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Aichach-Friedberg

23.10.2016

So bereiten sich die Retter auf mögliche Terroranschläge vor

Egal ob Amok oder Terror: Die bayerischen Rettungsdienste sollen für Katastrophen gerüstet werden.
Bild: Wolfgang Widemann (Symbolbild)

Notärzte und Sanitäter im Landkreis haben nun neue Ausrüstung für den Terrorfall. Damit sollen vor allem starke Blutungen gestoppt werden. Auch die Polizei bekommt neues Equipment.

Keiner mag sich ausmalen, was passieren würde, wenn es im Landkreis Aichach-Friedberg einmal einen Terroranschlag gäbe. Dennoch müssen Polizei und Rettungskräfte auf diesen Extremfall vorbereitet sein. Da sie dies bisher nicht in ausreichendem Maß waren, wurde in jüngster Zeit nachgerüstet. Dennoch sind sich die Beteiligten einig: Auf einen richtig großen Terroranschlag kann man nicht vorbereitet sein.

Neue Ausrüstung für Rettungswagen im Landkreis

Trotzdem hat das Bayerische Innenministerium als Reaktion auf die Anschläge in Paris im November 2015 und Brüssel im März 2016 eine neue Handlungsempfehlung für den Rettungsdienst herausgegeben. Dabei geht es auch darum, dass sich die Helfer selbst schützen. Wie der stellvertretende Rettungsdienstleiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im Kreis, Robert Lang, erzählt, werden alle Mitarbeiter „einsatztaktisch geschult“. Ging dem Einsatz beispielsweise eine Explosion voraus, könnte eine zweite Bombe folgen. „Die Gefahr besteht darin, dass ein Zweitschlag bewusst darauf abzielen könnte, die Einsatzkräfte auszuschalten“, erklärt Lang.

Damit die Rettungskräfte den Verletzten bestmöglich helfen können, hat das Innenministerium eine Reihe neuer Ausrüstungsgegenstände für die Rettungswagen in Bayern empfohlen. Im Landkreis wurden die hauptamtlich betriebenen Wagen und Notarztfahrzeuge bereits damit ausgestattet.

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Laut Lang haben die Fahrzeuge jetzt zusätzliches Schienungsmaterial für Brüche und eine Beckenschlinge zur Stabilisierung des Beckens an Bord. Neu sind so genannte Tourniquets, mit denen stark blutende Gliedmaßen abgebunden oder Amputationsverletzungen versorgt werden können. Zudem werden Wundverbände mitgeführt, die durch einen speziellen Wirkstoff Blutungen stoppen können. Bei Brustkorbverletzungen, etwa durch Einstiche, können Thoraxverschlusspflaster mit Ventil helfen, da angestaute Luft durch das Ventil entweichen, aber keine Luft von außen eindringen kann.

Thomas Greppmair, stellvertretender Leiter der BRK-Rettungswache Aichach, zeigt die neuen Ausrüstungsgegenstände für den Terrorfall.
Bild: Evelin Grauer

Lang hofft, dass die Einsatzkräfte mit dieser Ausrüstung im Notfall ausreichend helfen können. Er betont aber, dass bei einem Terrorfall unbedingt ein leitstellenübergreifendes Zusammenwirken erforderlich ist. Denn auch ohne Terroreinsatz arbeiteten die Rettungsdienste schon am Limit.

Polizei bekommt neue Helme und Schutzwesten

Eine Schutzausrüstung gibt es beim Rettungsdienst nicht – anders bei der Polizei. Die Beamten der Polizeiinspektion Aichach wurden kürzlich mit moderneren Helmen und Schutzwesten, die schärfere Munition abhalten, versorgt. Über neue Distanzwaffen werde derzeit diskutiert, erklärt Inspektionsleiter Erich Weberstetter.

Bei den regelmäßigen Trainings der Polizisten werden auch Anschlagsszenarien durchgespielt. Jeder Kollege absolviert vier bis fünf Halbtagesschulungen im Jahr. Es sei wichtig, dass alle Kollegen auf dem aktuellen Stand seien, betont Weberstetter. Denn im Terrorfall müssten Beamte unterschiedlicher Reviere reibungslos zusammenarbeiten. Vor allem die Vorgehensweise der Täter sorge für eine neue Dimension des Einsatzes. „Früher hatten wir nicht mit Tätern zu tun, die sich selbst in die Luft sprengen. Auf solche Menschen kann man nicht einfach zugehen und sie festnehmen“, so Weberstetter. Es sei höchste Vorsicht geboten.

Keine neue Ausrüstung für die Feuerwehr

Keine speziellen neuen Ausrüstungsgegenstände gibt es laut Kreisbrandinspektor Christian Happach für die Feuerwehren im Kreis. Diese seien im Terrorfall vor allem gefragt, wenn es zu einem Brand oder einer technischen Hilfeleistung kommen sollte. Für diese Fälle – auch mit mehreren Verletzten – seien die Wehren bereits jetzt ausgerüstet. Zudem gehört zur Grundausbildung der Feuerwehrleute schon länger eine psychologische Schulung, die die Retter auf Einsätze mit schwerer seelischer Belastung vorbereitet.

Wie das Innenministerium betont, sollen die Handlungsempfehlungen für den Terrorfall ständig weiterentwickelt werden. Die Einsatzkräfte hoffen indessen, dass es niemals zum Ernstfall kommt.

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