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Jubiläum

20.07.2019

Themen spiegeln Wandel der Zeit wieder

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Michael Hahn, Gesamtleiter der Kinder- und Jugendhilfe Wittelsbacher Land, und Bereichsleiterin Friederike Krisch.

Die Erziehungsberatung der Katholischen Jugendfürsorge gibt es seit 40 Jahren im Landkreis. Früher ging es vor allem um Lernschwierigkeiten, heute oft um Medien. Was Jugendliche von der neuen Videoberatung halten

Das „Offen-reden-Können“ beeindruckte Nina beim Besuch der Beratungsstelle der Erziehungs- Jugend- und Familienberatung (KJF). Kristian fand es wichtig, eine Person vor sich zu haben, die eine andere Sichtweise als er selbst vertrat. Die beiden nahmen am Freitag an einer Talkrunde der KJF teil. Sie war Teil der Jubiläumsfeier zum 40-jährigen Bestehen der Beratungsstelle im Landkreis. Neben der offiziellen Feier im Kreisgut gab es nachmittags auch noch eine „offene Beratungsstelle“.

Im Laufe der 40 Jahre haben sich die Themen stark gewandelt, mit denen sich die Beratungsstelle auseinandersetzen muss. Damals waren es Lernschwierigkeiten oder Probleme bei den Hausaufgaben, erinnerte sich Stefan Leister, Abteilungsleiter Soziales der KJF Kinder- und Jugendhilfe. Heute würden Eltern und Familien in vielfältiger Weise unter Druck stehen, ihr Leben irgendwie auf die Reihe zu kriegen. Das schlägt sich auch in den Themen nieder, die zum Beispiel Freizeitgestaltung und Medien betreffen. Etwa 35 Prozent der Beratungsgespräche drehen sich heute um das Thema Trennung und Scheidung, weitere 15 Prozent betreffen psychische Beeinträchtigungen. „Die Zielgruppe hat sich wesentlich gewandelt“, sagte Bernd Rickmann, Leiter des Kreisjugendamtes.

Das Wittelsbacher Land werde auch weiterhin auf ein breit gefächertes Angebot bei der Kinder- und Jugendhilfe setzen, betonte er. „Der Landkreis nimmt durchaus Mittel in die Hand, um die Beratung zu stemmen.“ Heuer sind dafür 300000 Euro eingeplant. Den klassischen Mix aus öffentlichen und freien Trägern bei der Erziehungsberatung hielt Rickmann für sinnvoll. Neben einer Beratung vor Ort sprach er sich auch dafür aus, dass die Beratungsstelle zum Beispiel in Schulen geht. „Der Landkreis will in Zukunft beide Bereiche weiter ausbauen“, kündigte er an.

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Vor- und Nachteile sahen die Jugendlichen bei einer Sozialpädagogin an der Schule. Als vorteilhaft sah Kristian, dass damit jemand an der Schule ist, der einen Überblick über die Schüler hat und die Problemfälle kennt. Er befürchtete, dass Schüler mit folgendem Hintergedanken in die Gespräche gingen: Die Sozialpädagogin könnte den Inhalt der Gespräche an die Lehrer weitergeben.

Auch zum Thema Videoberatung hatten die Jugendlichen eine klare Meinung. „Ich bin total dagegen“, sagte Eva. Man verliere den persönlichen Aspekt, der in einem Vieraugengespräch gegeben sei. Das sah auch Kristian so: „Ich finde es wichtig, sich in die Augen schauen zu können.“

Trotzdem wird die Digitalisierung auch vor der KJF selbst nicht haltmachen. Weil sich immer mehr Menschen online bewegen, werde man in allen Beratungsstellen auch eine Online-Beratung anbieten, sagte Leister. Als einen wesentlichen Aspekt der Zukunft sah er, dass die Beratung nicht mehr nur an einem Ort stattfinden werde. Deshalb begrüßte er die Entwicklung im Landkreis, wo es das Ziel von Landrat Klaus Metzger ist, flächendeckend Familienstützpunkte zu haben.

Für die Zukunft wünschte sich der Landrat, dass für Menschen, die eine Beratung suchen, passgenaue Angebote vorhanden sind. Er wünschte sich, als Gesellschaft den Mut aufzubringen, „unmittelbar zu reagieren und aus eigenem Antrieb Dinge zu verändern“. Auch gegen den Willen der Politik.

Als große Herausforderung für die Stadt sah Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann, wohnortnahe Arbeitsplätze zu stellen. Generell sei Aichach gut aufgestellt, sagte er. Seine Beobachtung bei Erziehungsthemen: „Es läuft immer mehr auf Angebote der Kommune hinaus, was früher Familien abgefedert haben.“ Und was würden sich die Jugendlichen von den Erwachsenen wünschen? Respektiert zu werden und Unterstützung bei den Stärken.

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