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Sommer im Wittelsbacher Land

21.08.2019

Sommer-Serie: In Pichl wird an der Tanke politisiert

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6 Bilder
Am Abend treffen sich „Die von der Tanke“ oft zu einem gemütlichen Ratsch mit „Feierabendbier“ an Seemüllers Tankplatztreff in Pichl. Dieser Clique gehören mittlerweile bis zu 50 Menschen an.
Bild: Josef Abt

Im Aindlinger Ortsteil gibt es mehrere Treffpunkte zum Ratschen. Peter Asam und Marion Lesti lassen es im Ort blühen. Auch die Kinder haben ihren Spaß.

Auch der Sommer daheim hat viele tolle Seiten. Wie die in den Gemeinden in unserem Verbreitungsgebiet aussehen, zeigen wir in unserer Sommerserie „Sommer in ...“. Heute sind wir im Aindlinger Ortsteil Pichl.

Elli Seemüller braucht den Kontakt zu den Menschen und diese brauchen den Kontakt zu ihr, sagt sie. Gerne kommen sie in ihren Laden, um Besorgungen zu machen und einen Ratsch abzuhalten. Elli Seemüller schmeißt im Aindlinger Ortsteil Pichl den kleinen Tante-Emma-Laden „Nah und gut“. Hier können sich die Bewohner des Edenhausener Tales mit täglich frischen Backwaren und allen wichtigen Lebensmitteln versorgen. Nebenan ist fast den ganzen Tag Betrieb an der Tankstelle. Hier hat sich auch ein besonderer Treffpunkt entwickelt: „Die von der Tanke“ nennt sich die lose Gruppe.

Männer und Frauen aller Altersstrukturen treffen sich hier. An die 50 Fans hat der Treffpunkt schon. Mal sind es nur sechs oder acht, dann wieder 20 oder 30, die hier aus der ganzen Marktgemeinde und darüber hinaus zum gemütlichen Ratsch zusammenkommen. In der urigen Laube an Seemüllers Tankstelle wird gefachsimpelt, politisiert oder die Erlebnisse des Tages ausgetauscht, oft bei einem geselligen Bierchen. Josef „Sepp“ Seemüller ist an der Tanke der Chef und der Mann für alles. Den Sepp freut der Zusammenhalt der Runde, in der auch Ausflüge organisiert und zusammen Hochzeiten und Geburtstage gefeiert werden. An der Tankstelle selbst gibt es neuerdings neben der Autowaschanlage auch eine Autopflegestation. So bietet der Sepp persönliches Tanken an, inklusive Auto schamponieren und Ratsch. Der Ort Pichl im Edenhausener Tal ist eine kleine und sehr alte Ansiedlung im nordwestlichen Landkreis Aichach-Friedberg. Den Ort findet man erstmals 1135 in Erwähnung. Pichl war zusammen mit den Ortsteilen Eisingersdorf und Edenhausen selbstständig. 1752 gehörte die Hofmark Pichl zum Amte Aindling, die Eingemeindung nach Aindling erfolgte freiwillig im Jahr 1972. Der Aindlinger Ortsteil hat derzeit 309 Einwohner. Bekannt ist Pichl auch durch sein Schloss mit umlaufendem großen Wassergraben. Das Schloss ist bewohnt – hier finden immer wieder Veranstaltungen statt. Ein Wandel vollzog sich auch in der Landwirtschaft, man findet nur noch vier bäuerliche Betriebe. Einer davon sogar mit Weidehaltung für Kühe und Jungrinder, ein immer seltener werdendes Bild.

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Blumenherz vor der Pichler Kirche gepflanzt

Viel Wert legen die Picheler auf die Pflege ihres Ortes, den viele Durchreisende passieren. Ein Blickfang ist die 1585 im gotischen Stil errichtete Kirche „Mariä Heimsuchung“. Erst vor wenigen Monaten wurde das alte Mesnerhaus abgerissen und die freie Fläche wurde von Familie Lesti gefällig neu angelegt. Marion Lesti hatte eine nette Idee und pflanzte in die neue Rasenfläche Chrysanthemen in Form eines großen Herzens ein. Dieses wird von ihr liebevoll gepflegt.

Ein blumiges Hobby hat auch Peter Asam. Er verbringt besonders jetzt im Sommer fast seine ganze Freizeit im Garten bei seinen unzähligen Blumen, speziell bei den Fuchsien, Funkien oder Taglilien. Asam hat vor vielen Jahren seine Liebe zu Fuchsien entdeckt und züchtet die wunderschönen Gewächse alle selbst. Durchschnittlich 80 Sorten in einigen Hundert Töpfen stehen und hängen an jedem freien Platz. Die Vielfalt wie Blütenform, Farbe und Art, Busch oder Hochstamm scheint unbegrenzt. Sie heißen „Pink de Blue“, „blaue Quasar“, „Blacky“ oder auch „Playboy“ – Asam kennt auch fast alle mit ihrem botanischen Namen. Täglich rund eineinhalb Stunden gezieltes Bewässern jeder einzelnen Pflanze steht derzeit auf dem Programm. „Ganz wichtig ist weiches Regenwasser“, erklärt Asam. Wöchentlich muss gedüngt werden. Asam hat auch rund 50 Sorten Funkien, eine Pflanzengattung aus der Unterfamilie der Agavengewächse, gezüchtet und vermehrt. Stolz ist er ebenfalls auf über 40 Sorten von Taglilien in allen Farbkombinationen.

Zielspritzen beim Ferienprogramm in Pichl

Die Ortsvereine sorgen dafür, dass in Pichl immer etwas los ist. Die Freiwillige Feuerwehr Pichl-Binnenbach hat rund 220 Mitglieder, aber auch dem Obst- und Gartenbauverein, der Soldatenkameradschaft und dem Stopselclub Eisingersdorf gehören viele Bürger an. Beim Sommer-Grillfest der Feuerwehr kam kürzlich der ganze Ort zusammen. Vorsitzender Roland Stegmann und Kommandant Thomas Schenk betonen den großen Zusammenhalt aller Mitglieder samt Familien und loben das große ehrenamtliche Engagement.

Die Feuerwehr macht auch beim Ferienprogramm der Marktgemeinde Aindling mit. Rund 30 Kinder waren an einem Freitagnachmittag begeistert von Wettbewerben wie Zielspritzen, Gummistiefellaufen und Sautrogrennen in der extra aufgestauten Axt. Die beiden Kommandanten Schenk und Alois Baur waren den ganzen Tag gefordert.

Pichler Künstlerin will Kinder begeistern

Auch eine Künstlerin lebt in Pichl. Das Atelier von Conny Krakowski gibt es seit zehn Jahren. Sie hat sich mit Natur- und Landschaftsmalereien einen Namen gemacht. Auch Spachteltechnik, Motive mit Feen, Elfen, Drachen oder Dinos gehören zum Repertoire. Beim Ferienprogramm begeistert sie Kinder fürs Malen. Ein Markenzeichen von ihr ist auch das riesige Gemälde auf der Garagenfassade an der südlichen Ortseinfahrt nach Pichl mit einer afrikanischen Steppe mit einem Elefanten, im Hintergrund der Kilimandscharo.

Eine familiengeführte Dorfwirtschaft ist in Pichl ebenfalls noch zu finden, bekannt durch die Kochkünste der Wirtin Theresia Seemüller, die von Tochter Michaela unterstützt wird.

Besonders um die Kirchweihzeit, wenn Enten und Gänse auf der Speisekarte stehen, kommen auch viele Gäste aus der Region Augsburg nach Pichl. Starkbierfeste sind in der Dorfwirtschaft ebenso beliebt und der Stammtisch, an dem sich Jung und Alt treffen – auch zum Karteln.

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