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Matinee

22.12.2017

System Milch: Leistungskühe, Soja und Glyphosat

Der Milchpreis fällt immer tiefer. Wie das sich auf die Arbeit von Landwirten auswirkt.
Bild: Alexander Kaya

Bund Naturschutz, Landwirtschaft und Milchviehhalter zeigen Dokumentarfilm.  

Es gibt zu viel vom „weißen Lebenselixier“: Das drückt den Preis der Milch unter die Marke, von der Landwirte mit ihren Kühen leben und ihre Betriebe überleben können. Filmemacher Andreas Pichler hat den Dokumentarfilm „Das System Milch“ gedreht. Er wurde im Aichacher Kino vom Bund Naturschutz, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und dem Bund deutscher Milchviehhalter (BdM) gezeigt. Christian Schramm, Chefeinkäufer bei der Molkerei Zott, und Hans Breitsamter aus Wessiszell (Dasing), Zweiter Vorsitzende des BdM im Landkreis, stellten sich Fragen. Moderator war Tierarzt Roderich Zauscher aus Dachau.

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Im Film ist erste Station ein Landwirt in Dänemark, der auf seinen sechs Höfen insgesamt 750 Milchkühe hält. Er setzt auf rein milcherzeugende Züchtungen, dadurch werden die männlichen Kälber zu lästigem „Abfall“, wie er sagt. Im Alter von fünf Jahren sind seine Kühe ausgepowert. Der Bauer gibt zu, dass landwirtschaftliche Betriebe wie seiner ziemlich überschuldet sind. Eine Szene zeigt ihn nach dem Empfang einer erlösenden SMS: „Ich könnte weinen. Der Preis für unsere Milch ist gerade um einen Cent gestiegen. Es könnte sein, dass wir heuer doch noch schwarze Zahlen schreiben.“ In dieser Region hat Arla Foods, eine schwedisch-dänische Molkereigenossenschaft, quasi eine Monopolstellung in Sachen Milch. „Arla gehört zu den „Top-Five der Welt“, so deren Manager.

Ortswechsel. Obwohl die ganze Großfamilie auf dem Bauernhof im schwäbischen Donzdorf mitarbeitet, erwirtschaftet sie immer weniger. „Man schafft nur noch für die Konzerne und die Industrie“, klagt der Landwirt und zweifelt, ob dieses System das richtige sei. Dann der Kontrast. Mals, Südtirol. Der Bauer treibt seine Rinder auf die Weide. Sie fressen Gras. Das Alter seiner Tiere sei gestiegen, seit sie nicht mehr so viel leisten müssen. Sein Vater hat den Betrieb noch konventionell geführt. Der Sohn sagt: „Beide Extreme rechnen sich – sehr intensiv und konsequent bio. Mein System ist besser, weil es die Umwelt schont.“

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Dennoch: Der größte Teil der Betriebe setzt auf konventionell. Das beinhaltet Protein-Import mit Soja aus in Südamerika, wo immer mehr Urwald weichen muss. Und wo landet der Rest der Milch, die in der EU nicht verbraucht wird? Der Film zeigt Säcke mit Milchpulver, das etwa im Senegal ankommt. Dort können die Bauern mit dem billigen EU-Import nicht mithalten, geben ihre Betriebe auf, ziehen in die Slums der Städte und vergrößern dort das Elend, vor dem dann ihre Kinder nach Europa flüchten.

In der Diskussion monierte ein Gast, Agrarfirmen würden nur durch Subventionen überleben. Christian Schramm betonte: „Wir als Molkerei bekommen keine Subventionen.“ Zott appelliere an die Verbraucher, auf seine Produkte, hergestellt aus Milch ohne Gentechnik und ohne importierte Soja, zuzugreifen. Hans Breitsameter erklärte: „Wir brauchen politische Verlässlichkeit, damit Familienbetriebe überleben können.“ Zudem fordere der BdM Prämien nicht nach der Zahl der Hektar, sondern der Arbeitskräfte zu vergeben. Landwirt Josef Baur stellte fest, dass in bayerischen Ställen weitgehend Flexi-Kühe stehen. Deren Bullenkälber seien beileibe nicht wertlos. Magdalena Federlin (Grüne), Umweltreferentin der Stadt Aichach, wies auf eine Molkerei hin, die ihre Bauern verpflicht hat, auf das umstrittene Totalherbizid Glyphosat zu verzichten. Christian Schramm erklärte, warum Zott das nicht getan hat: „Der Wettbewerb im deutschen Einzelhandel ist dafür zu extrem.“ Michael Lutz sprach für die 300 Milch-Lieferer aus dem Landkreis an Zott: „Es ist absolut kontraproduktiv die Landwirte diesbezüglich zu irgendwas zu zwingen.“ Die Politik sei hier gefragt.

Federlin forderte von Zott „mehr Regionalität-Bewusstsein“. Schramm erklärte dazu: „Bayern ist aufgrund seiner klimatischen und regionalen Vorgaben zu einem Milchstandort geworden. Da müssen wir exportieren, denn der regionale Ansatz reicht da nicht mehr.“ Hans Breitsameter: „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Export.“

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Die Diskussion ist geschlossen.

22.12.2017

Die einzige Lösung dieses Problems ist,; Der Viehbestand muß an die vorhandene Landfläche wieder gebunden werden, so wie es einmal war, dann ist gleich Schluß mit der Überproduktion und dem Einkauf von Eiwießfutter aus Südamerika. Das hätte auch Auswirkung auf die Schweinehalter, die mit ihren Fabriken (ohne Land) den Fleischüberschuß erzeugen. Dazu wäre die EU Politik gefordert, den regional bringt es nichts. Aber dazu hängen die EU Politiker am Geldtropf der Fleischerzeuger und Industrie, damit diese Regelung nicht kommt.

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23.12.2017

Sehr guter Beitrag.

Aber dazu hängen die EU Politiker am Geldtropf der Fleischerzeuger und Industrie, damit diese Regelung nicht kommt.

Und die Parteien, allen voran die CSU, sind mit dem Deutschen Bauernverband, der Lobbyorganisation der Agrarfabriken und -industrie, eng verbunden.

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26.12.2017

Hallo Peter, der Viehbestand (auch bei Schweinen) ist an die Fläche gebunden. Gerade bei uns in Bayern. Das Problem ist, dass das in den anderen EU Ländern nicht der Fall ist.

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26.12.2017

. . . der Viehbestand (auch bei Schweinen) ist an die Fläche gebunden. Gerade bei uns in Bayern.

Das scheint eines dieser Ammenmärchen zu sein, die von CSU und Bauenlobby verbreitet werden:

". . . dass die Industrialisierung der Landwirtschaft längst auch in Bayern dramatisch voranschreitet. Wie dramatisch, das zeigt der neue Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung und des Umweltverbandes BUND. Ein Blick in die Karten und Analysen macht klar, dass die Region um Landshut in punkto Schweinemast inzwischen mit den Massenhaltungen in den bisherigen Zentren in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mithält, . . ."

. . . Denn die Staatsregierung hat sich geweigert, für den Fleischatlas Daten über den Zuwachs an Großstallungen seit 2012 herauszugeben. Und zwar obwohl der BUND als Umweltverband nach dem Umweltinformationsgesetz Anspruch auf diese Angaben hat. "Aber wie immer bei heiklen Themen haben die gesagt, dass sie die gewünschten Daten nicht haben", sagt Weiger. . .

http://www.sueddeutsche.de/bayern/neuer-fleischatlas-das-maerchen-vom-bauernstand-1.2814558

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26.12.2017

Das der Viehbestand an die Fläche gebunden ist, (so wies einmal war) wurde nach meinem wissen vor viele Jahren aufgehoben. Wenn dem so wäre, müßten die Massenviehhalter nicht Mio Tonnen Viehfutter aus Südamerika kaufen, dann hätten die Landwirte auch genug Fläche für die Gülle. Die ganze Landwirtschaftspolitik ist aus den Fugen geraten, wenn man sieht, die EU kauft Futter in Südamerika (dafür wird Urwald gerodet) und exportiert dann das Überschußfleisch nach Asien und lebende Tier nach Türkei und Arabien.

wir

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