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Aindling

28.11.2010

Theaterverein führt zum Jubiläum "Die Kreuzelschreiber" auf

Die Bauern granteln, weil sie durch ihr Kreuzel die Gunst ihrer Ehefrauen verloren haben. Besonders der alte Brenninger (2. von rechts) hadert und sieht keinen Ausweg mehr. Der Stoaklopfer (rechts) steht auch von der Kleidung her außerhalb ihrer Ordnung.

Auf der Bühne im Moosbräusaal feierte die Volksbühne Aindling Premiere von "Die Kreuzelschreiber". Theaterchefin Andrea Rohn rief "Ich freue mich, dass es so voll ist" ins Publikum, bevor sich der Vorhang zum ersten Mal hob. Die Volksbühne Aindling feiert heuer ihr 30-jähriges Bestehen. Von Martin Golling

Aindling. Auf der Bühne im Moosbräusaal feierte die Volksbühne Aindling Premiere von "Die Kreuzelschreiber". Theaterchefin Andrea Rohn rief "Ich freue mich, dass es so voll ist" ins Publikum, bevor sich der Vorhang zum ersten Mal hob. Die Volksbühne Aindling feiert heuer ihr 30-jähriges Bestehen.

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Die Sprache der Schauspieler in dieser Zeit war nie aufgesetzt, sondern spiegelte immer den örtlichen Sprachschatz wider. "Wir haben junge Leute gefunden, die noch unseren Dialekt sprechen", freute sich Andrea Rohn und verwies auf Lisa Sturm, Martin Held, Josef Lechner, Bernd Ziegler und Jonas Stevens, die in "Die Kreuzelschreiber" ihr glänzendes Schauspieldebüt gaben.

Der Österreicher Ludwig Anzengruber lässt sein Stück bewusst in Bayern spielen, denn als es um 1870 herum entstand, stand es in seiner Heimat auf dem Index. Es greift die Thematik um das Dogma der "Unfehlbarkeit des Papstes auf", das damals fast zur Glaubensspaltung geführt hätte. Der Großbauer von Grundldorf (Werner Riegl) überredet die Bauern von Zwentdorf, eine Resolution gegen "gewisse Neuerungen der Kirche" zu unterschreiben. Damit haben die Zwentdorfer Kreuzelschreiber ihr Seelenheil verwirkt, wiegelt die Kirche deren Frauen auf, die gleich darauf lauthals jammern: "Mei dia Esel, dia Mannerleit, de Mannsbilder!"

Theaterverein führt zum Jubiläum "Die Kreuzelschreiber" auf

Die jungen Burschen übrigens und der Stoaklopferhans (Walter Pasker) weigern sich, zu unterschreiben. "I konn ned schreib'n", rechtfertigt sich der schlaue Hans. "Dann machst drei Kreuzel", kontert der Großbauer. Doch der Stoaklopfer ist ebenfalls nicht aufs Maul gefallen: "Da mechat ja de Schrift glei ausschaung wia ra Friedhof."

Heuboden statt Ehebett

Wie es nun in den einzelnen Häusern hergeht, macht Anzengruber am frisch verheirateten Gelbhofer deutlich. Dessen Frau Josepha (Lisa Sturm) bedrängt ihren Toni (Isidor Held), die Unterschrift zurückzunehmen. Doch all ihre Raffinesse, süße Worte, Härte, Versprechen und Drohungen greifen nicht. So verkündet sie die vom Pfarrer auferlegte Buße: Eine Wallfahrt nach Rom. Bis dahin wird nicht mehr im Ehebett übernachtet, sondern auf dem Heuboden.

Witzig, realistisch und am Ende glaubhaft tragisch spielt Josef Schoder das Dilemma des alten Brenninger: "Mei Ordnung is durcheinander kemma", stammelt der Greis nach 50 Ehejahren. Den Sühnegang nach Rom kann er unmöglich antreten. Er sieht keinen Ausweg - und wird am nächsten Morgen tot aufgefunden. Da wird es für den Stoaklopferhans höchste Zeit, sich mit einer List ins Geschehen einzumischen. Unter Regisseur Josef Schoder verstehen es die Schauspieler der Volksbühne Aindling, sowohl die Tragik, als auch die komischen, grotesken Seiten des Stücks herauszuarbeiten.

Für die Zuschauer ist es ein sehr vergnüglicher Abend. Anzengrubers Stück ist vom Bühnenbau, von den Kostümen, von der Thematik her und auch in Bezug auf den personellen Aufwand (29 Schauspieler) eine Riesenleistung der Volksbühne Aindling. Diese Leistung stellt das 30-jährige Schaffen des Theatervereins insgesamt sehr positiv dar.

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