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Prozess in Aichach

19.05.2015

Spanner zwingt Pärchen zum Sex

Ein lauschiges Plätzchen am Baggersee bei Derching hatte sich ein junges Liebespaar gesucht. Dort fiel es einem Sextäter in die Hände.
Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Ein 26-Jähriger hat eine 17-Jährige und ihren Freund an einem Baggersee in Derching erpresst und bedroht. Dafür stand er nun in Aichach vor Gericht.

„Ziemlich extrem“ – so nannte Staatsanwältin Julia Keilbach das Verhalten des 26-jährigen Angeklagten aus dem nördlichen Landkreis. Er hatte im September vergangenen Jahres ein Pärchen, das sich im Auto miteinander vergnügte, zuerst beobachtet, dann Geld gefordert und schließlich mit Drohungen zum Beischlaf vor seinen Augen gezwungen. Dabei hatte sich der 26-Jährige selbst befriedigt.

Gestern stand er wegen versuchter Erpressung, sexueller Nötigung, sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen und Ausführens exhibitionistischer Handlungen vor dem Schöffengericht in Aichach. Er legte ein Geständnis ab.

„Ich weiß nicht, was da für ein Film gelaufen ist"

So haben sich das die 17-Jährige und ihr Freund nicht vorgestellt, als sie sich in den Abendstunden ein stilles Plätzchen an einem Baggersee im Friedberger Stadtteil Derching für ihr Zusammensein suchen. Während sich die beiden unbekleidet auf der Rückbank des Wagens vergnügen, reißt der 26-Jährige die Autotüre auf.

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Mit der Behauptung, dass das ein Privatgrundstück und außerdem ein Vogelschutzgebiet sei, fordert er von dem Pärchen eine Geldstrafe von 2500 Euro. Sein Bruder sei Jäger und es gebe Ärger, wenn der komme, droht der 26-Jährige. Um die beiden noch mehr in Angst zu versetzen, tut er so, als ob er mit seinem Bruder am Handy telefoniere.

Als das Pärchen sich weigert, die Summe zu zahlen, droht der 26-Jährige den beiden, er werde seinen Bruder auf sie hetzen. Dann verlangt er, dass die beiden den Beischlaf vor seinen Augen ausüben. Wieder droht er, seinen Bruder zu holen, der ein Gewehr habe. Das zu Tode verängstigte Pärchen tut, was der Angeklagte verlangt.

Vor Gericht gab der Angeklagte gestern zu, dass die Handytelefonate vorgetäuscht waren. Der 26-Jährige hat gar keinen Bruder. Die blutige Hand, mit der er das Pärchen zusätzlich erschreckt hatte, habe er sich außerdem nicht bei einer Prügelei mit anderen geholt, wie er dem Pärchen erzählt hatte. „Da bin ich wahrscheinlich am Schilf hängen geblieben“, vermutete der 26-Jährige. Er konnte sich selbst nicht erklären, was an dem Abend damals über ihn gekommen war: „Ich weiß nicht, was da für ein Film gelaufen ist.“ Es tue ihm schrecklich leid, beteuerte er im Gerichtssaal.

Rechtsanwalt Ralf Schönauer, der den Nebenkläger vertrat, legte das Attest eines Psychiaters vor. Demnach hat sein Mandant seit dem Vorfall massiv Gewicht verloren, litt an Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Ebenso wie seine Freundin ist er in therapeutischer Behandlung.

Angeklagter zahlte dem Paar bereits Schmerzensgeld

Der 26-Jährige hat der jungen Frau bereits 1500 Euro und ihrem Freund 2000 Euro Schmerzensgeld gezahlt. Das wertete Staatsanwältin Julia Keilbach zugunsten des Angeklagten. Gegen diesen sprachen in ihren Augen aber die massiven Drohungen, die er ausgesprochen hatte, die große Anzahl der Straftaten und die Folgen für das Pärchen. Keilbach forderte zwei Jahre und neun Monate Haft.

Verteidigerin Alexandra Gutmeyr wies auf das umfassende Geständnis des Angeklagten hin, das dem Pärchen eine Aussage vor Gericht ersparte. Sie sprach sich für eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren aus.

Diesem Antrag folgte das Schöffengericht. Allerdings in erster Linie, weil es den Fokus darauf legte, dass der Angeklagte eine Sexualtherapie macht, erklärte der Vorsitzende Richter Dieter Gockel. Das Gericht machte ihm die Therapie zur Auflage. Zusätzlich zu der zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilte das Gericht den Angeklagten zur Zahlung von 2000 Euro an den Verein Wildwasser in Augsburg. „Bewährung hat es nur gegeben, weil Sie aus eigenem Antrieb reinen Tisch gemacht und Schmerzensgeld gezahlt haben“, betonte Gockel.

Bedenklich fand er aber, dass die Polizei den 26-Jährigen nur wenige Tage nach dem Vorfall aufgriff. Er trieb sich erneut am Baggersee herum. Das Gericht werde äußerst genau kontrollieren, ob sich der Angeklagte an die Auflagen halte, betonte der Richter.

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