Newsticker

Spahn mit Corona infiziert - Kabinett muss nicht in Quarantäne
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Über 170 Gäste: So bereiten Verena und Dieter ihre Hochzeit vor

Kissing

25.05.2015

Über 170 Gäste: So bereiten Verena und Dieter ihre Hochzeit vor

Verena Unfried und Dieter Schwab aus Kissing heiraten am 13. Juni und stecken voll in den Hochzeits-Vorbereitungen.
Bild: Ulrich Wagner

Verena Unfried und Dieter Schwab haben sich in ihre Hochzeitsvorbereitung gestürzt. Eine Geschichte über Vorfreude, das Problem mit der Sitzordnung und ein Lebkuchenherz.

Ein endloser weißer Strand, Palmen, türkisblaues Meer. Und mittendrin zwei Bayern in Dirndl und Lederhose. Der Anblick hat was, sagen wir, Ungewöhnliches, und so darf das auch sein. Schließlich geht es hier um nichts weniger als um eine Hochzeit.

Dies ist die Geschichte von Verena Unfried und Dieter Schwab. Für die Einladungskarten haben sie ihre Tracht und ein Lebkuchenherz mit auf die Malediven genommen. Es war eine spontane Idee. Ein Tag vor dem Abflug war Verena Unfried noch auf dem Oktoberfest. Sie ließ ein Lebkuchenherz beschriften, der Süßwarenhändler packte es in einen Pizzakarton, und so ging es zum Flughafen. Die Zuckerschrift war noch nicht ganz trocken, deshalb bekam der Karton im Flugzeug einen besonders sicheren Platz. Nachdem alle heil angekommen waren, zogen die beiden Lederhose und Dirndl an, stellten sich an den Traumstrand und hielten ihr Herz in die Kamera – mit der Aufschrift: „Wir heiraten 13.06.15.“

Das Strandfoto ist auf die Hochzeit-Einladungskarten gedruckt

Die Reise auf die Malediven liegt ein gutes halbes Jahr zurück. Und der 13.06.15 ist in drei Wochen. Das Strandfoto ist auf die Einladungskarten gedruckt worden, die meisten Gäste haben schon zugesagt. Mehr als 170 werden mitfeiern. Eine stattliche Zahl. Bis dahin ist noch viel zu tun. Doch bei den beiden überwiegt die Vorfreude. Auch, als sie an diesem Frühlingstag nebeneinander im Wohnzimmer sitzen und von Plänen und Pannen erzählen. Chaos in der Wohnung oder Ringe unter ihren Augen sucht man allerdings vergeblich. Das Brautpaar weiß: Wer heiraten will, braucht Zeit, Geld und gute Nerven.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die 29-Jährige und der 31-Jährige aus Kissing im Kreis Aichach-Friedberg sind seit 2013 verlobt, und seitdem laufen auch die Vorbereitungen für den großen Tag. Im vergangenen Frühjahr haben sie sich 20 verschiedene Lokale angeschaut auf der Suche nach dem perfekten Ort für die Feier. Schließlich blieben zwei Restaurants übrig. „Wir haben zwei Stunden lang hin und her diskutiert und eine Pro-und-Kontra-Liste gemacht“, erzählt die Braut. Letztendlich haben sie sich für ein Hotel in Adelsried bei Augsburg entschieden.

Das Herz haben Verena Unfried und Dieter Schwab aus Kissing eigens auf der Wiesn anfertigen lassen.
Bild: Ulrich Wagner

Der Bräutigam sagt: „Wir dachten, wir haben ewig Zeit, als wir vor mehr als einem Jahr angefangen haben, vorzubereiten.“ Doch sie haben sich getäuscht. Vor allem viele Bands waren schon ausgebucht. Über ein Internetportal sind sie doch noch fündig geworden. Mittlerweile haben sie auch Kleid und Anzug gekauft, den Fotografen gebucht, die Ringe bestellt, Essen und Weine ausgesucht. „Seit zwei Monaten ist es richtig stressig“, sagt Verena Unfried. Das liegt auch daran, weil das Paar nicht nur Brautpaar ist, sondern im vergangenen Fasching zudem Prinzenpaar war. Da wird die Zeit einfach knapp.

Die perfektionistische Braut oder Brautzilla

Zum Beispiel bei den Formalitäten. Dieter Schwab ist in Siebenbürgen im heutigen Rumänien geboren, und das Standesamt bestand auf einer aktuellen beglaubigten Abschrift aus dem Geburtenregister. Die kann man aber nur auf Rumänisch und persönlich oder mit Vollmacht in Hermannstadt beantragen. Das hat den Zeitplan durcheinandergebracht. Nach vielen Telefonaten und Mails haben sie es geschafft. Der Hochzeit steht nichts mehr im Weg. Und trotz solcher kleiner Probleme sind die beiden ziemlich entspannt. Es kann auch anders laufen. Mittlerweile gibt es schon einen eigenen Begriff für die perfektionistische Braut, die es mit der Vorbereitung übertreibt und unausstehlich wird: Brautzilla, in Anlehnung an das Filmmonster Godzilla. Es muss eben alles perfekt sein an diesem Tag.

Christian Öxler ist Leiter der Ehe- und Familienseelsorge im Bistum Augsburg und trifft auf Ehevorbereitungsseminaren und Hochzeitsmessen dutzende Brautpaare. „Bei vielen passt alles zusammen, von der Serviette bis zum Klopapier“, erzählt er. „Da könnte manchmal weniger mehr sein, sonst setzt man sich ja nur selber unter Druck.“ Doch den Brautpaaren werde überall das Gegenteil suggeriert. Am Kiosk gibt es ein Dutzend verschiedene Hochzeitsmagazine, im Internet hunderte Blogs und Shops und in den Städten Hochzeitsmessen im Wochentakt. Wer sich da kein Farbkonzept vom Designer erstellen lässt, kein Kinderprogramm mit Zauberer bietet, keine eigene Hochzeits-Homepage programmiert und keine Gastgeschenke selbst bastelt, kann fast schon Minderwertigkeitskomplexe bekommen. Wer wiederum allen Ratschlägen folgt – etwa dem, wann für die Braut der richtige Zeitpunkt ist, die Zähne zu bleichen –, ist auf dem besten Weg zur Brautzilla.

Zum „Monster“ ist Verena Unfried nicht geworden. Aber zusammenpassen soll auf ihrer Hochzeit schon alles. Auf dem Wohnzimmerschrank stehen dutzende Karten, Gastgeschenke und Namensschildchen von anderen Hochzeiten – ein guter Anhaltspunkt für die eigene Vorbereitung. Treffsicher nimmt die Versicherungsbetriebswirtin ein Stück nach dem anderen herunter, betrachtet sie und wägt Vor- und Nachteile ab. Die Holzscheiben mit Namen darauf findet sie zwar gut. „Aber brauchen kann man sie eigentlich nicht.“

Und um eine Einladungskarte als Haus zu falten, wie es eine Freundin getan hat, dafür sei sie zu unbegabt. Wie auch bei den anderen Entscheidungen waren sich die beiden Kissinger, die seit neun Jahren ein Paar sind, auch bei ihrer Mottofarbe schnell einig. Türkis soll es sein. Das passt zu den Strandfotos mit dem Lebkuchenherz auf der Einladungskarte. Darauf fordern sie ihre Gäste auf, bei dem Fest etwas Türkisfarbenes zu tragen.

Tischdeko, Brautstrauß, Gastgeschenke

Und nicht nur die Tischdeko und der Brautstrauß sollen zum Motto passen, sondern auch die Gastgeschenke. Deshalb steht nach mehreren Kartenbastelterminen nun noch ein Flaschenbefülltermin an. Aus Schnaps, Blue Curaçao und Kokosmilch mischen sie einen Cocktail in der Mottofarbe und füllen ihn vorsichtig in dutzende kleine Fläschchen, die sie natürlich noch passend beschriften. So bekommen die Gäste nicht nur das obligatorische Geschenk, sondern auch noch einen „Kurzen“ nach dem Essen. Und das Brautpaar spart sich ein bisschen Geld. „Eine einzige Schnapsrunde würde uns ja schon 500 Euro kosten“, sagt Verena Unfried. Nach einem Jahr Vorbereitung weiß sie: „Bei einer Hochzeit können ganz schnell die Kosten explodieren.“

Nach einer repräsentativen Studie der Creditplus Bank wäre die Hälfte der Bundesbürger bereit, bis zu 5000 Euro für eine Hochzeit auszugeben, weitere 29 Prozent bis zu 10 000 Euro. Wer eine Feier vorbereitet, wird allerdings schnell feststellen, dass er damit nicht weit kommt. Für Kleid, Anzug, Ringe, Restaurant, Musik, Fotograf, Deko und Flitterwochen verschwinden Hunderter- und Tausenderbeträge ganz schnell vom Konto. Dazu kommen: Make-up, Friseur, Schmuck, Schuhe, Hochzeitstorte, Brautstrauß, Auto, Druckerei, Standesamt, Kirche. Und viele Kleinigkeiten. Wie wäre es zum Beispiel mit einer personalisierten Tortenfigur für 275 Euro? Oder Stuhlhussen für fünf Euro Leihgebühr – pro Stück, versteht sich.

Offizielle Zahlen gibt es zwar nicht, aber immer wieder ist zu lesen, dass die durchschnittliche deutsche Hochzeit 13 000 Euro kostet. Das wird bei Verena Unfried und Dieter Schwab nicht reichen. Eine genaue Summe wollen sie aber nicht verraten, der genaue Betrag stünde ja sowieso erst hinterher fest.

Heiraten ist ein riesiger Markt. 2013 gab es in Deutschland 373 655 Eheschließungen. Jeder Dritte wäre nach der Creditplus-Umfrage bereit, für die Feier einen Kredit aufzunehmen. Für viele Unternehmer ist das Wörtchen „Braut“ ein guter Anlass, um gleich noch ein paar Euro draufzuschlagen, egal, ob beim Brautstrauß oder bei der Brautfrisur. Wer schaut beim Heiraten schon auf jeden Euro? Und so wird der schönste schnell auch der teuerste Tag im Leben.

Wenn Verena Unfried an das denkt, was sie für diesen Tag schon getan hat und was noch alles fehlt, dann sagt sie: „Es ist schon Wahnsinn, wie viel Geld und Arbeit in einem einzigen Tag stecken.“ In den verbleibenden Wochen müssen sie und ihr Verlobter noch mit dem Priester den Ablauf des Gottesdienstes besprechen, die Liederhefte drucken, den Trauspruch auswendig lernen, den Blumenschmuck aussuchen, noch mal mit dem Fotografen telefonieren und eine Hochzeitskerze besorgen. Verena Unfried hat nämlich erst beim Blick in eine Online-Checkliste gemerkt, dass die noch fehlt.

Und sie müssen noch die Sitzordnung austüfteln. Ein besonders heikles Thema. „Es ist so schwierig, das einzuteilen, ohne dass man es sich mit jemandem verscherzt“, sagt die Braut. Neulich hat sie damit angefangen, aber nach zwei Stunden aufgegeben. „Das musst du machen“, sagt sie und blickt ihren Zukünftigen an. „Dieter ist Controller, der macht bei uns die Listen.“ Nicht nur die für die Sitzordnung, sondern auch die für die Einladungen und die für die Ausgaben. Verena kümmert sich mit den Trauzeuginnen eher um Deko und Design.

Das passt zu dem, was Ehe-Experte Christian Öxler beobachtet hat: „Die Aufgaben sind meist typisch verteilt – obwohl wir in einer emanzipierten Welt leben.“ Viele Paare, sagt der Seelsorger, nähmen sich im Trubel der Vorbereitung zu wenig Zeit für die Zweisamkeit. Die werden Verena und Dieter spätestens haben, wenn sie beide Schwab heißen. Zwei Tage danach geht es in den Urlaub, nach Vietnam und Thailand. Ein Lebkuchenherz nehmen sie dieses Mal nicht mit.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren