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Pöttmes

28.03.2018

Verein setzt sich für blinde Kinder ein

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Der Pöttmeser Verein „Projekt Blinden Vision“ betreibt seit vielen Jahren ein kleines Betreuungs-und Förderzentrum für Kinder mit Behinderungen. Im rumänischen Alba Julia werden bis zu 15 Kinder unterschiedlichen Alters von Fachkräften und Ehrenamtlichen umsorgt.
Bild: Silvia Eckart-Wagner

Der Verein „Projekt Blinden Vision“ mit Sitz in Pöttmes engagiert sich seit fast zehn Jahren für behinderte Kinder in Rumänien. Den Anstoß dafür gaben persönliche Kontakte.

2019 feiert der Pöttmeser Verein „Projekt Blinden Vision“ sein zehnjähriges Bestehen. Das ist eine kurze Zeitspanne angesichts der erfolgreich geleisteten Arbeit einer kleinen Gruppe ehrenamtlich engagierter Helfer. Im rumänischen Alba Julia, der Kreishauptstadt der Region Alba in Siebenbürgen, ist dank ihrer Initiative ein kleines Zentrum für unterschiedlich behinderte Kinder entstanden. Die Idee dazu geht auf Silvia und Bernd Wagner aus Pöttmes zurück.

Anlässlich eines Besuchs bei ihren rumänischen Freunden Maria und Nico Bolea im Sommer 2009, erfuhren die Wagners vom tragischen Schicksal des blinden Geschwisterpaars Christiane und Christian. Die kleinen Zwillinge lebten zu dem Zeitpunkt völlig verwahrlost in einem rumänischen Kinderheim. Das Ehepaar Bolea nahm die beiden bei sich auf, adoptierte die Kinder und seitdem gehören die beiden Teenager zur Familie. Silvia und Bernd Wagner kannten das rumänische Ehepaar, das eine Zeit lang in Pöttmes gewohnt und gearbeitet hatte.

Spontan fassten sie den Plan, vor Ort ein eigenes Betreuungs-und Förderzentrum für behinderte Kinder zu bauen. Aus dem An- und Umbau eines Gebäudeteils der Familie Bolea entstand im Lauf der Jahre ein eigener Komplex mit mehreren Räumen, in denen bis zu 15 Kinder in der Tagespflege betreut und umsorgt werden.

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So erlebt Bernhard Wagner die Kinder

Bernd Wagner, der regelmäßig nach Alba Julia fährt, sagt: „Die Kinder haben alle eine mehrfache Behinderung. Die meisten sind blind oder haben autistische Störungen.“ Die Nachfrage ist groß, zumal das Zentrum das einzige in der näheren und weiteren Umgebung ist. „Wir beschäftigen sieben Vollzeitkräfte, die auch von uns bezahlt werden“, bestätigt Wagner. Zum Team gehören Sozialpädagoginnen mit logopädischer und kinesitherapautischer (bewegungstherapeutischer) Qualifikation, zwei Psychologinnen, eine Musiktherapeutin und Projektleiterin Maria Bolea. Dank der Hilfe von Freiwilligen und Teilzeitkräften können die Kinder ganztägig oder zeit- und stundenweise betreut werden.

Zum Komplex gehören im Außenbereich ein kleiner Tierpark, ein Spielplatz und ein eigener Garten. Großer Wert wird auf die gesunde Ernährung gelegt. „Unser Ziel ist es, die Kinder in einer sicheren Umgebung aufwachsen zu lassen und sie in jeder Beziehung zu fördern und zu stärken“. So weit es geht, helfen die Kinder bei den anfallenden Arbeiten mit. Die Musikgruppe hat kleine Auftritte in Altersheimen, gelegentlich sind Besucher zu Gast. Angedacht ist ein eigener Werkraum, in dem den Jugendlichen das Weben oder Filzen beigebracht wird. Momentan laufen die Vorbereitungen für den Ausbau einer neuen Küche. Ein baulich und organisatorisch anspruchsvolles Projekt, das mit geschätzten 20000 Euro auch eine finanzielle Herausforderung für den gerade mal 50 Mitglieder zählenden Verein ist. Entsprechend groß war die Freude, als er Ende 2817 von der Aktion „Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks mit 19000 Euro bedacht wurde. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Bernd Wagner. „Unsere jährlichen Kosten, inklusive der Gehälter, belaufen sich auf circa 30000 Euro. Das finanzieren wir über die Mitgliederbeiträge und über Spenden.“ Unbezahlbar ist das ehrenamtliche Engagement vieler Helfer vor Ort, ohne die ein Projekt in dieser Vielfalt nicht hätte realisiert werden können. Von Pöttmes aus starten regelmäßig Konvois mit Kleidern und Gebrauchsgegenständen Richtung Alba Julia. Behinderte Kinder haben in der rumänischen Gesellschaft keine Lobby und werden nicht gefördert. „Vom rumänischen Staat bekommen wir keine finanzielle Unterstützung. Dafür sind die behördlichen Vorgaben und gesetzlichen Auflagen sehr hoch. Zusagen werden nicht eingehalten. Das ist alles sehr kräfteraubend“, so Wagner.

Nähere Informationen gibt es unter www.blindenvision.de, per E-Mail an kontakt@blindenvision. de oder bei Bernd Wagner, Gumppenberg 4 in 86554 Pöttmes, Telefon 08253/7000. Wer helfen will: Es gibt ein Spendenkonto: Projekt Blinden Vision., IBAN: DE 24 7205 1210 0006 0544 72.

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