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Aichach-Friedberg

24.11.2020

So oft verstoßen Menschen im Landkreis Aichach-Friedberg gegen Corona-Regeln

Die Polizei ist dafür zuständig, Verstöße gegen die Corona-Regeln festzustellen.
Bild: Matthias Balk, dpa

Plus Die Polizei registriert im Landkreis Aichach-Friedberg hunderte Verstöße gegen Corona-Regeln. Wer ist dafür hauptverantwortlich? Die Antwort fällt eindeutig aus.

Fünf Minuten, und alles ist vorbei. Im Saal 1 des Aichacher Amtsgerichts sitzt ein junger Mann, 18 Jahre alt, dunkles Haar, Kinnbart. Ende April hat ihn ein Bußgeldbescheid über 150 Euro erreicht, weil er gegen das Infektionsschutzgesetz verstoßen haben soll. Wie? Er soll sich – unerlaubterweise – mit vier Freunden in einem Auto aufgehalten haben. Wann? Am 3. April. Wann genau? Laut Bescheid nicht mehr genau feststellbar. Und wo? Ebenfalls nicht mehr nachzuvollziehen. Der 18-Jährige hat deshalb Einspruch erhoben. "Ja, die Aktenlage ist schwammig", sagt Jugendrichterin Eva-Maria Grosse. Sie ermahnt den jungen Aichacher noch: "Versprechen Sie mir, dass Sie mit so einem Quatsch hier nicht mehr auftauchen." Dann stellt sie das Verfahren ein. Doch so glimpflich wie der 18-Jährige kommt bei Weitem nicht jeder im Landkreis Aichach-Friedberg davon.

Seit einigen Wochen gilt in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens eine Maskenpflicht. Doch nicht jeder Bürger hält sich daran. Wer erwischt wird, muss zahlen.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Seit Ende März, seit die Corona-Pandemie auch in Bayern mit voller Wucht um sich greift, gelten in Bayern sogenannte "Infektionsschutzmaßnahmenverordnungen". Sie legen Regeln und Maßnahmen fest, mit denen die Pandemie im Freistaat eingedämmt werden soll – zum Beispiel Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht, Veranstaltungsverbote.

Eineinhalb Corona-Verstöße im Landkreis Aichach-Friedberg pro Tag

So vielfältig die Regeln sind, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten, sie zu brechen – das untermalen Zahlen der Polizei, die unserer Redaktion vorliegen. Demnach wurden im Landkreis seit Ende März insgesamt 383 Verstöße gegen die jeweils gültigen Verordnungen angezeigt. Das entspricht im Schnitt rund eineinhalb registrierten Verstößen pro Tag. Manche Landkreis-Bewohner sind mehrfach als "Corona-Sünder" registriert.

Rein statistisch fiel der Großteil der Verstöße, rund drei Viertel, in die ersten zwei Monate der Pandemie. Im Vergleich dazu wurden in den vergangenen zwei Monaten gerade einmal rund elf Prozent aller Verstöße begangen. Daraus abzuleiten, dass sich die Menschen im Landkreis inzwischen disziplinierter an die Regeln halten, wäre aber falsch. Denn: Die Pandemie-Lagen haben sich ständig verändert, und mit ihnen die entsprechenden Verordnungen. So entfielen knapp 100 Ordnungswidrigkeiten in März und April auf Verstöße gegen die damals deutlich strengeren Ausgangsbeschränkungen. Dagegen überwiegen seit September prozentual Verstöße gegen die Maskenpflicht – eine Maßnahme, die in Bayern erst Ende April für den öffentlichen Nahverkehr und Geschäfte eingeführt wurde.

Vor allem jüngere Menschen verstoßen gegen Corona-Regeln

Immer wieder beschäftigen die Polizei im Landkreis auch sogenannte "Corona-Partys". Erst am Samstag lösten Beamte eine solche unerlaubte Feier in Kissing auf. Die zwölf Teilnehmer, die sich teilweise noch vor den Polizisten verstecken wollten, waren alle 17 oder 18 Jahre alt. Sie passen damit ins Bild, das die Polizeistatistik zeichnet. Denn: Für die mit Abstand meisten angezeigten Corona-Verstöße im Landkreis sind jüngere Menschen verantwortlich.

In den ersten zwei Monaten des ersten Lockdowns Ende März gingen rund zwei Drittel der Verstöße auf das Konto von unter 30-Jährigen. In den vergangenen zwei Monaten stieg dieser Anteil sogar noch an: Drei von vier Verstößen wurden von Menschen unter 30 Jahren begangen.

Den Grund dafür sehen mehrere Sozialforscher in der Tatsache, dass sich jüngere Menschen oft schwerer damit tun, auf soziale Kontakte und persönliche Freiheiten zu verzichten. "Unter 'normalen Umständen' stellen Partys keine besondere Infektionsgefahr dar", erklärt Maximilian Schwinghammer, Sprecher am Polizeipräsidium Schwaben-Nord, gegenüber unserer Redaktion. Jedoch: "Aufgrund der aktuellen Lage ist jeder angehalten, Kontakte zu minimieren. Wer jetzt Partys feiert, sabotiert die Bemühung aller, die sich einschränken." Im Zentrum aller Bemühungen stehe stets der Schutz vor Infektionen.

Bei Ordnungswidrigkeiten droht in Bayern ein Bußgeld

Den Teilnehmern der Party in Kissing droht nun - wie zunächst auch dem 18-Jährigen aus Aichach - ein Bußgeld von 150 Euro. Diese Summe muss dem bayerischen "Corona-Bußgeldkatalog" zufolge zahlen, wer sich privat oder öffentlich mit zu vielen Menschen trifft, die nicht zum erlaubten Personenkreis gehören (aktuell: maximal zehn Personen aus zwei Haushalten). Ein Verstoß gegen die Maskenpflicht kostet 250 Euro, ebenso wie Falschangaben auf Formularen zur Kontaktnachverfolgung. Die Polizei stellt Verstöße fest und leitet Ordnungswidrigkeiten an das Gesundheitsamt als zuständige Verfolgungsbehörde weiter. Dort wird vor einem Bußgeldbescheid jeder Fall einzeln geprüft.

In den sozialen Medien wird die Polizei für Kontrollen der Maskenpflicht kritisiert. Die Ordnungshüter halten dagegen.
Bild: Erich Echter (Symbolfoto)

Gerade in sozialen Medien keimt im Zusammenhang mit der Verfolgung von Corona-Verstößen nicht selten Kritik auf. Der Vorwurf: Die Polizei habe Wichtigeres zu tun, als sich um diese vermeintlichen Bagatelldelikte zu kümmern. Dem entgegnet Polizeisprecher Schwinghammer: "Die Regeln zum Gesundheitsschutz sollen Infektionsketten durchbrechen. Die Überwachung der Einhaltung dieser Regeln ist mit Blick auf die sich füllenden Intensivstationen keine Kleinigkeit." Andere polizeiliche Aufgaben würden deswegen aber "keinesfalls vernachlässigt". (mit sev)

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