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27.03.2009

Sturm Cyrill spielte St. Othmar übel mit

Pöttmes/St. Othmar (ech) - Beschaulich, von dichtem Wald umgeben, auf einer kleinen Anhöhe zwischen Inchenhofen und Pöttmes, findet man die kleine Wallfahrtskirche St. Othmar. Ein Wegweiser an der Staatsstraße erinnert an die Waldkirche, die bis heute von Wallfahrern aus den umliegenden Gemeinden besucht wird. Über die Anfänge schweigen die schriftlichen Quellen. Als der Sturm Cyrill 2007 übers Land fegte, richtete er im Dachbereich an dem katholischen Gotteshaus einen beträchtlichen Schaden an. Mit den Sanierungsarbeiten hat man mittlerweile begonnen.

"Als wir den Sturmschaden begutachteten, wurden an der Dachkonstruktion nicht nur Sturmschäden festgestellt. Extreme Fäulnisschäden am Dachstuhl und Rissbildungen am Mauerwerk gehörten auch zum Schadensbild", schildert Pfarrer Othmar Kahlig den Zustand der Kirche. Nach Rücksprache mit der Bischöflichen Finanzkammer Augsburg, die Unterstützung zusagte, stimmte auch die Gundelsdorfer Kirchenverwaltung einer Renovierung zu.

Die Kirchengemeinde hofft auch auf Spenden

Die Gesamtkosten belaufen sich auf 398 000 Euro - für Kirchenpfleger Johann Strobl eine beachtliche Summe, von der die Kirchenverwaltung einen fünfstelligen Betrag schultern muss. Unterstützt wird das Vorhaben auch von der Marktgemeinde Pöttmes mit einem Zuschuss. "Wir brauchen aber noch Spenden aus der Bürgerschaft, um das Ganze zu finanzieren", sind sich Pfarrer Othmar Kahlig und Johann Strobl einig.

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Nicht allzu oft wird das Kirchlein im Jahr genutzt, aber eine Schließung wollen alle Beteiligten nicht, würde doch eine jahrhundertelange Wallfahrertradition verschwinden. An verschiedenen Tagen kommen Wallfahrtsgruppen aus den Gemeinden Handzell, Pöttmes, Grimolzhausen, Schorn, Immendorf und Schnellmannskreuth. "Es wird auch für Hochzeitstermine immer wieder nachgefragt", freut sich Pfarrer Othmar Kahlig besonders.

Eine Fledermauskolonie sorgte für eine Verzögerung

Eigentlich sollte mit der Sanierung am Dach bereits Anfang 2008 begonnen werden, aber wegen einer Kolonie Fledermäuse, die sich im Dachstuhl eingenistet hatte, musste die Baumaßnahme um vier Monate verschoben werden. Bevor man mit den umfangreichen Sanierungsarbeiten begann, wurden der gesamte figürliche Schmuck und Votivtafeln entfernt.

Mittlerweile wurden die von Fäulnis befallenen Holzteile am Chorraum und Kirchenschiff ausgeschnitten und denkmalgerecht ersetzt. Ein ähnliches Schadensbild fand man am Dachstuhl des Turmes. Alle Balkenköpfe waren durch Fäulnispilze geschädigt und wurden erneuert. Am Glockenstuhl im darunterliegenden Turmgeschoss, an dem eine Bronzeglocke hängt, musste lediglich ein Balken ausgetauscht werden. Fertiggestellt sind ebenfalls die Spengler- und Blitzschutzarbeiten.

Im Frühjahr geht es weiter mit der Sanierung im Innen- und Außenbereich. Überarbeitet werden müssen im Innenbereich die geschädigten Gesimspartien und der Putz. Repariert werden der Fußboden mit seinen handbekanteten Solnhofer Platten und die Kirchenfenster. Die Risse im Mauerwerk werden vernadelt und verpresst. Die Arbeiten müssen unter größter Sorgfalt vorgenommen werden, um die blaue gotische Kassettendecke nicht zu beschädigen.

Wenn die Gebäuderenovierung abgeschlossen ist, stehen Pfarrer Othmar Kahlig und sein Kirchenpfleger vor einem weiteren finanziellen Problem: Für die Renovierung von Altar und figürlicher Ausstattung ist weiteres Geld nötig.

Das Mesnerhaus ist heute in Privatbesitz

St. Othmar hat eine lange Geschichte. So wurde die Kirche mit Chorraum und Turm im 15. Jahrhundert über einem romanischen Vorgängerbau (1000-1250) errichtet. 1756 wurde das Turmdach erneuert. Zur gleichen Zeit dürfte das Mesnerhaus angebaut worden sein, das sich heute in Privatbesitz befindet. 1891 scheint das kleine Gotteshaus einer größeren Renovierung unterzogen worden zu sein, da sich an der mit zwölf Aposteln bemalten Empore links die Jahreszahl 1717 und rechts 1891 befindet.

Eine Legende erzählt, wie das Kirchlein entstanden ist: Vor vielen Hundert Jahren haben die Heiligen Othmar, Leonhard und Wolfgang hier Rast gemacht, um die Stätte ihres zukünftigen Wirkens auszusuchen. St. Wolfgang wandte sich nach Norden dem Donaumoos im Raum Ehekirchen zu. St. Leonhard suchte sich im Süden - in Inchenhofen - seinen Wirkungskreis. Als letzter hob St. Othmar sein Weinfass hoch über den Kopf. Sollte er nach Osten oder Westen gehen? Da ihm das Fass aus den Händen glitt und hinter seinem Rücken zu Boden fiel, beschloss er, an Ort und Stelle seine Bleibe einzurichten. Und so entstand St. Othmar.

Wer mit dem Flugzeug das Kirchlein überfliegt, bekommt den Eindruck, dass sich einmal eine Wehranlage dort befunden haben könnte. Früher einmal soll dort ein Turm gestanden haben, auf dem Signalfeuer entzündet wurden. Gesprochen wird auch von einer Burganlage wie im nahen Wagesenberg.

Dass sich hinter den Legenden ein Fünkchen Wahrheit verbirgt, zeigt Pfarrer Othmar Kahlig auf. "Wenn man auf die Landkarte ein Lineal legt, befinden sich die drei Wallfahrtskirchen St. Leonhard, St. Othmar und St. Wolfgang auf einer Linie." Eine Kette von Leuchtfeuern sei so nicht unwahrscheinlich.

Eigentlich ist die Verehrung des heiligen Othmar bei den Bauern in der Gegend sehr ungewöhnlich. Das Fässchen Wein als Attribut deutet eher auf seine Wohltätigkeit für Arme und Kranke hin. In Altbayern ist das Patrozinium des Schweizer Abtes Othmar überaus selten.

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