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Region Augsburg

06.04.2021

Tödlicher Unfall von Pfarrer Hoyer auf der A8: Das Urteil steht fest

Bei einem Verkehrsunfall auf der A8 Ende Juli 2020 wurde der Autobahn-Pfarrer von Adelsried, Wolfram Hoyer, von einem Anhänger erfasst.
Foto: Bernhard Weizenegger

Plus Der tragische Tod von Autobahn-Pater Wolfram Hoyer ist juristisch aufgearbeitet. Wie eine Freundin, die den Unfall auf der A8 miterlebte, das Urteil bewertet.

Es war 14.37 Uhr, als der letzte Versuch endete, Pater Wolfram Hoyer ins Leben zurückzuholen. Rettungskräfte, selbst anhaltende Autofahrer hatten es mit Reanimationsmaßnahmen probiert, aber nie eine echte Chance gehabt. Hoyer, Autobahn-Pater von Adelsried (Landkreis Augsburg), war zu schwer verletzt. Er starb an jenem verhängnisvollen 30. Juli 2020 auf dem seitlichen Grünstreifen der A8 bei Sulzemoos - unter Umständen, die Angehörige und Außenstehende, Polizisten und Bekannte bis heute fassungslos zurücklassen. Zumindest juristisch ist der Fall inzwischen jedoch aufgearbeitet.

Autobahn-Pater Wolfram Hoyer kam bei Unfall auf der A8 ums Leben

Als Beifahrer war Wolfram Hoyer, Prior des Augsburger Dominikanerkonvents, an diesem Donnerstagnachmittag auf der A8 Richtung Stuttgart unterwegs. Am Steuer saß eine langjährige Bekannte und Freundin, Susann-Mareen Theune-Vogelsang. Da ihr dunkelroter Viano plötzlich nicht mehr beschleunigte, lenkte Theune-Vogelsang das Fahrzeug in einer langgezogenen Linkskurve auf den Seitenstreifen. Hoyers Begleiterin rief den Pannendienst und sicherte die Stelle mit einem Warndreieck. Dieses fiel, offenbar durch den Fahrtwind des vorbeirauschenden Verkehrs, jedoch um. Theune-Vogelsang wollte unter dem Beifahrersitz Warnwesten herausholen, um das Warndreieck anschließend wieder aufzustellen.

Diese Skizze von Susann-Mareen Theune-Vogelsang zeigt, wie es zum tödlichen Unfall von Wolfram Hoyer kam.
Foto: Max Kramer

Zeitgleich, es war 13.55 Uhr, löste sich bei voller Fahrt der hüfthohe Anhänger eines Kleintransporters und rauschte nach rechts weg - genau in Richtung des Pannenfahrzeugs. Dort traf er Wolfram Hoyer, der direkt daneben und mit dem Rücken zum Verkehr stand, mit voller Wucht. Der 51-Jährige wurde dadurch rund 25 Meter den Grünstreifen entlang geschleudert und erlag kurz darauf seinen schweren Verletzungen.

Unfallanalytisches Gutachten: Anhänger nicht ordnungsgemäß befestigt

Der Tod des beliebten Geistlichen, als "Autobahn-Pater" bekannt, löste weit über den Raum Augsburg hinaus große Bestürzung aus. Doch sein tragischer Unfall rief auch Fragen hervor. Die wichtigste: Wie konnte es dazu kommen? Die Polizei nahm Ermittlungen auf und untersuchte allein den Anhänger über zwei Wochen. Ein unfallanalytisches Gutachten ergab jedoch, dass keine technischen Mängel vorgelegen hatten. Was bedeutete: Der Anhänger war nicht ordnungsgemäß befestigt worden und hatte sich deshalb vom Kleintransporter gelöst.

Bei einem Verkehrsunfall wurde Autobahn-Pfarrer Wolfram Hoyer Ende Juli 2020 von einem Anhänger erfasst. Auf der A8 Höhe Sulzemoos starb der Pater und Prior kurz darauf. Fahrerin war Susann-Mareen Theune-Vogelsang.
Foto: Susann-Mareen Hoyer-Vogelsang

Schnell geriet der Fahrzeugführer in den Fokus. Nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich dabei um einen 29-Jährigen aus dem Landkreis Ansbach (Mittelfranken). Mit ihm im Fahrzeug saßen zum Zeitpunkt des Unfalls zwei Kollegen, ein 20-Jähriger und ein 54-Jähriger. Die drei waren damals in einem handwerklichen Betrieb angestellt, ebenfalls aus dem Landkreis Ansbach, und vor dem Unfall auf derselben Baustelle beschäftigt. Den Anhänger richtig zu befestigen - oder zumindest dessen ordnungsgemäße Befestigung zu kontrollieren -, lag rechtlich in der Zuständigkeit des Fahrers.

Fahrer des Kleintransporters wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München II kamen im Dezember 2020 zum Schluss, dass der 29-Jährige entsprechend auch für den Unfall verantwortlich war. Sie beantragte deshalb einen Strafbefehl, der vom zuständigen Amtsgericht Dachau erlassen wurde. Das Urteil: eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen wegen fahrlässiger Tötung. Außerdem erhielt der Mann ein dreimonatiges Fahrverbot. Er hat den Strafbefehl Ende Januar akzeptiert, das Urteil ist damit rechtskräftig.

Der Anhänger, der Autobahn-Pfarrer Wolfram Hoyer Ende Juli 2020 auf der A8 bei Sulzemoos erfasste.
Foto: Susann-Mareen Theune-Vogelsang

Zum Urteil erklärt Andrea Mayer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II, gegenüber unserer Redaktion: "Im Kern ging es darum, dass der tödliche Unfall hätte vermieden werden können, wenn der Anhänger richtig befestigt gewesen wäre. Dafür war der Fahrzeugführer verantwortlich." Dies rechtfertige eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung. Dass dem 29-Jährigen ein härteres Urteil erspart blieb, erklärt sie so: "In diesem Fall sind sehr viele unglückliche Umstände zusammengekommen." Man könne dem Mann Fahrlässigkeit, aber keine kriminellen Absichten unterstellen. Bei fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr seien Geldstrafen "relativ normal" - außer wenn Alkohol im Spiel gewesen sei.

Hoyers Bekannte Susann-Mareen Theune-Vogelsang: "Mann gestraft genug"

Susann-Mareen Theune-Vogelsang, die in Hoyers letzten Stunden an seiner Seite war, ist froh, dass die Strafe nicht höher ausgefallen ist. Bis heute mache sie dem Fahrer keine Vorwürfe. Der Mann sei durch seine Verantwortung am Unfall bereits "gestraft genug. Das ist eine Bürde, die ihm bleiben wird. Dieses Unglück braucht nicht noch mehr Opfer. Ich wünsche dem Mann, dass er jetzt die Chance bekommt, weiterzumachen und ein gutes Leben führen zu können." In dieser Meinung sei sie sich mit Hoyers Mutter einig.

Theune-Vogelsang betont, selbst mit der Bewältigung des Unfalls beschäftigt zu sein. "Zu wissen, dass jetzt jemand deshalb verurteilt worden ist, macht die Ereignisse von damals nicht besser oder schlechter. Aber vielleicht kann das Urteil dabei helfen, einen allgemeinen Abschluss zu finden."

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