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Prozess

10.11.2017

Traum vom Porsche bringt Mann vor Gericht

Ein Porsche-Fahrer aus dem Landkreis Aichach-Friedberg ist wegen Unterschlagung angeklagt.
Bild: Symbolfoto: Uli Deck/ dpa

Amtsgericht Aichach verhandelt den Fall eines 51-Jährigen, der als Geschäftsmann im nördlichen Landkreis tätig war.

Für viele Menschen bleibt es ein Traum. Der 51-jährige Angeklagte hingegen erfüllte ihn sich: Zum 50. Geburtstag gönnte er sich einen Porsche. Zumindest sei der Wagen an diesem Tag zugelassen worden und auch gleich noch ein Hochzeitsgeschenk, wie er Richter Walter Hell bei der Verhandlung am Aichacher Amtsgericht versichert. Dort muss der 51-jährige Porsche-Fahrer jetzt wegen Unterschlagung auf der Anklagebank Platz nehmen. Es geht um den Boxter.

Den hatte der Mann als Geschäftsführer einer beratenden Firma im nördlichen Landkreis geleast. Jeweils zum Monatsanfang war dafür eine Rate von knapp 2000 Euro fällig, die per Lastschrift vom Konto der Zwei-Mann-Firma abgebucht worden war. Zunächst klappte das auch genau so, wie es im November 2015 im Vertrag mit der Nürnberger Leasing-Firma vereinbart worden war. Gelegentlich gab die Bank zwar Lastschriften zurück, dann wurde der fehlende Betrag aber stets leicht verspätet beglichen. Immer sei er per Mail oder Telefon informiert worden, wenn so etwas passiert war, erinnert sich der Angeklagte im Gerichtssaal.

Doch plötzlich lief es anders. Der 51-Jährige schildert dem Richter, wie seine Firma aus dem Wittelsbacher Land in die Oberpfalz umgezogen sei und später liquidiert werden sollte. Es fehle noch an Formalien, aber stillgelegt sei sie. Mit dem Ende des Unternehmens war auch das Konto im Landkreis Aichach-Friedberg für weitere Lastschriften über monatlich knapp 2000 Euro für einen Porsche Boxter nicht mehr gerüstet. Vermutlich weil der Mann der Leasing-Firma in dieser Zeit weder seine neue Anschrift, noch eine neue Kontonummer mitteilte, gingen die Mahnungen über zwei Monate an die alte Adresse. Bis zum großen Knall.

Telefonisch soll er davon erfahren haben, dass der Leasing-Vertrag für seinen Porsche gekündigt wurde. Der Angeklagte habe noch am selben Tag die ausstehenden Raten bezahlt, doch da wurde der Fall bereits von der Rechtsabteilung der Leasing-Firma bearbeitet. Der Porsche-Fahrer wurde aufgefordert, den Wagen zurückzubringen. Im Gerichtssaal sagt er, ein Münchener Rechtsanwalt habe ihm dazu geraten, das Luxusauto auf keinen Fall zurück zu geben. Das Leasing-Unternehmen beauftragte daraufhin einen Fahrer, den Boxter beim Angeklagten abzuholen, aber auch da weigerte sich der 51-Jährige. Als er nach weiteren Telefonaten mit dem Juristen der Leasing-Firma am vereinbarten Tag mit dem Auto in Nürnberg nicht erschienen war, schaltete das Unternehmen die Polizei ein und stellte eine Strafanzeige. Der Porsche wurde Mitte April zur Fahndung ausgeschrieben und Anfang Mai stoppte die Polizei den 51-Jährigen damit auf der Autobahn bei Passau. Der Boxter kam zur Leasing-Firma zurück und wurde zum Kauf angeboten. Für stolze 130000 Euro bekam die Geschäftsführerin der neu gegründeten Firma der Lebensgefährtin des 51-Jährigen den Porsche – obwohl er neu für etwa 90000 Euro zu haben wäre. as wundert den Juristen der Leasin -Firma auch noch Monate später im Zeugenstand: „Das Auto ist das Geld nicht wert“, sagt er im Gericht. „Ich verstehe es nicht.“ Das geht auch Richter Walter Hell so, obwohl der Angeklagte für den überhöhten Kaufpreis gleich mehrere Erklärungen vorträgt und den ideellen Wert des Wagens betont.

Der Richter hat nach etwa zwei Stunden Verhandlung noch weitere Fragen. Was hat es mit dem Schreiben auf sich, das dem 51-Jährigen einen Kaufpreis von etwa 27000 Euro zugesicherte? Und wie verlief das Gespräch mit dem Münchener Anwalt? All das soll bei der Fortsetzung der Verhandlung Ende November geklärt werden. Der 51-Jährige hat bereits 14 Vorstrafen, unter anderem wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung. Im Gefängnis war er offenbar noch nie, er befand sich aber in einer Bewährungsphase. (kabe)

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