normalen Alltag bestreiten. So auch die trauernde Kissingerin: „Ich habe immer besser geschlafen, und deshalb ging es mir insgesamt besser.“ Heute steht sie dank der Therapie, die sie im Januar beendet hat, wieder mitten im Leben. Der Schmerz ist aber nicht einfach weg: „Gerade zur Weihnachtszeit, wenn die Familie zusammenkommt, merkt man, dass ein Verlust da ist. Dann werde ich auch traurig und weine. Jetzt kann ich aber damit umgehen.“

Kontakt: Nähere Informationen zur musikalischen Trauerverarbeitung gibt es unter www.klang-art.org. Elke Galic ist unter 08205/9694793 erreichbar.

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