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Justiz

19.07.2014

Steueraffäre: Funktionäre des TSV Aindling müssen vor Gericht

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Symbolbild Gericht
Bild: Alexander Kaya

Die Staatsanwaltschaft erhebt gegen vier Vorstandsmitglieder Anklage. Dies kann Folgen für den Verein haben

Am Mittwochabend hatten die Fußballfreunde, die dem TSV Aindling nahe stehen, Grund zur Freude. Ein 3:0 im Derby gegen den FC Affing erleben sie nicht alle Tage. Zu ihnen zählten auf der Tribüne des Aindlinger Stadions ehemalige und aktuelle Vorstandsmitglieder. Abseits des Rasens enden für diese die freudigen Momente. In gnadenloser Härte holt die Funktionäre wiederkehrend die größte Krise des Vereins ein: die Steueraffäre.

Nach Informationen der Aichacher Nachrichten erhebt die Staatsanwaltschaft Augsburg gegen vier Personen Anklage. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung und Sozialversicherungsbetrug über mehrere Jahre hinweg. Konkret geht es um Gelder im hohen sechsstelligen Bereich. Bestätigen wollte die Staatsanwaltschaft die Anklageerhebung am Freitag nicht. Auf Nachfrage unserer Zeitung teilte ein Sprecher mit, derzeit keine Stellungnahme zum Stand des Verfahrens abzugeben.

Hintergrund: Ende November 2011 rückte der Zoll mit einem Großaufgebot beim damaligen Fußball-Bayernligisten an. Die Beamten untersuchten die Geschäftsstelle und acht weitere Objekte von aktuellen und ehemaligen Vorstandsmitgliedern, beschlagnahmten Dokumente und Datenträger. Der Verdacht: Steuerhinterziehung über einen Zeitraum von acht Jahren.

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Kilometergeld abgerechnet, obwohl der Bus gefahren ist

Seit diesem tristen Tag schwebt über dem Verein im nordwestlichen Landkreis ein Damoklesschwert: Ihm droht eine Insolvenz, das Aus. Horrende Summen werden als Nachzahlung genannt, von rund 750000 Euro wird im engen Kreis gesprochen. Ein ehemaliger Spieler des TSV Aindling hat beispielhaft erzählt, Kilometergeld sei bei Auswärtsfahrten abgerechnet worden, obwohl die Mannschaft mit dem Bus gefahren sei. Er musste kräftig nachzahlen.

Das Strafverfahren gegen die vier Funktionäre, das vor einem Schöffengericht des Amtsgerichts verhandelt werden soll, ist eine Folge der damaligen Steuerrazzia. Positiv könnte sich für die Funktionäre auswirken, dass sie sich nicht selbst bereichert haben, sondern sich ehrenamtlich für die Belange des Vereins eingesetzt haben. Weil eine Strafe von maximal vier Jahren Haft erwartet wird, ist das Amtsgericht zuständig. Es muss in den nächsten Wochen entscheiden, ob es die Anklage zulässt. Eine Ablehnung gilt als unwahrscheinlich.

Lange hatten sich die Ermittlungen hingezogen, für Augsburgs Oberstaatsanwalt Matthias Nikolai nicht ungewöhnlich. „Das sind viele Einzelfälle, das ist eine Sisyphusarbeit und sehr aufwendig“, sagte er vor Monaten. Dokumentiert ist dies jetzt durch eine über 100 Seiten lange Anklageschrift.

Gemeinnützigkeit wurde dem Verein aberkannt

Das schwebende Verfahren des TSV Aindling hat seine Wirkung im Amateurfußball nicht verfehlt. Die Angst vor der Steuerbehörde geht seitdem um, Vereine befürchten, der nächste zu sein. Im Zuge des Verfahrens ist dem TSV Aindling die Gemeinnützigkeit für Spenden aberkannt worden. Das traf den Verein hart, aber auch die Spender. Weil Spendenquittungen nicht mehr galten, mussten verärgerte Gönner nachzahlen.

Unklar ist indes, wie es mit dem Verein weitergeht. Möglicherweise wirkt sich das Strafverfahren unmittelbar aus. Die Summe, die von der Rentenversicherung und vom Finanzamt gefordert wird, ist wohl deckungsgleich mit den Geldern, über die im Strafverfahren verhandelt wird. Präsident Ludwig Grammer nannte bisher keine Zahlen. Er machte allerdings in der Vergangenheit deutlich, dass der Verein diese Zahlungen nicht leisten könne, würden sie in der ihm bekannten Größenordnung bestehen bleiben.

Bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung muss der Verein Insolvenz anmelden. Die Insolvenzabwicklung eines Vereins erscheint weitaus schwieriger als bei anderen Unternehmen: weil die Insolvenzmasse wenig attraktiv wirkt. In der Folge könnten die Vereinsfunktionäre, gegen die ermittelt wird, mit ihrem Privatvermögen haften müssen. Vorausgesetzt, sie werden im Strafverfahren schuldig gesprochen und haben wissentlich gegen Recht verstoßen.

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