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Aichach-Friedberg

19.04.2019

Ungarische Grauochsen für reiche Augsburger

Beeindruckend mit ihren langen Hörnern: ungarische Graurinder. Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit wurden Grauochsen jährlich zu Zehntausenden nach Süddeutschland getrieben.
Bild: Max Direktor (Archiv)

Ein Vortrag  gibt Aufschluss über ungeahnte Zusammenhänge: Warum der ungarische Viehbestand die Menschen im Raum Aichach und Friedberg beeinflusst hat.

Was haben Ungarische Ochsen mit Aichach-Friedberg und Augsburg zu tun? Eine ganze Menge, wie ein Vortrag von Dr. Anna-Maria Grillmaier aus Ried bei Mering klar machte. Sie sprach über ihre Doktorarbeit zum Thema „Fleisch für die Stadt – Ochsenimporte nach Augsburg im 15. und 16. Jahrhundert“ beim Heimatverein. Etwa 30 interessierte Besucher diskutierten am Ende lebhaft weiter.

Wie Dr. Anna-Maria Grillmaier erklärte, war der Fleischbedarf Mitte des 15. Jahrhunderts in der auf 40000 Einwohner angewachsenen Stadt Augsburg aus dem Umland nicht mehr zu decken. Bei einem Rindfleischkonsum von 50 Kilogramm im Jahr für die Bürger und die vielen im Textilgewerbe tätigen Handwerker benötigten die Metzger etwa 200 Ochsen in der Woche und im Jahr an die 10000 Ochsen bei einer Fleischausbeute von 100 Kilogramm. Die Bauern aus dem Umland hatten bis ins 19. Jahrhundert aber nur einen kleinen Viehbestand. Ihre Hauptaufgabe war die viel wichtigere Getreideproduktion auf dem verfügbaren Ackerland.

Tiere wurden wieder aufgefüttert

Eine der wenigen Gegenden für die Rindfleischproduktion in Mitteleuropa waren die Weiten der Ungarischen Tiefebene. Das ungarische Grauvieh brachte die doppelte Fleischmenge im Vergleich zu den heimischen Rassen. Sehr bald erkannten die ungarischen Großgrundbesitzer, aber auch die Bauern, ihre Chance für einen gewinnbringenden Absatzmarkt im Westen. Auf Triebwagen, meist entlang der großen Flüsse wegen der Tränkmöglichkeiten, wurden Herden zu je 100 bis 150 Tieren zusammengestellt und nach Venedig, Augsburg, Nürnberg oder Mitteldeutschland getrieben. Bis ins österreichische Linz mit dem größten Ochsenmarkt brachten die Ungarn die Herden. Dort übernahmen die Augsburger die Tiere und brachten sie vor die Tore der Stadt bei Hochzoll oder Lechhausen. Bezahlt wurden die Tiere zuerst durch Tausch mit Augsburger Textilwaren, später auf Wechselbasis durch Fernhändler, hinter denen Augsburger Patrizier wie die Rehlinger, Thaller oder Fugger standen. Nach einem Weg von 1000 Kilometern mussten die Tiere vor dem Verkauf in der Meringer Au oder unterhalb von Scherneck wieder aufgefüttert werden.

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Warum es heute noch Ochsenweg heißt

Die Referentin berichtete auch Einzelnes aus dem Heimatraum. So war Altomünster eine für den Ochsentrieb wichtige Zollstelle des bayerischen Landesherrn. Eine langwierige Streiterei zwischen dem Wirt von Heretshausen, der vom Ochsentrieb profitierte, und den Bauern von Ziegelbach, die den Durchtrieb unterbinden wollten, sowie Flurnamen wie Ochsenweg, Ochsenstraße, Ochsenkreuzweg oder Ochsenfeld machten den Sachverhalt interessant. Der Ochsenhandel, der im 16. Jahrhundert seine Hochblüte erreichte, ging bis 1800 rapide zurück. Gründe dafür waren die Türkenkriege und die Besetzung Ungarns durch die Türken, die Abnahme der Kaufkraft der Augsburger und die Erhöhung der Zollgebühren durch den Landesherrn, der im Sinne des Merkantilismus Warenimporte negativ bewertete.

Abschließend wies der Vorsitzende des Heimatvereins, Wolfgang Brandner, auf die kommenden Veranstaltungen hin:

  • Am Dienstag, 21. Mai, hält Josef Huber über „Wissenswertes vom Mond“ einen Vortrag.
  • Am Mittwoch, 8. Juni, findet eine Exkursion im südlichen Landkreis Aichach-Friedberg zum Thema „Barock und Rokoko“ mit Dr. Hubert Raab statt.
  • Am Samstag, 13. Juli, ist eine Tagesfahrt nach Schleißheim, Erding und Maria Thalkirchen geplant. (AN)
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