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Aichach-Friedberg

28.12.2016

So viele Babys wie lange nicht mehr

Im Aichacher Krankenhaus kam am 17. Dezember das 300. Baby in diesem Jahr zur Welt. Zuletzt hatte es vor 14 Jahren mehr als 300 Babys gegeben. Das Bild zeigt Mama Simone Specht mit ihrem Sohn Joseph sowie Hebamme Nina Dietrich (links) und Dr. Ronald Goerner.
Bild: Nicole Simüller

Am Aichacher Krankenhaus kamen heuer schon über 300 Kinder zur Welt. So viele waren es zuletzt 2002. Ein Arzt führt die Entwicklung vor allem auf einen Grund zurück.

Aichach-Friedberg Eigentlich sollte die Entscheidung über den Fortbestand der Geburtshilfe am Schrobenhausener Krankenhaus erst am Jahresende fallen. Doch dann kam schon im November das endgültige Aus, nachdem die letzten verbliebenen Hebammen abgesprungen waren (wir berichteten). Ein ähnliches Szenario ist an den Kliniken an der Paar auf absehbare Zeit zwar nicht zu befürchten. Dennoch betont Klinik-Geschäftsführer Dr. Krzysztof Kazmierczak immer wieder: „Das kann jede Klinik erwischen.“

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Die unattraktiven Arbeitszeiten, hohe Versicherungsprämien und geringe Vergütungen erschweren auch im Landkreis die Suche nach personellem Nachwuchs. Derzeit ist zwar genug Personal vorhanden. Aber sobald jemand ausfällt, wird es eng. Zwei Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe und fünf Beleghebammen kümmern sich in Aichach um werdende Mamas. In Friedberg sind es drei Belegärzte, ein weiterer Gynäkologe im Angestelltenverhältnis und acht Beleghebammen.

Schwierige Personalsuche

Nina Dietrich, Hebamme am Aichacher Krankenhaus, sagt: „Wir haben immer Glück gehabt, dass wir immer wieder Nachwuchs gefunden haben.“ Auch im ärztlichen Bereich gibt es in Aichach derzeit keine Sorgen. Dr. Ronald Goerner sagt über sich und seinen Kollegen Dr. Sorin Turcu-Reiz: „Wir arbeiten noch eine Weile. Aber nach uns muss man schauen, wo man Nachwuchs herkriegt.“

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Auch in Friedberg ist die Suche nach Personal ein Thema. Erst im Oktober gab es einen Wechsel bei den Belegärzten: Seitdem ist Dr. Boris Kargol neu im Team. Ein weiterer Kollege hört laut Geschäftsführer Kazmierczak altersbedingt in absehbarer Zeit auf: „Dann wird es spannend.“ Die Hebammen kompensierten das zwar sehr gut. Aber die Personalsuche sei „eine Herausforderung für die Zukunft“.

Kein Wunder: An über 180 Tagen im Jahr haben Goerner und Turcu-Reiz Dienst – 24 Stunden lang. Goerner unterstreicht: „Wir leisten enorm viel. (...) Das muss sich rechnen, was es aber nicht tut.“ Das hänge vor allem mit niedrigen Vergütungen zusammen. Goerner: „Wir brauchen den guten Willen auf Bundesebene und die kommunale Unterstützung.“ Die Gynäkologie sei wichtig für die Attraktivität eines Standorts: „Sie ist für viele Patienten das Entrée in eine Klinik, um später den gebrochenen Unterschenkel oder einen Herzinfarkt behandeln zu lassen.“ Doch je mehr der Trend zur Privatisierung um sich greife, desto mehr schauten Kliniken auf Kosten-Nutzen-Analysen. Goerner: „Es ist immer die Frage: Wie viel Versorgung und Gesundheit vor Ort will man sich leisten?“

Geburtenzahlen steigen seit Jahren

Die Geburtshilfen in Aichach und Friedberg arbeiten kostendeckend, bestätigt der Krankenhaus-Geschäftsführer auf Nachfrage.Die Geburtenzahlen steigen seit Jahren stetig an. Am Friedberger Krankenhaus könnte es heuer sogar 700 Neugeborene geben. In Aichach kam am 17. Dezember das 300. Baby zur Welt; zuletzt war diese Marke 2002 übertroffen worden. Joseph Specht ist das dritte Kind von Simone und Thomas Specht aus Eiselsried (Pöttmes). Die beiden älteren Brüder waren an den Krankenhäusern in Schrobenhausen und Dachau zur Welt gekommen. Auch Joseph wäre möglicherweise im deutlich näheren Schrobenhausen geboren worden – wenn es die Geburtshilfe noch gäbe.

Sie seien in Aichach auch sehr zufrieden gewesen, betonte die dreifache Mama. Dennoch: Wenn es vor einer Geburt schnell gehen muss, zählt jeder Kilometer. Goerner erinnerte auch an die Vor- und Nachsorgetermine, die ebenfalls viele Fahrten mit sich bringen.

Effekt durch Schließung der Geburtshilfe in Schrobenhausen

Dass in Aichach heuer schon über 300 Babys zur Welt kamen, führt der Arzt ganz klar auf einen „Effekt durch Schrobenhausen“ zurück. Eine Auswertung der Zahlen ergab Kazmierczak zufolge, dass etwa ein Drittel der Mütter aus dem Raum Schrobenhausen in Neuburg entbindet, ein weiteres Drittel nach Aichach und Pfaffenhofen ausweicht und der Rest noch weiter weg.

In Aichach baut man mit dem derzeit entstehenden Neubau im buchstäblichen Sinn auf eine vorerst sichere Zukunft. Dennoch sind politische Neuerungen absehbar: etwa, dass Stationen nur noch ab einer gewissen Geburtenzahl haltbar sind. Solche Entwicklungen vorwegzunehmen, sei nicht sinnvoll, so Goerner: „Wir gehen davon aus, dass es im Neubau so weiterlaufen wird.“

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