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Archäologie

28.11.2013

Ungarnschlacht: Sensationsfund im Lechfeld bei Bach

Das Ulrichsmarterl steht im Todtenweiser Ortsteil Sand.
Bild: Uli Wagner

Eine Entdeckung sorgte gestern in Todtenweis für völlige Überraschung

Todtenweis „Einfach unglaublich.“ Josef Kodmeir schwankt zwischen völliger Überraschung, totaler Begeisterung und dem Gefühl der Bestätigung. Der Todtenweiser Altbürgermeister war gestern Abend nach der Nachricht über den Sensationsfund eines reich verzierten ungarischen Pferdegeschirrs beim kleinen Ortsteil Bach an der Landkreisgrenze „völlig platt“. In der Lechraingemeinde wisse niemand was über die Entdeckung eines Heimatkundlers, der bereits im Sommer 2011 Schnallen und großformatige silberne und teilweise vergoldete Anhänger entdeckt hat, sagt Kodmeir. Besonders er und Ortsarchivar Franz Riß pochen seit Jahrzehnten darauf, dass die berühmte Ungarnschlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955 bei Todtenweis stattfand.

Ob das erste archäologische Fundstück zum Meilenstein der Deutschen Geschichte diese These bestätigt, wird erst am Mittwoch nächster Woche klarer, wenn der bedeutsame Fund in der Archäologischen Staatssammlung in München der Öffentlichkeit präsentiert wird. Das Landesamt für den Denkmalpflege spricht von einer „ungewöhnlichen Fundlage“, die im Sommer 2012 untersucht wurde. Auch um zu verhindern, dass sich illegale Schatzsucher auf den Weg ins Lechfeld machen, dürften die Archäologen der Staatssammlung die Entdeckung zweieinhalb Jahre geheim gehalten haben.

Kodmeir verfolgt seit Jahren die Meinungen von Historikern über mögliche Schauplätze der Ungarnschlacht und fragt sich wie Riß immer, warum nie jemand auf ein Baudenkmal in Todtenweis eingeht. Dort gibt es nämlich ein Ulrichsmarterl – aus welcher Zeit steht nicht fest. Das Marterl stand ursprünglich auf einer Anhöhe westlich von Todtenweis an der Lechleite, mit einer freien Sicht bis weit hinaus auf das Lechfeld. Von dieser Stelle aus soll nach der Überlieferung Bischof Ulrich die siegreichen Heere von König Otto gesegnet haben. Laut Kodmeir hat keine andere Kommune so ein sichtbares Zeichen über einen Ort dieser Schlacht vorzuweisen. Die Stadt Königsbrunn, die sich seit Jahrzehnten eng mit der Lechfeldschlacht verknüpft hat, ernannte beispielsweise erst 1858 den heiligen Ulrich zum Kirchenpatron. In Todtenweis ist der heilige Ulrich seit 1033 Kirchenpatron.

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Die „Ungarnfliehburg“ hat einen sechs Meter hohen Wall

Die als Bodendenkmäler erhaltenen Befestigungsanlagen des Ortes auf der Lechleite stammen aus der ersten Hälfte des zehnten Jahrhunderts. Sie sollten Schutz vor den fast jährlichen Plünderungszügen der Ungarn bieten. König Heinrich I. erließ als Gegenmittel die „Burgenverordnung“. Aus dieser Zeit datiert der Hauptteil der Anlage bei Todtenweis. Mehrere Befestigungswälle riegelten den dortigen Siedlungsplatz gegen Angreifer ab; das Herzstück der „Ungarnfliehburg“ ist ein gewaltiger Wall, der rund sechs Meter hoch aufragt. Zur Zeit der Ungarnstürme war der Wall wohl noch von einer begehbaren Holzbefestigung gekrönt und rund acht Meter hoch.

Über die Ungarnschlacht gibt es Sagen und Berichte. Ein Mönch verortet die Aufreibung der fliehenden Ungarn „bei Thierhaupten“, erzählte Kreisheimatpfleger Hubert Raab bei einer Führung. Nur sieben Ungarn sollen in ihre Heimat zurückgekehrt sein – von 100 000. Ob der Ortsname Todtenweis ein Hinweis für viele Opfer einer großen Schlacht sein könnte, ist eine andere Theorie. "Seite 1 und Bayern

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