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02.12.2019

Sprachkünstler, der seines- gleichen sucht

Unter anderem ist auch Erika Pluhar Teil seiner „Frauengeschichten“. Besonders ein Zitat der österreichischen Schauspielerin hat es Meyer-Burckhardt angetan: „Sie sieht das Leben als Geschenk, auch wenn einem nichts geschenkt wird“, zitiert er Pluhar.
Bild: Alice Lauria

Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt beglückt Aichach

Ein Mann wie ein Buch, ein besonders gutes Buch. Voller Lebensfreude, Witz, Charme, Humor und Heiterkeit aber auch voller Tiefgang. Der Moderator, Fernsehproduzent und Autor Hubertus Meyer-Burckhardt ist auch durch seine Talkshow mit Barbara Schöneberger im Norddeutschen Rundfunk bekannt. Zudem moderiert er einmal monatlich eine Radiosendung mit dem Titel „Meyer-Burckhardts Frauengeschichten“. Basierend auf ebendieser Sendung hat der Grimme-Preisträger 2017 ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Frauengeschichten – Was ich von starken Frauen gelernt habe“.

Hierin hat er zehn Gespräche aus seiner Radiosendung, die ihn besonders bewegt haben, aufgeschrieben. Doris Dörrie, Veronica Ferres und Barbara Schöneberger sind nur eine kleine Auswahl der erwähnten Damen. Jetzt las Meyer-Burckhardt aus seinem Werk in der Buchhandlung Rupprecht in Aichach. Allerdings las er deutlich weniger vor als die 140 Zuhörer vielleicht erwartet hatten. Stattdessen plauderte er freiheraus aus dem Nähkästchen. Das war Unterhaltung im wahrsten Sinne des Wortes, und zwar auf ganz hohem Niveau – ein Rhetorik-Künstler, der seinesgleichen sucht.

Der in Hamburg lebende Meyer-Burckhardt zitiert gerne. Ob es der Berliner Taxifahrer Kurt samt passendem Dialekt, Schauspieler oder die Frauen aus seinem Buch sind. Bei diesen interessiert ihn nicht die vordergründige Erfolgsgeschichte, sondern tiefer liegende Dinge. So redet er mit allen über Zeit, Humor, über Gedichte – eine große Leidenschaft des Schriftstellers – und jüdische Witze. „Der jüdische Witz wird im Angesicht der Tragödie weiter gepflegt. Großartig!“

Sprachkünstler, der seines- gleichen sucht

Auch dem Aichacher Publikum erzählt er einige ausgewählte Witze. Er liest neben Gedichten auch kurze Abschnitte seiner Interviews mit Ina Müller, Elke Heidenreich, Erika Pluhar und Marianne Sägebrecht. Er spricht auch über die Versicherungslust der Deutschen, Englischen Humor und seine nicht leichte Kindheit. Auch seine Mutter und seine Großmutter, die ihn aufzogen und stark geprägt haben, waren außergewöhnliche Frauen. Der Autor verweist auch auf sein neuestes, in diesem Jahr erschienenes, Buch „Diese ganze Scheiße mit der Zeit“. Darin geht es um Lebenszeit und sein Leben mit „Kafka“ und „Shaw“. Wie kürzlich bekannt wurde, erhielt der Moderator 2017 eine Krebsdiagnose. „Kafka“ und „Shaw“ sind die Namen, die er seinen beiden Karzinomen gegeben hat. Denn „Gegner ohne Namen sind keine Gegner, die man bekämpfen kann“, zitiert er seine Frau im neuen Buch. Selbst sagt er: „Unter dem Einfluss einer Diagnose, die nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig ist, ein heiteres Buch“.

Der Auftritt von Meyer-Burckhardt in Aichach war der Inbegriff eines unterhaltsamen Abends.

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