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Aichach

30.04.2019

Softairpistole geraubt: Burschen erhalten Bewährungsstrafen

Drei junge Männer mussten sich vor dem Jugendschöffengericht in Augsburg verantworten. Anlass war ein Vorfall in Aichach.
Bild: Florian Rußler

Zwei 16- und ein 20-Jähriger erbeuten eine Softairpistole. Dabei gehen sie nicht zimperlich vor.

Der Jugendliche im roten T-Shirt lacht und bedankt sich bei der Richterin. „Benehmen!“, mahnt sie ihn. „Nicht schwarz fahren, nicht schlägern, keine Drogen nehmen!“ Der 16-Jährige nickt und ist sichtlich erleichtert. Er verlässt den Gerichtssaal mit seinen Eltern: Er ist wieder frei.

Neun Monate hat der Jugendliche aus dem nördlichen Landkreis in der Justizvollzugsanstalt in Laufen-Lebenau in Ost-Bayern verbracht. Er war nach einem Raub einer Pistole im Juli 2018 in Untersuchungshaft gekommen. Ihm wurden Betrug in Tateinheit mit besonderer schwerer räuberischer Erpressung und vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen.

Der Angeklagte räumte am Montag die Taten ein, das Jugendschöffengericht Augsburg verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Er saß nicht alleine auf der Anklagebank in Saal 135. Ein 16-Jähriger und ein 20-Jähriger waren ebenfalls angeklagt. Sie sollen ihm bei Erpressung und Körperverletzung geholfen haben. Der ältere der beiden wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem, der jüngere zu einem halben Jahr auf Bewährung verurteilt.

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Opfer zu Boden gestoßen

Was war passiert? Die Angeklagten hatten im Juli vergangenen Jahres zwei Männern eine sogenannte Softairpistole geraubt. Damit kann man Plastikkügelchen verschießen. Sie hatten sich dazu mit den beiden auf dem Parkplatz eines Mode-Centers in der Nähe des Aichacher Krankenhauses getroffen. Zunächst waren nur zwei der insgesamt acht Täter anwesend: der Angeklagte im roten T-Shirt und ein weiterer, der in einem anderen Verfahren angeklagt ist.

Täter und Opfer gingen in eine Gasse, um die Pistole zu testen. Die Täter sagten, dass sie nur 30 Euro dabei hätten, obwohl sie vor dem Treffen einen Preis von 250 Euro vereinbart hatten. Ein Freund sollte den Rest des Geldes bringen. Die Geschädigten ließen sich darauf ein. „Sie wirkten nett“, sagte eines der beiden Opfer, das aus Neuburg stammt.

Doch ehe der Geld-Bote kam, schlug der 16-Jährige das zweite Opfer zu Boden und hielt dem anderen die Pistole vors Gesicht. „Ich habe im Augenwinkel gesehen, dass da auf einmal mehrere Leute um uns herum waren“, sagte der zu Boden Gestoßene, der Schürfwunden erlitt. Sie forderten die Geschädigten auf, sich zu „verpissen“, was die angesichts der Übermacht auch taten.

Der Angeklagte zeigte Einsicht

Staatsanwältin Melanie Ostermeier forderte drei Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe für den 16-jährigen Rädelsführer. Die Forderung seines Anwalts Moritz Bode bewegte sich näher am Urteil. Er forderte für seinen Mandanten zwei Jahre auf Bewährung.

In ihrer Urteilsbegründung wies Richterin Angela Reuber darauf hin, dass es für den Aichacher eine milde Strafe sei. „Das ist ein großes Entgegenkommen des Gerichts“, sagte sie. Damals habe der Angeklagte den Raub cool gefunden, wie er vor Gericht sagte. „Heute haben Sie sich von dieser Auffassung entfernt“, sagte Reuber und erkannte die Einsicht des Angeklagten an.

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