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Zugunglück in Aichach

10.01.2019

Sohn getöteter Passagierin will weiter Druck auf Bahn ausüben

Zugunglück in Aichach: Die Deutsche Bahn rüstet bundesweit 600 alte Stellwerke nach.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Archiv)

Die Deutsche Bahn rüstet nach dem Zugunglück in Aichach 600 alte Stellwerke nach. Für Daniel Scheerer ist das eine gute Nachricht.

Für Daniel Scheerer ist dieser verschneite Donnerstag "ein guter Tag". Der 50-jährige Sohn der bei einem Unglück in Aichach getöteten 73-jährigen Zugpassagierin, reagiert mit Genugtuung auf die Ankündigung der Bahn. "Sie hält ihr Versprechen", stellt er in einer ersten Reaktion fest und bezieht sich damit auf die Ankündigung der Bahn vom vergangenen Sommer, mechanische Stellwerke in Deutschland nachrüsten zu wollen.

Der 50-Jährige setzt sich seit Monaten dafür ein, dass aus dem Aichacher Unglück Konsequenzen gezogen werden. Denn es sollte sich nicht wiederholen können, wie er mehrfach betonte. Daniel Scheerer sah dabei vor allem die Bahn in der Pflicht. Dass nun das Aichacher Stellwerk, bei dem die Fahrdienstleiter bis dato wie vor 100 Jahren auf Sicht arbeiten müssen, nachgerüstet wird, begrüßt er: "Es ist immer gut, wenn sich was bewegt."

Doch damit allein ist es aus seiner Sicht nicht getan. Von der technischen müsse es nun zu einer organisatorischen Diskussion kommen, sagt Scheerer. Das Bundesverkehrsministerium müsse jetzt seiner Verantwortung gerecht werden. Scheerer fordert deshalb, dass die seit den 70er Jahren im wesentlichen unveränderte Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) auf den Stand des 21. Jahrhunderts gebracht werden müsse. Darin festzulegende Sicherheitsmaßnahmen müssten vor allem die physische Sicherheit der Passagiere und Bahnmitarbeiter zum Ziel haben.

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Ein Zugunglück erschüttert am 7. Mai die Stadt Aichach: Eine Regionalbahn prallt etwa 100 Meter vom Bahnhof entfernt auf einen stehenden Güterzug. Zwei Menschen sterben, 14 Fahrgäste werden verletzt. Am Unfallort sind rund 240 Rettungskräfte im Einsatz. Die Bergungsarbeiten dauern bis in den nächsten Tag hinein an. Die strafrechtliche Aufarbeitung steht noch aus, ebenso eine Umrüstung des alten Stellwerks am Bahnhof.
Bild: Christoph Lotter


Zugunglück in Aichach: Scheerer macht Fahrdienstleiter keine Vorwürfe

Experten sollten diese Maßnahmen nach dem Verhältnismäßigkeitsprinzip auswählen. Weiter fordert der 50-Jährige, die Bahn AG müsse so umstrukturiert werden, dass wieder ein reibungsloser Betrieb möglich sei. Scheerer spricht von Fehlern im System, davon dass man sich gegenseitig die Verantwortung zuschiebe. Die Standards auf der Schiene übersetzt Scheerer auf den Straßenverkehr mit einem Beispiel: Dann wäre der Georg-Brauchle-Tunnel in München anstelle mit LEDs und Notfallbuchten mit Fackeln an der Wand ausgestattet.

Für Scheerer ist deshalb klar: "Ich will weitermachen, solange sich eine Gelegenheit ergibt eine Diskussion anzustoßen." Er wolle weiter Druck aufbauen. Denn es sei eine gute Erfahrung, etwas anzuschieben, betont Scheerer, bei dem im Augenblick die Freude überwiegt, "dass das, was ich gemacht habe, nicht umsonst gewesen ist".

Nach wie vor zweitrangig ist für ihn die strafrechtliche Aufarbeitung des Unglücks. Dem Fahrdienstleiter macht er keine Vorwürfe. Jeder mache Fehler jeden Tag, der 24-Jährige sei genug gestraft. "Ich fände es absolut ungerecht, wenn er noch eine Strafe bekommen würde, egal wie das gelaufen ist", betont er.

Lesen Sie auch den Artikel: Bahn rüstet nach Zugunglück von Aichach nach und den Kommentar Zugunglück in Aichach: Neues Stellwerk reicht nicht aus

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12.01.2019

Bei allem Respekt vor der persönlichen Betroffenheit des Herrn: offenbar neigt er - wie viele - dazu, die Schuld in einem System zu verorten, welches er nicht ausreichend versteht und das deshalb für ihn per se gefährlich ist. Dies ist menschlich nachvollziehbar, aber führt i. d. R. zu vollkommen unverhältnismäßigen Ansätzen. Zum Fall Aichach bleibt anzumerken, dass ein Fahrdienstleiter grundsätzlich nicht damit überfordert sein sollte, das Freisein von lediglich zwei Gleisen festzustellen und sich an seinen Fahrplan für Zugmeldestellen zu halten.

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