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Volkstrauertag

17.11.2017

Sohn des Kriegsgegners kehrt nie zurück

Josef Mannhard (hintere Reihe, dritter von links) in französischer Gefangenschaft. Der Aufdruck PG auf manchen Jacken stand für „prisonnier de guerre , zu deutsch Kriegsgefangener. Die Aufnahme schickte er 1918 als Ansichtskarte nach Hause. Auf der Rückseite stehen nur wenige Worte: „Das sind meine Kameraden. Viele herzliche Glückwünsche zum neuen Jahr.
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Josef Mannhard (hintere Reihe, dritter von links) in französischer Gefangenschaft. Der Aufdruck PG auf manchen Jacken stand für „prisonnier de guerre , zu deutsch Kriegsgefangener. Die Aufnahme schickte er 1918 als Ansichtskarte nach Hause. Auf der Rückseite stehen nur wenige Worte: „Das sind meine Kameraden. Viele herzliche Glückwünsche zum neuen Jahr.
Bild: Repro: Georg Engelhard

Die beiden Weltkriege waren Jahrhundertkatastrophen und forderten Millionen Todesopfer. Wie es das Leben der Familie Mannhard aus dem Affinger Ortsteil Gebenhofen prägte.

Vor einhundert Jahren tobte der Erste Weltkrieg. Von 1914 bis 1918 verloren etwa 17 Millionen Menschen ihr Leben. Aber es folgte eine noch größere Katastrophe nach. Der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 forderte etwa 60 Millionen Tote. Dabei kam es des Öfteren vor, dass der Vater in den Ersten Weltkrieg und der Sohn in den Zweiten Weltkrieg ziehen musste. So auch bei der Familie Mannhard in Gebenhofen (Gemeinde Affing).

Vater Josef Mannhard wurde am 24. Juli 1881 auf dem Bischuster-Anwesen am heutigen Schmiedbergweg in Gebenhofen geboren, wo er mit mehreren Geschwistern aufwuchs. Er übernahm das elterliche Anwesen und heiratete vor dem Ersten Weltkrieg Maria Schmid aus Bergen. Das erste Kind, ein Sohn, der nach dem Großvater und dem Vater ebenfalls Josef hieß, wurde am 7. Juli 1914 geboren.

Mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien begann am 28. Juli 1914 der Erste Weltkrieg, an dem ab dem 1. August 1914 auch Deutschland beteiligt war. Am 1. Juni 1915 wurde Josef Mannhard zum zwölften bayerischen Reserve-Infanterieregiment eingezogen. Seine Frau, die gerade mit dem zweiten Kind schwanger war, und seinen kleinen Sohn musste er zurücklassen. Als am 13. November 1915 Tochter Franziska das Licht der Welt erblickte, stand Josef Mannhard bereits an der Front. Seine Militärunterlagen verzeichnen Einsätze in der Herbstschlacht von La Bassee und Arras, bei Stellungskämpfen im Artois und in der Schlacht an der Somme. Letztere war mit über einer Million toten, verwundeten und vermissten Soldaten die verlustreichste Schlacht an der Westfront.

Im Oktober 1916 war Josef Mannhard zu Hause in Gebenhofen zu einem Ernte-Urlaub. Es war die erste Gelegenheit, die vor elf Monaten geborene Tochter Franziska zu sehen. Im Oktober ging es wieder an die Front. Es waren immense Belastungen, seine Frau mit zwei kleinen Kindern zurückzulassen, und den Ehemann in dem Bewusstsein ziehen zu lassen, dass die Rückkehr fraglich ist.

Zurück bei seiner Einheit musste der Familienvater wieder an der Schlacht an der Somme teilnehmen. Ab April 1917 war er in der Doppelschlacht an der Aisne und in der Champagne eingesetzt. Der 16. und 17. April 1917 sind in seiner Militärakte als Großkampftage bezeichnet. Dann folgt der Eintrag: „In der Schlacht an der Aisne am 17.04.1917 vermisst.“ Josef Mannhard war in französische Gefangenschaft geraten, aus der er erst am 6. Februar 1920 in die Heimat zurückkehrte. Die Familie war seit dem letzten Zusammentreffen im Oktober 1916 nach dreieinviertel Jahren wieder vereint. Zu den beiden Kindern kamen 1920 und 1922 noch zwei Töchter. Seine Kriegserlebnisse hatten Josef Mannhard geprägt. Er war zu einem überzeugten Kriegsgegner geworden. Aber 16 Jahre nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft musste er erleben, dass sein Sohn von der Wehrmacht eingezogen wurde.

Der Sohn Josef Mannhard musste von 1936 bis 1938 seinen Wehrdienst beim Artillerieregiment 63 in Landsberg/Lech ableisten. Als die Wehrmacht im März 1938 in Österreich einmarschierte, war er im Einsatz. Auch in den Tagen vom 1. bis 10. Oktober 1938, als das Sudetenland nach dem Münchner Abkommen besetzt wurde, war er als Wehrmachtssoldat dabei. Im Zweiten Weltkrieg wurde er vom ersten Kriegstag an eingesetzt.

1944 war der Kriegsausgang absehbar. Die sinnlosen Kämpfe und die Abermillionen Toten veranlassten Josef Mannhard, sich zur Panzertruppe zu melden. Das geschah in der Hoffnung, dass er zur Ausbildung von der Front abgezogen würde und ihm weitere Einsätze erspart bleiben. Zur selben Zeit heiratete er in einem Heimaturlaub Kreszenz Steinherr aus dem Strohbauern-Anwesen in Gebenhofen. Die junge Frau blieb aber auf dem elterlichen Hof, denn ihr frisch angetrauter Mann musste wieder an die Front. Tatsächlich erhielt Josef Mannhard seine Versetzung zur Panzertruppe, die aber nicht mehr durchgeführt wurde. Nach der Rückkehr an die Front kamen nur noch wenige Briefe von ihm nach Hause. Der letzte trägt das Datum vom 17. Juli 1944. Josef Mannhard wird seitdem im Narew-Brückenkopf an der Ostfront vermisst.

Zu Hause warteten seine Familie und seine junge Frau jahrelang verzweifelt auf die Rückkehr von Sohn und Ehemann.. So war Kreszenz Mannhard auch an einem Heimkehrerzug in Augsburg in der Hoffnung, dass ihr Mann dabei wäre, oder sie etwas über sein Schicksal erfahren könnte. Der Vater starb im Mai 1948 und die Mutter im März 1949. Kurz zuvor wurde der Hof übergeben. Hoferbe wäre der vermisste Sohn gewesen.

Nun übernahm seine Schwester Walburga das Anwesen in Gebenhofen, die wenig später Johann Rappolder heiratete. Die Übergabe geschah allerdings unter der Auflage, dass der Hof an den Bruder abzugeben ist, sollte er innerhalb von drei Jahren nach Hause zurückkehren. Dazu kam es aber nicht, denn Josef Mannhard blieb vermisst. Sein Schicksal ist bis heute ungeklärt.

Kreszenz Mannhard heiratete nicht wieder. Sie blieb auf dem Steinherr-Anwesen und lebte bis zu ihrem Tod am 19. November 1983 im Austragshaus am Schmiedberg in Gebenhofen.

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