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Beeindruckende

22.07.2014

Staunen über die Schönheit der Schöpfung

„Jeder Augenblick ist Wonne, keine Sorge trübet sie.“ Mit dem Schöpfungsoratorium beeindruckten (v.r.) Beata Marti, Bernhard Hirtreiter und Wolfgang Wirsching.
Bild: Manuela Rieger

Aufführung von Haydns Oratorium

Es war vielleicht eine der schönsten Choraufführungen in der Aichacher Stadtpfarrkirche: „Die Schöpfung“, aufgeführt vom Kammerchor St. Sebastian mit Solisten und Orchester St. Sebastian unter der Leitung von Alois Kammerl. Seit seiner Uraufführung gehört dieses Oratorium von Joseph Haydn zu den populärsten Werken des Genres, was sich auch durch den lebhaften Publikumszuspruch zeigte.

Der ungebrochene Optimismus, der sich in dem Werk von 1799 manifestiert, das Staunen vor Gottes Schöpfung und die Freude daran, überträgt sich unmittelbar auf die Zuhörer. Dennoch wurde Haydns Grundhaltung bisweilen als naive Biederkeit interpretiert und abgelehnt. Dabei schreibt Haydn mit größter Raffinesse dezidiert keine Kirchenmusik, sondern spielt souverän mit den Gattungen Oratorium, Sinfonie und Opera buffa.

Am Anfang war das Chaos – und das Chaos klang, wie es der Chor mit Orchester und drei Solisten interpretierten, wundervoll. Das war eine eindrucksvolle Wiedergabe der Schöpfungsgeschichte, die Kammerl am Pult zeigte. Ähnlich gelungen beim Abschnitt „Gleich öffnet sich der Erde Schoß“ die Orchesterporträts der „Geschöpfe jeder Art“ in der subtil-humorvollen Charakterisierung Haydns, wo tatsächlich Löwe, Tiger, Hirsch und Rind den Hörern vor das geistige Auge treten.

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Eine glückliche Hand bewies Kammerl wieder mit der Auswahl der Gesangssolisten, die bei der Schöpfung die Erzengel Gabriel, Raphael und Uriel beziehungsweise Adam und Eva verkörpern. Beata Martis am Liedgesang geschulter Sopran setzte der Aufführung Glanzlichter auf. Mit unerschöpflichen Nuancen sah man bei ihrem Gabriel „das frische Grün“ und die Vogelwelt entstehen. Ihrer Eva konnte das Publikum sogar die bedingungslose Unterwerfung unter ihren Gatten Adam im Duett des dritten Teils abnehmen.

Von vergleichbarer Qualität ist der in jedem Register agile Bass von Wolfgang Wirsching (Raphael und Adam). Er wechselte mühelos vom Erzählton der Rezitative zu den langen Phrasen der arienhaften Teile. Frappierend der Farbwechsel bei den Worten „der leichte, flockige Schnee“, wo tatsächlich die Stimme federleicht wurde. Tenor Bernhard Hirtreiter verkörperte die Rolle des Uriel mit deutlicher Artikulation.

Die Chorpassagen dienen bei der „Schöpfung“ der Bestätigung und Verstärkung der jeweils vorher verkündeten Botschaft. Diese Rolle füllte der Chor in mustergültiger Weise aus, zeigte dabei in den diffizilen fugierten Passagen dynamische Gestaltungskraft. Und Kammerl dirigierte umsichtig und unprätentiös.

Da war der letzte Ton verklungen, eine Weile herrschte Stille, plötzlich brandete Jubel auf, wie ihn die Stadtpfarrkirche wohl lange nicht erlebt hatte. Die Zuhörer spendeten beifallsfreudig Applaus – und zwar knapp sieben Minuten lang!

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