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23.11.2018

Sortenvielfalt im Fokus im Cineplex

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Bild: Patrick Pleul, dpa

Nach dem Film „Saatgut – wir ernten, was wir säen“ diskutieren Experten über Saatgut und Wege, die Vielfalt wieder zu erhöhen

Sie säen und ernten ihren Mais. So wie sie das seit mehr als 1000 Jahren machen. „Unser Mais hat sich an die Trockenheit gewöhnt“, sagt einer der Hopi-Indianer im Film „Saatgut – wir ernten, was wir sähen“. Während andere auf Hybrid-Züchtungen und gentechnisch veränderte Sorten setzen, wird derselbe Mann später auf der Leinwand sagen: „Unser Mais stammt vom Ur-Mais ab und wird eines Tages sehr wertvoll werden für das Überleben der Menschheit.“ An Dramatik lässt der Streifen, den in Aichach viele Interessierte sehen wollten, kaum etwas aus.

Da ist Indien, Schauplatz eines dramatischen Kampfes. Monsanto hatte innerhalb weniger Jahre traditionelles Saatgut flächendeckend aufgekauft und so die Bauern gezwungen, das gentechnisch veränderte Hybridsaatgut zu kaufen. Die Folge: Auf den Feldern wuchs kaum mehr etwas ohne chemische Keule, was den Ackerbau nochmals verteuerte. 270000 indische Bauern waren innerhalb weniger Jahre so verschuldet, dass sie Selbstmord begingen. Die Trägerin des alternativen Nobelpreises Vandana Shiva reist umher und wird nicht müde zu warnen: „Hybrid-Saatgut ist dafür gezüchtet, nur mit chemischer Unterstützung zu wachsen.“

Noch etwas anderes stand im Mittelpunkt des Films: die Gesundheit des Saatgutes und vor allem die der Menschen. Es gab wohl kaum jemanden im Saal, der nicht ein paar Tränen abwischen musste, als bei den Originalaufnahmen eines Hearings auf Hawaii ein Vater eines mit außen liegendem Magen geborenen Kindes die dortigen Flächenversuche der amerikanischen Chemiekonzerne anprangerte.

Hoffnung macht der Film, weil er auf die weltweit wachsende Erkenntnis aufmerksam macht, dass altes Saatgut sehr wertvoll ist. Den Filmemachern Taggart Siegel und Jon Betz gelang es, Kontakt zu vielen Saatgutsammlern weltweit aufzunehmen. Mehr als 100 Saatbanken sind allein auf Betreiben von Vandana Shiva in Indien entstanden. Saatbanken, die den Bauern viel mehr als nur Samen zum Säen geben. Sie erhalten ihren Stolz zurück, bewahren ihre Unabhängigkeit und sehen für sich und ihre Familien eine wirtschaftliche Perspektive.

Zur Diskussion nach dem Film begrüßte Ernst Haile, Kreisvorsitzender des Mitveranstalters Bund Naturschutz, die Molekularbiologin Dr. Hannelore Schnell. Sie beklagte, auch hierzulande sei es mit der Sortenvielfalt auf den Äckern schlecht bestellt. „Die Industrie hat überhaupt kein Interesse, weder an Arten- noch an Sortenvielfalt. Hybrid-Saatgut ist der Anfang allen Übels. So entsteht Abhängigkeit“, legte sie ihre Position für die deutschen Landwirte fest.

Biggi Häussler, als Diplom-Agraringenieurin und Bio-Gärtnerin leitend verantwortlich für die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) auf Schloss Blumenthal, warb für nicht genormtes Gemüse. „Unsere Mitglieder müssen zu kleine oder zu große Brokkoli einfach mittragen.“ Hannelore Schnell ergänzte: „Vielfalt zu erhalten, bedeutet nicht nur das Anbauen, sondern auch das Züchten und Vermehren.“

Für den Biobauern in der zweiten Generation, Hubert Birkmeir aus Schorn, geht Hybrid-Saatgut und Demeter-Bauer nicht zusammen: „Wir Ökobetriebe denken unsere Höfe als einen geschlossenen Kreislauf.“ Saatgutvermehrung geschehe heute vorwiegend in Frankreich, erklärte Biggi Häussler. „Wenn ich von da auch noch Hybrid-Saatgut kaufe, dann widerspricht das dem Regional-Gedanken.“

Von einem Lichtblick für den Anbau alter Sorten berichtete Biobauer Stephan Kreppold: „Das Bundessortenamt wacht darüber, dass abgetragene Sorten nicht mehr kommerziell angebaut werden. Seit Februar 2018 gilt das Experiment, dass alte Sorten für sieben Jahre wieder nachgebaut werden dürfen.“ Hannelore Schnell berichtete: „Man sieht überall, dass die alten Sorten besser gegen bakteriellen Druck, gegen Pilze, gegen Trockenheit und Hitze resistent sind.“ Eine Zuhörerin beklagte: „Ich würde mir als Bauerstochter wünschen, mehr konventionelle Landwirte würden sich diesen Film ansehen.“

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