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Schiltberg

29.01.2020

So entstanden Schiltbergs erste Wasserleitungen

Diese Luftaufnahme aus der Mitte der 1960er-Jahre zeigt den Bauernhof der Familie Asam in Schiltberg. Der Hausname lautet heute noch „zum Graf“. Johann Asam war vor einem knappen Jahrhundert der Erbauer einer Wasserleitung vom Xanderberg herab. Links unten auf dem Foto ist deutlich das quadratische Wasserreservoir zu erkennen.
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Diese Luftaufnahme aus der Mitte der 1960er-Jahre zeigt den Bauernhof der Familie Asam in Schiltberg. Der Hausname lautet heute noch „zum Graf“. Johann Asam war vor einem knappen Jahrhundert der Erbauer einer Wasserleitung vom Xanderberg herab. Links unten auf dem Foto ist deutlich das quadratische Wasserreservoir zu erkennen.
Bild: Repro: Michael Schmidberger

Vor 100 Jahren baute ein Bürger mit Ziegeln erste Sammler in den Boden. Zunächst besaß nur eine Familie das Wasser, ab 1944 nutzte die Gemeinde es mit.

Die Anerkennung der Augsburger Wasserwirtschaft als Unesco-Welterbe 2019 rückt auch die Wasserversorgung auf dem flachen Land verstärkt in den Fokus. Dazu kann Schiltberg ebenfalls ein interessantes Kapitel beitragen – mit den historischen Quellfassungen am Xanderberg und dem Reservoir im Tal. Die ganze Anlage ist weitgehend in Vergessenheit geraten, nur noch wenige betroffene Grundeigentümer können darüber berichten.

Der Xanderberg liegt dem nördlichen Ortsrand von Schiltberg gegenüber. Auf halber Höhe besitzt er einen halbrunden und nach Süden offenen Kessel. Hier bildete die Natur einen Quellhorizont mit einem horizontalen Grundwasserleiter. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde dieser Quellhorizont von Johann Asam (Hausname „Graf“) angezapft. Fachmännisch baute man mit locker gelegten Ziegeln sogenannte Brunnen (Sammler) in den Boden. Ein Hinweis auf das Baujahr 1923 oder 1924 findet sich in den Aufzeichnungen des damaligen Hauptlehrers Franz Wörsching: „1934 hat Xaver Lechner und Lutterschmid Johann eine eigene Wasserleitung gebaut. Asam Johann hat dies schon vor etwa 10 Jahren getan.“

Blick in den nördlichen Sammler am Xanderberg. Die Ziegelsteine liegen unvermörtelt aufeinander, eine schwere Betonplatte sichert den „Brunnen“. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1990.
Bild: Michael Schmidberger

Cilly Geisler, geborene Asam, bestätigt 2017 auf Nachfrage ihren Großvater Johann Asam als Erbauer. Als ihr Vater Robert Asam 1938 heiratete und das Anwesen übernahm, sei „das Wasser schon dagewesen“. Lagepläne und andere amtliche oder technische Dokumente hätten sich jedoch nicht erhalten, bedauert 2019 ihr Bruder Robert Asam jun. Somit sind keine Angaben möglich, ob der Erbauer Johann Asam an die Besitzer der Waldgrundstücke am Xanderberg eine reguläre Pacht oder einen einmaligen Geldbetrag zu entrichten hatte. Außerdem: Ein solches Projekt realisiert man vermutlich nicht allein. Gab es ausführende Betriebe? Wer legte die rund 400 Meter lange Leitung und baute den Düker oder den Durchlass unter der Weilach?

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Wasserversorgung in Schiltberg: Alles begann mit Ziegeln

Der nördliche der beiden Sammler liegt am Fuße des Steilhangs im Waldstück von Anton Ostermayr, dem früheren Vizebürgermeister. Der andere Sammler liegt im südlichen Waldstreifen von Johann und Tobias Paucker (Hausname „Xander“). Die Wasserleitung führte in einem Metallrohr vom Berg herab, durchquerte bei der „Grafer Gumpen“ die Weilach (Gumpe = Vertiefung im Flussbett) und mündete jenseits der Dorfstraße in den Auffangbehälter (Reservoir), genannt „die Reserve“. Die Familie Asam besaß das Wasser anfangs für sich und ihren Viehbestand allein.

Spätestens als 1943 die Gemeinde Schiltberg auf dem jenseits der Straße liegenden Grundstück eine Holzbaracke für den Kindergarten baute und ihn 1944 eröffnete, nutzten Asam und Gemeinde das Wasser gemeinsam. Die Aichacher Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 31. Mai 1944: „Die Gemeinde stellte den Platz zur Verfügung und was sonst gegeben und geschaffen werden mußte, übernahm die NSV.“ NSV steht für Nationalsozialistische Volkswohlfahrt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Baracke seit Frühjahr 1950 als Unterkunft für die Familie Brand, Heimatvertriebene aus dem Böhmerwald. Franz und Mathilde Brand erwarben das Grundstück, bauten 1958 ein Wohnhaus und behielten den Wasseranschluss. Mit dem Neubau eines weiteren Hauses in Nachbarschaft zu Asam und Brand kamen 1965 Cilly und Peter Geisler als dritter Wasserabnehmer hinzu. Anfang der 1970er-Jahre war die Reserve leck geworden. Peter Geisler dichtete das Leck ab.

Die Xanderberg-Wasserversorgung tat noch einige Jahre ihren Dienst. Sie wurde überflüssig, als 1978 das gesamte Dorf die zentrale Wasserversorgung durch den Anschluss an die Tiefbrunnen der Weilachgruppe erhielt. Die Frage, ob seine Vorfahren ebenfalls Wasser vom Xanderberg bezogen hätten, beantwortete Johann Paucker 2017 mit einem klaren Nein. Für das Anwesen Ostermayr schied wegen der großen Entfernung ein Anschluss ohnedies aus.

Historische Wasserversorgung: Das sind weitere historische Beispiele in der Region

Sichtbare Zeugen dieser technikgeschichtlichen Einrichtung sind bis heute die beiden mit Betondeckeln gesicherten Sammler auf dem Xanderberg und die Reserve an der Dorfstraße (Untere Ortsstraße 19). Außerdem müssten links und rechts der Ortsstraße immer noch einige Meter der Rohrleitung im Boden sein. Beim Neubau der Abwasserkanalisation in der Straßenmitte wurde sie im Oktober 1989 jedenfalls durchtrennt. Josef Schmidberger, bis zur Übergabe des Anwesens an seine Tochter Renate Eigentümer der parallel zum Xanderberg verlaufenden Wiese, ergänzt 2017: „Die vom Berg herunterführende Rohrleitung wurde circa 2005 im Wiesengrund (Flur-Nr. 163) defekt. Weil der dadurch in der Wiese verursachte nasse Fleck für die Bewirtschaftung sehr nachteilig war, hat man die Leitung zugemacht, also mit einer Muffe verschlossen.“

Die heutige Gemeinde Schiltberg besitzt im Holzländer Moos zwischen Ruppertszell und Birglbach ein weiteres Beispiel für eine historische Wasserversorgung aus den 1920er-Jahren. Errichtet wurde sie bis 1925 für den hoch gelegenen Ort Wundersdorf. Ausführende Betriebe waren Bauer in Schrobenhausen und Hotschewar in Hilgertshausen (Kreis Dachau).

Die Quellfassungen sind nach dem gleichen System aufgeschichtet wie am Xanderberg. Über die Holzländer Wassergeschichte wurde in den Ausgaben des Aichacher Heimatblattes von Mai, Juni und Juli 1990 berichtet.

Die Rohrleitung mit dem Bergwasser verläuft durch die Wiese von Josef Schmidberger und unter seinen Füßen. Auf diesem Foto vom Januar 2020 blickt er auf das jenseits der Weilach liegende Anwesen von Robert Asam („Graf“).
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