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Jedermann in Schiltberg

21.06.2009

Sünde, Mammon, Gott und Teufel auf dem Berg

Was dem Salzburger Domplatz recht ist, ist dem Schiltberger Hofberg billig. Frei nach diesem Motto inszenierte das Freilichttheater in dieser Saison den "Jedermann - Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes" von Hugo von Hofmannsthal. Von Gerlinde Drexler

Schiltberg. Was dem Salzburger Domplatz recht ist, ist dem Schiltberger Hofberg billig. Frei nach diesem Motto inszenierte das Freilichttheater in dieser Saison den "Jedermann - Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes" von Hugo von Hofmannsthal. Die Premiere am Freitagabend fiel wegen Dauerregens zwar aus, dafür begeisterten die rund 80 Akteure am Samstag rund 800 Besucher mit einer spritzigen und großartigen Aufführung.

Petrus spielt nicht mit, obwohl doch der eigene "Chef" Auftritt

Monatelang hatten sich die Aktiven des Hofbergvereins auf den großen Moment vorbereitet. Und dann spielte ausgerechnet Petrus nicht mit. Dabei spielt doch der "Chef" mit. Am eigentlichen Premierenabend goss es in Strömen, und sie musste abgesagt werden (wir berichteten). Dabei hätte man meinen können, dass die Hofbergakteure dieses Mal sogar einen besonders guten Draht nach oben haben. Steigt im Laufe des Stückes doch über eine extra gebaute Himmelsleiter Gott der Herr (Martin Lechner) zu den Menschen herab, um sich ein Bild vom Treiben dort unten zu machen.

Sünde, Mammon, Gott und Teufel auf dem Berg

"Jedermann" ist ein Schauspiel, in dem es um Macht, um Kraft, um Verfall und Sühne geht und das in seiner Symbolik zeitlos ist. Zu jeder Epoche unserer wechselhaften Geschichte sei der "Jedermann" der Zeigefinger der Gegenwart gewesen, sagt Alois Eberl, der das Stück inszenierte, Regie führt und die Hauptrolle spielt. Eine echte Herausforderung, die er mit Bravour, Präsenz, Ausdruck und großer Textsicherheit meisterte. Steht er doch fast ununterbrochen auf der Berg-Bühne und hat den mit Abstand längsten Text. Ein schwieriger Text, der von Hofmannsthal vor rund 100 Jahren für das mittelalterliche Mysterienspiel geschrieben wurde und der auch professionelle Schauspieler herausfordert.

Die Botschaft des "Jedermann" ist klar. Da ist der reiche Lebemann, dessen Götter vor allem Geld und das Vergnügen sind. Entsprechend oberflächlich sind die Freunde, mit denen er sich umgibt. Allen voran seine Buhlschaft (mit Pferdegespann zum großen Festmahl auf die Bühne kutschiert), die von Manuela Stobrawe mit Esprit verkörpert wird. Ja, so stellen wir uns die "Sünde" vor - in Rot, voll Lebenslust, aber doch nur am Geld des älteren Mannes interessiert. Die Ermahnungen der Mutter (Maria Finger), die um sein Seelenheil fürchtet, prallen an Jedermann ab. Das ändert sich erst, als der Tod naht, den Pater Markus Szymula, Pfarrer von Schiltberg, beeindruckend darstellt.

Der Dünne Vetter bringt Mimik und Witz ins Spiel

Mit viel Witz und Mimik begeisterte auch der Dünne Vetter (Tobias Wenhardt), der beim Feiern immer dabei ist, Jedermann aber nicht auf die Reise ins Jenseits begleiten will. Genauso wenig wie der leicht bekleidete Mammon, eine am Samstagabend trotz Frösteltemperaturen locker-flockig aufspielende Manuela Lechner, die Jedermann verlacht. Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch der Teufel in Gestalt von Franz Schmid jun., der am Ende des Stückes enttäuscht feststellen muss, dass ihm die schon sicher geglaubte Seele Jedermanns im letzten Moment entwischt ist.

Klassisch, temperamentvoll und mit vielen Effekten hat Regisseur Eberl das Schauspiel inszeniert, mit dem er dem Publikum einen Spiegel vorhalten möchte. Mit rund 80 Aktiven bietet der Verein eines seiner bisher stärksten Ensembles auf. Erfreulich fand Vereinsvorsitzender Michael Schmidberger, der im Stück Jedermanns Guten Gesell spielt, dass es sich um ein junges Ensemble handelt. Um den Nachwuchs einzubinden, hat der Regisseur extra Passagen umgeschrieben. Allein der Auftritt der Kinder und Jugendlichen als "Spielansager" zum Auftakt oder das junge Blasmusikquartett sind den Eintritt wert.

Auch sonst hat der Verein keine Mühen gescheut. Eine zusätzliche Bühne fungiert quasi als dritte Dimension für den Übergang ins Jenseits, die Tonübertragung ist funkgesteuert, und auch in Sachen Pyrotechnik haben die Fachleute des Vereins einige Effekte eingebaut. "Wie wir das Ensemble des Hofberg-Freilichttheaters kennen, meistern die Schauspieler ihre Rollen sicher mit Bravour, und uns Zuschauern wird wieder ein unvergesslicher Genuss in einer beeindruckenden Originalkulisse geboten", so Schiltbergs Bürgermeister Josef Schreier. Der hat übrigens auch ganz eigene Erfahrungen mit dem Stück. In der Jedermann-Inszenierung von 1971 wirkte er mit zwölf Jahren schon als Page mit.

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