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Staatsempfang

05.08.2015

„Sie sehen, wo die Not am größten ist“

Petersdorf und Pöttmes waren vergangene Woche, nebst anderen Ortschaften aus dem Landkreis Aichach-Friedberg, beim Staatsempfang für ehrenamtlich Engagierte im Asylbereich vertreten: (von links) Bürgermeister Richard Brandner aus Petersdorf, Sozialministerin Emilia Müller, Monika Huber vom Asylkreis Pöttmes sowie Katarina Brandner aus Petersdorf. Nach der offiziellen Begrüßung bot sich die Gelegenheit, der Sozialministerin persönlich Wünsche und Anregungen vorzubringen.
Bild: Foto: Vicky Jeanty

1500 Asylhelfer aus ganz Bayern werden zum Dank für ihr Engagement von Sozialministerin Emilia Müller eingeladen. Auch das Wittelsbacher Land ist dabei vertreten.

Dem Ehrenamt im Asylbereich wurde Ehre zuteil. Sozialministerin Emilia Müller lud vergangene Woche zum Staatsempfang in den Löwenbräukeller in München ein. 1500 ehrenamtlich engagierte Asylhelfer aus ganz Bayern waren der Einladung gefolgt, darunter auch mehrere aus dem Landkreis Aichach-Friedberg. „Sie sehen, wo die Not am größten ist und helfen ohne viel Aufhebens“, sagte die Ministerin.

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Der Staatsempfang sollte laut Emilia Müller ein offizielles Dankeschön und ein sichtbares Zeichen dafür sein, wie hoch im Kurs auch für die Politik der ehrenamtliche Einsatz der Asylhelfer stehe. Deren Engagement, so die Sozialministerin, schaffe eine „neue Art der Beheimatung für diejenigen, die alles verloren haben“. Johannes Hintersberger, Staatssekretär für Arbeit und Soziales, sagte: „Ihr gebt unserer Gesellschaft ein menschliches Gesicht“.

Vor den Rednern saß ein interessanter Querschnitt dieser Gesellschaft: Junge und Ältere, Berufstätige, Familien, Rentner, die allesamt eines antreibt: mit Kraft und Ausdauer sich für die engagieren, die in Not sind und Hilfe brauchen. Deren Zahlen explodieren: Seit Jahresbeginn sind in Bayern über 42000 Asylbewerber angekommen, an einzelnen Tagen würden über 1000 registriert, so die Sozialministerin. Allein zwei Millionen Syrer lagern an der türkischen Grenze und hoffen auf ein Weiterkommen. „Die Welt ist aus den Fugen geraten, wir erleben eine Flüchtlingsproblematik von historischem Ausmaß“, sagte sie. Und: „Das ist nicht das Ende einer Fluchtbewegung, wir stehen vielmehr mitten drin“.

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Ämter, Gemeinden, Ehrenamtliche gehen bis an ihre Grenzen. Erleichterung versprach die Ministerin etwa mit der Zusage, speziell vermehrt hauptamtliche Beratungs-und Anlaufstellen auszubauen, die als Koordinatoren den Ehrenamtlichen die Arbeit erleichtern sollen. Hierzu sind allein 500000 Euro vorgesehen, wobei die vom Freistaat vorgesehen Mittel auf knapp 21 Millionen aufgestockt werden soll. Deutschkurse sollen vermehrt gefördert werden. Anerkennungsverfahren müssten schneller abgewickelt werden. Von guten Fortschritten gerade im Bereich Ausbildungsangebot für junge Flüchtlinge sprach Hintersberger. Deutschland sei ein Einwanderungsland, das facettenreich und differenziert denken müsse, forderte Martin Neumeyer, Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung.

Gelegentlich gab es Applaus, hin und wieder Zwischenrufe. Die Sozialministerin sprach sich für die umstrittenen angedachten zwei grenznahen Aufnahme-Zentren für Balkanflüchtlinge. Sie blieb dabei, dass Asylbewerber mit geringer Bleibeperspektive umgehend in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden sollten.

Beim Arbeitsverbot für Flüchtlinge aus sogenannten sicheren Herkunftsländern – dazu zählen der Senegal und Ghana – gab es Redebedarf. Die Dachauer Asylhelferin Andrea Stolze forderte kategorisch eine Zurücknahme des von Innenminister Joachim Herrmann im März erlassenen Gesetzes. „In den Augen der Bevölkerung ist das kontraproduktiv“, argumentierte Stolze, und unterlaufe den von allen Seiten geforderten Integrationsprozess.

Bei dem 23-jährigen Syrer Yazdan Ayo ist dieser Prozess beispielhaft gut gelaufen. Der junge Mann ist seit knapp zwei Jahren in Deutschland, absolvierte ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei, visiert ein Studium an. In tadellosem Deutsch gab er der Hoffnung und dem Wunsch vieler junger Leute seiner Generation Ausdruck: „Deutschland hat mir viel gegeben, ich will es zurückgeben“.

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