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Prozess

25.07.2020

Tattoos verraten Bandenmitglieder

Vor Augsburger Amtsgericht beginnt Verfahren gegen zwei mutmaßliche „Ostrava“-Diebe. Sie sollen mehrere Diebstähle begangen haben und in Aichach bei älteren Menschen eingestiegen sein

Wohnungseinbrüche und Diebstähle verunsichern in Deutschland viele Bürger – und sie richten enorme Schäden an. Nach Erkenntnissen der Ermittler stecken teils international agierende Banden hinter vielen derartigen Taten. Zwei mutmaßlichen Mitgliedern einer solchen Bandenstruktur wird jetzt vor dem Augsburger Amtsgericht der Prozess gemacht. Die 22-jährige Frau und ihr 28-jähriger mitangeklagter Lebensgefährte bestreiten, Mitglieder der sogenannten Ostrava-Bande zu sein, die auch in Aichach aktiv war. Zwar sind beide tschechische Staatsbürger, mit einer Bande, benannt nach der Stadt in Nordmähren, hätten sie aber nichts zu tun. Weitere Angaben machten die beiden Angeklagten nicht, insbesondere nicht zu beteiligten Personen. Sie gaben Erklärungen über ihre Verteidiger ab. Was in dem Verfahren folgte, war eine aufwendige Beweisaufnahme mit sechs Zeugen, die noch nicht abgeschlossen ist. Auch wurden im Gerichtssaal zahlreiche Bild- und Videodateien angeschaut.

Drei der fünf Taten bestreiten die Angeklagten, aber die beiden in Rewe-Märkten in Dillingen und Pößneck ( Thüringen) ließen sie über ihre Verteidiger einräumen – mit Bedauern. Insgesamt fünf Fälle listete die Anklageschrift auf, meist seien die beiden Angeklagten mit weiteren, teils unbekannten Personen, am Werk gewesen. Am 27. Juni 2019 sollen sie einen Handtaschendiebstahl in einem Rewe-Markt in Dillingen begangen haben. Diese Tat war von der Videoüberwachung des Marktes aufgezeichnet worden. Dabei waren einer Kundin 100 Euro Bargeld, Papiere und Schlüssel gestohlen worden. Drei Wochen nach der Tat sei die betagte Einkäuferin verstorben. Sie wurde, so der Sachbearbeiter von der Dillinger Polizei, von dem Diebstahl offensichtlich erheblich verunsichert.

Am 3. Juli wieder ein Diebstahl in einem Rewe-Markt, diesmal im thüringischen Pößneck. Hier wollten zwei Frauen und zwei Männer verschiedene Waren, vor allem Kosmetikartikel, im Gesamtwert von 215 Euro aus dem Laden schaffen, die die Frauen in große Taschen gesteckt hatten. Nur wenige Tage später, am 6. Juli 2019, wurde einer älteren Frau in Heidenheim (Baden-Württemberg) beim Einkaufen aus ihrer Handtasche die Geldbörse gestohlen. Rund 120 Euro waren verschwunden und zwei EC-Karten. Mit einer der Karten gelang es den Tätern, 500 Euro aus einem nahe gelegenen Bankautomaten zu ziehen. Auch hier gibt es Überwachungsbilder, die unter anderem die Angeklagten zeigen sollen. Drei weitere Abhebeversuche scheiterten. Gut für die Ermittler: Laut des Polizeisachbearbeiters trug die Angeklagte in Heidenheim dasselbe Kleid wie bei dem Diebstahl in Dillingen. Damals, so der Polizist im Zeugenstand, sei die Identität der Frau noch nicht bekannt gewesen, später wurde sie identifiziert. In Verbindung mit den Taten wurden beide Angeklagten unter anderem gebracht, weil ihre Tätowierungen nach Worten eines weiteren Polizisten im Zeugenstand auf den Überwachungsbildern teils gut zu erkennen gewesen seien.

Dann folgte am 25. Juli 2019 ein Diebstahl bei einem Bekleidungsgeschäft in der Dillinger Königstraße. Dabei entwendeten zwei Frauen, darunter soll wiederum die Angeklagte gewesen sein, 20 Sommerkleider mit einem Gesamtwert von rund 400 Euro von einem Außenständer, die sie in einen Pkw-Kofferraum packten.

Ein letzter Fall, der jetzt der Angeklagten im aktuellen Verfahren vorgeworfen wurde, ist ein versuchter Einbruch in Aichach. Dabei war von insgesamt drei Frauen, darunter der 22-Jährigen, versucht worden, am 26. Juli 2019 zur Mittagszeit in ein betreutes Wohnen mehrerer älterer Leute einzubrechen. Das gelang mithilfe eines unbekannten Werkzeugs auch, dann aber flohen die Täter ohne Beute. Sie waren von der Bewohnerin und deren Schwester entdeckt und angesprochen worden. Nach Worten der Kriminalpolizistin ist es ungewöhnlich, dass in betreute Wohnanlagen oder Altenheime eingebrochen werde, weil die Täter eigentlich wissen, dass die Bewohner meist zu Hause sind. Ermittlungen ergaben, dass das verwendete Fluchtauto mit Mettmann-Kennzeichen dasselbe war, wie jenes, das am Vortag bei dem Kleiderdiebstahl verwendet worden war.

Weitere Zeugen sollen bei der Fortsetzung Anfang September angehört werden. Für die beiden Angeklagten ging es somit zurück in die Untersuchungshaftanstalten nach Aichach und Gablingen.

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