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Senden

23.05.2019

Ungewöhnliche Polizeikontrolle: Zitronen für Temposünder

Bei der Polizeiaktion „Süßes oder Saures“ in Senden verteilten 18 Schüler der Werner-Zeiiegler-Mittelschule Zitronen an Temposünder.
Bild: Christoph Lotter

Schüler der Werner-Ziegler-Mittelschule schlüpfen in Senden in die Rolle von Verkehrspolizisten und verteilen saure Überraschungen.

Auf Temposünder hat am Donnerstagvormittag in Senden eine saure Überraschung gewartet. Nicht wie üblich Polizeibeamte, sondern 18 Schüler der Werner-Ziegler-Mittelschule belehren Fahrer mit Bleifuß. Für alle, die zu schnell waren, gibt es eine Zitrone. Wer sich hingegen an das vorgegebene Limit hält, wird von den Kindern mit einer Schokolade belohnt.

In die Rolle eines Verkehrspolizisten schlüpfen – eine aufregende Angelegenheit, findet Tailan. Der Zwölfjährige wolle später tatsächlich einmal Polizist werden, sagt er: „Das ist jetzt so etwas wie eine kleine Kostprobe. Ich bin schon aufgeregt, das erfordert viel Mut.“ Die Frau, an die er nach einer kurzen Belehrung eine Zitrone aushändigt, war mit Tempo 62 auf der Straße vor der Schule unterwegs, erlaubt sind dort lediglich 40 Kilometer pro Stunde. Deshalb muss die Frau nun auch 35 Euro Verwarnungsgeld zahlen.

Bei Weitem nicht alle halten sich an das Tempolimit

Ein wachsames Auge auf die Aktion „Süßes oder Saures“ hat derweil Simone Heger. Die Jugendverkehrserzieherin der Sendener Polizei unterstützt die Sechstklässler in der ungewohnten Rolle als Verkehrspolizisten. Die Schüler und Autofahrer sollen durch die Aktion für das Geschwindigkeitslimit sensibilisiert werden, sagt Heger. Denn dass sich daran bei Weitem nicht alle halten, beweist die Aktion deutlich. Knapp die Hälfte der mehr als ein Dutzend herausgewunkenen Autofahrer war zu schnell unterwegs. Meist nur wenige Kilometer pro Stunde, aber das spiele keine Rolle, betont Schüler Tailan. Er hoffe, dass die Leute in Zukunft vorsichtiger fahren werden: „Aber ich habe ein gutes Gefühl. Und Spaß gemacht hat es auch, es war sehr spannend.“ Das sehen übrigens auch die beiden Klassensprecherinnen Christina und Esra so, die Schokolade austeilen.

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Die Aktion kommt auch bei den Autofahrern gut an. Eine Frau kommentiert den Erhalt einer Zitrone so: „Das ist eine tolle Aktion. Es ist eine nette Geschichte, die beiden Seiten etwas bringt. Ich werde nicht mehr zu schnell fahren.“ Die Lehrerin der sechsten Klasse, Gabi Krettenauer, ist am Morgen hingegen noch skeptisch: „Ich finde die Aktion nicht gut, habe sogar gegen sie gewettert“, sagt sie, noch bevor die erste Zitrone verteilt ist. Eine Verkehrsschulung für die Schüler wäre sinnvoller gewesen, lautet ihre Begründung: „Die Schüler müssen erst selbst belehrt werden, sie geben keine Rücksicht aufeinander.“ Hinzu komme, dass Jugendliche aus zehn verschiedenen Nationen die Klasse 6B der Sendener Mittelschule besuchen, berichtet die Lehrerin: „Die Sprache ist ein echtes Problem.“

Umso erstaunter ist Krettenauer im Anschluss an die Aktion der Polizei: „Ich bin sehr zufrieden. Die Schüler waren anfangs noch alle sehr schüchtern, haben kaum gesprochen. Aber jetzt sprudelt es nur so aus ihnen heraus.“

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