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Prozess in Augsburg

24.07.2018

Tödlicher Unfall nahe Pöttmes: Verursacher muss ins Gefängnis

Bei einem Unfall auf der Staatsstraße 2035 nahe dem Pöttmeser Ortsteil Gundelsdorf starb im Januar 2016 ein 31-Jähriger. Der Verursacher des Unfalls muss nun ins Gefängnis.
Bild: Erich Echter (Archiv)

Bei einem Zusammenstoß zweier Autos bei Pöttmes vor zweieinhalb Jahren stirbt ein 31-Jähriger. Gegen den Verursacher wurde nun in zweiter Instanz verhandelt.

Seine Freundin hatte Ja gesagt. Der 31-Jährige und sie wollten heiraten. Dazu kam es nicht mehr. Ein verheerender Unfall riss den Mann wenige Monate vorher aus seinem noch jungen Leben. Ein entgegenkommender Autofahrer krachte nach einem Überholmanöver auf der Staatsstraße 2035 nahe dem Pöttmeser Ortsteil Gundelsdorf frontal in seinen Audi. Von dem Wagen des 31-Jährigen blieb nur ein Blechknäuel übrig. Er selbst war sofort tot. Ein weiterer Autofahrer und der Unfallverursacher wurden schwerst verletzt.

In erster Instanz zu zwei Jahren, zwei Monaten und einer Woche verurteilt

Am Dienstag wurde das Geschehen vom 25. Januar 2016 vor der 16. Strafkammer des Landgerichts Augsburg unter Vorsitz von Richter Christian Grimmeisen aufgearbeitet. Der angeklagte Unfallverursacher war gegen ein Urteil des Amtsgerichts Aichach vom vergangenen Jahr in Berufung gegangen. Damals war der heute 64-Jährige wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, zwei Monaten und einer Woche verurteilt worden.

Gleich zu Beginn zogen Verteidigung und Staatsanwaltschaft am Dienstag jeweils die Berufung zurück. Vor rund 25 Zuhörern, unter ihnen Angehörige des Getöteten und des Unfallverursachers, ging es lediglich noch um die Höhe der Strafe. In erster Instanz hatte ein Unfallgutachter den Hergang detailliert nachvollzogen. Daraus und aus den Zeugenaussagen ergab sich folgendes Bild: Der Angeklagte hatte auf der engen Staatsstraße zwei Fahrzeuge überholt. Obwohl diese mit den maximal erlaubten 80 Stundenkilometern unterwegs waren und er laut Unfallgutachter mit 102 bis 108 Stundenkilometern viel zu schnell war. Obwohl die bevorstehende Kurve 462 Meter vor der Unfallstelle als gefährlich beschildert ist. Obwohl er die Strecke bestens kennt.

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Im ersten Prozess hatte sich der Angeklagte noch mithilfe eines neurologischen Gutachtens auf eine kurzzeitige Ohnmacht berufen. Das Gericht stellte damals dessen Seriosität massiv infrage. Wohl auch, weil die anfängliche Prozesstaktik wenig Erfolg versprach, hatte die Verteidigung vor dem Verhandlungstag ihre Strategie geändert. Verteidiger Andreas Schröger sprach von einem „Augenblicksversagen“ seines Mandanten. Im ersten Prozess in Aichach war dem Angeklagten allerdings der Satz herausgerutscht: „Ich komme da normal locker mit 100 durch.“

Der Angeklagte, der nach dem Unfall mehrfach operiert worden war, zeitweise im künstlichen Koma gelegen hatte und mehrere Monate stationär in psychotherapeutischer Behandlung gewesen war, bezeichnete am Dienstag den Unfall als „schrecklichste Sekunde meines Lebens“.

Wie schon das Amtsgericht Aichach machte das Landgericht Augsburg charakterliche Defizite bei ihm aus. Nur zwölf Tage vor dem tödlichen Unfall war er mit einem Rollerfahrer zusammengestoßen, nachdem er diesem die Vorfahrt genommen hatte. Trotzdem sei er vor dem tödlichen Unfall geradezu „rowdyhaft“ gefahren, kritisierte der Richter. Er sprach von grober Fahrlässigkeit an der Grenze zum Vorsatz.

Anwalt spricht von "sinnloser Raserei"

Der Kleinunfall floss in das Urteil ein: Ein Jahr, acht Monate und eine Woche muss der Angeklagte demnach in Haft. Außerdem darf ihm weitere 18 Monate keine Fahrerlaubnis erteilt werden. Der Verteidiger kündigte an, sein Mandant verzichte lebenslang darauf. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Oberstaatsanwalt Franz Wörz hatte zwei Jahre, zwei Monate und eine Woche Haft gefordert, der Verteidiger 20 Monate Haft auf Bewährung. Rechtsanwalt Harald Sobottka, der die Familie des Todesopfers vertrat, stellte die Strafe ins Ermessen des Gerichts. Er sprach von „sinnloser Raserei“ und warf dem Angeklagten vor, sich grundsätzlich nicht an Verkehrsregeln zu halten.

2015 hatte dieser bereits seinen Führerschein einen Monat abgeben müssen, weil er zu schnell gefahren war. In dieser Zeit wurde er erneut am Steuer erwischt und versuchte, vor der Polizei zu fliehen – mit 130 Stundenkilometern innerorts.

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