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Fußball

29.08.2020

Spielgruppenleiter Günther Behr: „Würde den Laden heuer dichtmachen“

Spielgruppenleiter Günther Behr ist ein gefragter Mann. Doch auch der erfahrene Funktionär kann derzeit nicht sagen, wie es weitergeht.
Bild: Peter Kleist

Plus Spielgruppenleiter Günther Behr verrät im Interview, ob der Ligapokal jetzt ins Wasser fällt, wie die Saison geplant ist und was ihn besonders aufregt.

Spielgruppenleiter Günther Behr ist im Sommer immer ein gefragter Mann. Normalerweise geht es um die Spielpläne in den Aichacher und Neuburger Fußball-Klassen. Die stehen schon seit gut einem Jahr fest, in der Corona-Krise ist der 52-Jährige Ansprechpartner für die Vereine. Der Neuburger erzählt vor der geplanten Saisonfortsetzung im Interview mit unserer Redaktion, was für ihn aktuell Priorität hat, was für die Vereine nicht infrage kommt und warum der Ligapokal am Ende doch ins Wasser fallen könnte.

Herr Behr, wie viele Vereine haben sich in der vergangenen Woche bei Ihnen gemeldet?

Behr: Nachdem die Saisonfortsetzung um zwei Wochen verschoben wurde, hatten natürlich einige Abteilungsleiter Gesprächsbedarf. Es waren aber nicht viel mehr als zehn Anrufe. Leider konnte ich nicht wirklich für Klarheit sorgen.

Spielgruppenleiter Günther Behr: „Würde den Laden heuer dichtmachen“

Hat Sie die Entscheidung überrascht?

Behr: Nein. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass das zu früh kommt. Ich sehe noch keinen Impfstoff. Und wenn ich mir die Zahlen anschaue, ist die Lage nach wie vor prekär.

Eigentlich hätte es am 6. September mit dem Ligapokal wieder losgehen sollen, was halten Sie vom neuen Wettbewerb?

Behr: Den Ligapokal finde ich grundsätzlich super. Gerade der Anreiz mit den zusätzlichen Aufstiegsplätzen ist sehr interessant. Das sieht man auch an den Rückmeldungen der Vereine.

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Fußball: Fällt der Ligapokal jetzt ins Wasser

Bis zum 19. September geht es auf jeden Fall mit Testspielen weiter. Fällt durch diese Verzögerung der Ligapokal vielleicht doch noch ins Wasser?

Behr: Sicher können wir uns nie sein, denn die Meisterschaft hat absolute Priorität. Sollte es hart auf hart kommen und wir in diesem Jahr nicht mehr spielen können, sehe ich wenig Chancen.

Wie geht es jetzt weiter?

Behr: Stand jetzt können wir im Ligapokal nicht mehr mit Hin- und Rückspielen in der Vorrunde agieren. Sicher ist noch nichts, aber gegen jeden Gegner einmal zu spielen, ist die wahrscheinlichste Lösung. Dann hätten wir am 19. und 20. September Luft für einen Nachholspieltag. Dann würde es mit fünf Spieltagen weitergehen. Ende Oktober könnte man dann bis zur Winterpause die Ligapokal-Vorrunde und die Zwischenrunde spielen. Das ist aber noch nicht sicher und hängt von den weiteren Entwicklungen ab.

Am 1. September soll es Näheres seitens der Politik geben. Hand aufs Herz, glauben Sie wirklich an einen Neustart im September?

Behr: Ich persönlich glaube nicht daran. Die Zahlen gehen wieder hoch, und keiner weiß, ob es 2020 überhaupt noch Punktespiele geben wird. Losgelöst von meinem Posten als Funktionär, wäre es wohl das Beste, in diesem Jahr nicht mehr zu spielen. Die Gesundheit geht vor. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber ich sehe es kritisch. Alles wird wieder etwas runtergefahren, und wir wollen wieder spielen – ich würde mir deshalb wünschen, dass man heuer den Laden dichtmacht.

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Bild: beinhoferch

Spielgruppenleiter steht hinter der Saisonfortsetzung

Hätte man dann nicht gleich abbrechen sollen?

Behr: Solche Entscheidungen sind immer ein zweischneidiges Schwert. Nachdem es so gelaufen ist, hätte man natürlich wie die meisten anderen Landesverbände auch abbrechen können. Ich bin aber der Meinung, dass der BFV richtig gehandelt hat. Sollte wirklich der schlimmste Fall eintreten, ist nur eine Saison kaputt. Man hätte die neue Saison auch nicht starten können. Die Abstimmung der Vereine war ebenfalls eindeutig.

Die Testspielphase verlängert sich also um mindestens zwei Wochen. Wie läuft es bisher?

Behr: Es gibt klare Hygienevorschriften. Die Vereine halten sich dran, bislang gibt es keine Beschwerden.

Gibt es Kontrollen seitens des Verbandes?

Behr: Wenn, dann kommen die Kontrolleure unangekündigt. Die Konzepte funktionieren. Desinfektionsmittel steht überall bereit, und es herrscht Maskenpflicht. Auch die Regeln beim Duschen werden eingehalten, was ich so höre. Wenn es nicht geht, müssen die Spieler schon umgezogen kommen, und es kann eben nicht geduscht werden. Ich habe bislang nichts Negatives gehört. Absolute Sicherheit gibt es aber ohnehin nie.

Das ein oder andere Testspiel wurde im Kreis Augsburg abgesagt. Stecken dahinter Corona-Fälle?

Behr: Uns wird der Grund der Absage in der Regel nicht mitgeteilt, weshalb ich dazu nichts sagen kann. Aber mich hat auch schon ein Abteilungsleiter angerufen, dass der Gegner wegen Corona-Fällen innerhalb des Teams abgesagt hat.

Haben Sie schon bei Testspielen zugeschaut?

Behr: Die einzigen Testspiele, bei denen ich vor Ort war, waren die meiner Mannschaft (Behr trainiert den B-Klassisten TSV Egweil/Anmerkung der Redaktion). Es gab einige interessante Partien, aber ich habe bewusst darauf verzichtet, weil es ja auch nicht erlaubt ist.

Richtig, was halten Sie davon?

Behr: Es ist schade für die Vereine, dass gar keine Zuschauer kommen dürfen. Gerade in den unteren Klassen wäre der Abstand bei den geringen Zahlen kein Problem, aber die Regelung muss man akzeptieren.

Kann nach zwei Wochen Schwerstarbeit wieder lachen: Fußball-Spielgruppenleiter Günther Behr.
Bild: Bastian Sünkel

Günther Behr: "Fortsetzung nur mit Zuschauern möglich"

Wäre auch ein Ligabetrieb ohne Zuschauer möglich?

Behr: Das wäre für mich nicht denkbar. Es wurde klar festgelegt, dass es Punktspiele ohne Zuschauer nicht geben wird. Bei den Derbys steigt natürlich die Zuschauerzahl, aber diese Spiele sind wichtig Einnahmequellen für die Vereine. Es geht nicht nur um das Eintrittsgeld, sondern auch der Verkauf von Essen und Getränken ist nicht zu unterschätzen. Wenn ich nicht einmal so viel einnehme, um den Schiedsrichter zu bezahlen, haben wir ein Problem.

Fühlen Sie sich von der Politik im Stich gelassen?

Behr: Nein. Es ist eine schwierige Situation. Die Politiker in Bayern sind sehr vorsichtig. Wir sind uns der Situation bewusst. Und es gibt ja nicht nur den Fußball. Ich vertraue den Entscheidungsträgern.

Gibt es gar nichts zu meckern?

Behr: Es fehlt mir die Einheitlichkeit. Ich habe mir den Tag der Amateure mit den Pokalfinals auf Landesebene angeschaut. Manche waren mit Zuschauern, andere ohne. In manchen Bundesländern hatten die Zuschauer nicht einmal Masken an. Das hat mich erschreckt.

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