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Prozess

21.06.2016

Tierquälerei: Viehhändler steht in Aichach vor Gericht

Ein Viehhändler transportierte eine schwer verletzte Kuh über eine Stunde unter starken Schmerzen zum Schlachthof.
Bild: Symbolbild: Ralf Lienert

Mann transportiert schwer verletzte Kuh über eine Stunde lang zum Schlachthof nach Buchloe statt sie vor Ort zu töten. Das hat wohl auch finanzielle Gründe.  

Wegen Tierquälerei war ein Viehhändler aus dem nördlichen Landkreis vor dem Schöffengericht in Aichach angeklagt. Eine Kuh war in einem Stall im Nachbarlandkreis Neuburg-Schrobenhausen von einer einstürzenden Mauer eingeklemmt worden. Der Landwirt verständigte den 62-jährigen Viehhändler. Doch statt das schwer verletzte Rind zu töten, fuhr dieser es zum über eine Stunde entfernten Schlachthof nach Buchloe. Während der ganzen Zeit litt das Tier unter starken Schmerzen. Das Gericht wollte ihn deshalb per Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 6000 Euro (40 Tagessätze à 150 Euro) verurteilen. Gegen die Höhe der Strafe legte er Einspruch ein.

Dass die Kuh schwer verletzt war, muss Händler und Landwirt klar gewesen sein. Schließlich wurde das Tier zum Schlachten gefahren. Die Verletzungen waren erheblich, wie Staatsanwalt Andreas Straßer verdeutlichte. Auf einem Bein habe sie gelahmt, im Brustbereich habe es offene blutige Stellen gegeben. Wie später ein Amtsarzt feststellte, war die vordere Wade des Tieres gebrochen. Bei der Ankunft im Schlachthof lag die Kuh im Wagen und konnte nicht mehr aufstehen. Sie musste sofort notgetötet werden.

Thema der Verhandlung war lediglich die Höhe der Geldstrafe. Sie orientiert sich an der Schuld und an den Einkommensverhältnissen des Betroffenen. Die seien nicht so rosig wie angenommen, sagte der 62-Jährige. Der Staatsanwalt sprach sich für eine Reduzierung der Tagessatzhöhe von 150 auf 60 Euro aus, die Verteidigung plädierte für 50 Euro. Das Gericht unter Vorsitz von Richter Walter Hell folgte der Forderung des Staatsanwalts, die Zahl der Tagessätze blieb gleich. Auch der Landwirt erhielt einen Strafbefehl wegen Tierquälerei.

Nur zwischen den Zeilen kam zur Sprache kam der vermutliche Grund zur Sprache, aus dem die Kuh lebend zum Schlachthof transportiert worden war: Aus lebensmittelhygienischen Gründen müssen tote Tiere in 60 Minuten dort eintreffen. Die Fahrt zum Schlachthof dauerte aber eine Stunde und 17 Minuten. Wäre die Kuh auf dem Hof getötet worden, hätte sie nicht mehr als Lebensmittel verarbeitet werden dürfen.

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