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Sielenbach

12.11.2019

So erzeugt Sielenbach bald das 14-fache seines Stromverbrauchs selbst

Die Versorgung der Gemeinde Sielenbach ist durch einen Mix aus Fotovoltaikanlagen, Windrädern, Biogasanlagen und inzwischen auch Wärmenetzen lückenlos gewährleistet. (Symbolfoto)
Bild: Erich Echter

Plus Sielenbach erzeugt bald das 14-fache seines Stromverbrauchs selbst. Pionier Sepp Bichler wurde anfangs noch belächelt.

Die Japaner kamen schon zwei Mal nach Sielenbach. Auch aus ganz Europa, Südkorea oder Österreich waren schon Besuchergruppen im Rathaus. Alle interessiert vor allem eines: das Konzept der regenerativen Stromerzeugung, mit dem die Gemeinde inzwischen die fünffache Menge des Eigenverbrauchs an Strom erzeugt. Das fünfte Wärmenetz ging Ende September in Betrieb. Speisen im Laufe des nächsten Jahres auch noch die beiden geplanten Freiflächenfotovoltaikanlagen ihren Strom ein, werde Sielenbach das 14-fache seines Verbrauchs erzeugen, schätzt Bürgermeister Martin Echter.

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Sielenbach: Alles begann mit Sepp Bichler von den Energiebauern

Alles begann vor rund 40 Jahren mit Sepp Bichler, dem Gründer der Energiebauern. Der Landwirt beschäftigte sich intensiv mit der Nutzung solarer Strahlungsenergie und montierte damals die ersten Solarmodule auf das Dach seines Stadels. Damals wurde Bichler für sein Engagement noch eher belächelt. Echter ist überzeugt: „Er war damals Pionier. Sonst wären wir heute nicht so weit.“

Heute ist die Versorgung der Gemeinde durch einen Mix aus Fotovoltaikanlagen, Windrädern, Biogasanlagen und inzwischen auch Wärmenetzen lückenlos gewährleistet. Kaum ein Dach in der Kommune ist nicht mit Fotovoltaik bestückt. Fast 200 solcher Anlagen sind in der 1800 Einwohner zählenden Gemeinde am Netz. Fast 1,2 Millionen Liter Heizöl werden pro Jahr eingespart. „Das ist schon ein ganz schönes Fassl“, sagt Echter.

So erzeugt Sielenbach bald das 14-fache seines Stromverbrauchs selbst

Er ist stolz auf diesen Erfolg. „Das ist absoluter Klimaschutz“, sagt er. In Sielenbach sei die Energiewende geschafft. „Wir haben gehandelt und nicht nur geredet.“ Was ihn besonders stolz macht: In der Gemeinde zogen von Anfang an alle mit. „Ich glaube, die Leute handeln bei uns aus Überzeugung“, sagt der Bürgermeister. Das zeigte sich auch bei Entscheidungen des Gemeinderates. Innerhalb weniger Minuten war zum Beispiel die Entscheidung zugunsten der beiden Windräder gefallen, die die Energiebauern auf Sielenbacher Flur bauen wollten.

Sielenbach: Ankunft der Flügel der Windräder wurde mit Blasmusik gefeiert

Fast schon legendär ist die Ankunft der ersten Flügel für die Windkraftanlagen. Während es andernorts Proteste gegen gab, wurden die Fahrer in Sielenbach mit Blasmusik empfangen. Ein Beispiel, das Echter immer wieder gerne anführt, um zu zeigen, dass auch die Bevölkerung selbst hinter dem Konzept des Energiedorfes steht.

Das zeigte sich auch, als sich Johann Finkenzeller 2011 mit der Idee eines Nahwärmenetzes an die Gemeinde wandte. Der Gemeinderat stimmte zu und fast 80 Prozent der Anwohner in Tödtenried, Unter- und Oberhaslach schlossen sich an das Wärmenetz an. Martin Echter, ein Namenskollege des Bürgermeisters aus dem Ortsteil Schafhausen, versorgt inzwischen Schafhausen, das Kloster Maria Birnbaum und das Gewerbegebiet mit Nahwärme. Es folgten ein Wärmenetz für den Weiler Raderstetten, Sielenbach Nord-West wird von Familie Held aus Andersbach versorgt. Seit Ende September ist das fünfte Nahwärmenetz in Betrieb, mit dem Michael Held den Bereich Sielenbach Süd-Ost mit Wärme beliefert. Er verwendet teilweise schon Hackschnitzel. Darauf würden auch die anderen umsteigen, wenn mit dem Mais mal Schluss sei, sagt Echter. „Sie machen auf jeden Fall weiter.“

Bis jetzt erzeugt die Gemeinde etwa das Fünffache ihres Verbrauchs an Strom. Die beiden Windräder der Energiebauern auf Sielenbacher Flur sind hier noch nicht mit eingerechnet, deren Strom im Aichacher Ortsteil Ecknach ins Netz eingespeist wird. Ebenso wenig die beiden Solarparks, die die Energiebauern im Burgstall zwischen Sielenbach und Gansbach und bei Raderstetten planen. Für beide läuft momentan noch das Genehmigungsverfahren. Die beiden Solarparks werden eine jährliche Leistung von 6,5 Megawatt erreichen.

Momentan speist Sielenbach rund 19 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom ins Netz ein und entnimmt etwa 4,2 Millionen kWh. Nach Fertigstellung der Solarparks wird die Einspeisung bei rund 38,6 Millionen kWh pro Jahr liegen. Das entspricht etwa dem 14-fachen des Eigenverbrauchs der Gemeinde.

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