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21.09.2008

Verhinderter CSU-Kronprinz, eine Kajakfahrerin, ein linker Ex-Grüner und dazu drei Rentner

Aichach-Friedberg Wer in den Bayerischen Landtag will und nicht für die CSU kandidiert, musste sich bei den vergangenen Wahlen nahezu im ganzen Freistaat auf der Liste vorarbeiten. In Schwaben gingen 2003 alle dreizehn möglichen Direktmandate (über die Erststimme) an die Christsozialen. Die Abgeordneten der Opposition (SPD und Grüne), beispielsweise die Sozialdemokratin Dr. Simone Strohmayr, zogen ausnahmslos über ihre Listen in den Landtag ein. Bei der Wahl am 28. September bewerben sich allein dreizehn Kandidaten aus dem Landkreis nicht als Direktkandidat sondern nur auf den Wahlkreis-Listen ihrer Parteien in Schwaben.

Generell gilt bei Landtags- und Bezirkstagswahlen: Alle Kandidaten, die in Schwaben antreten, können von allen wahlberechtigten Bürgern auch gewählt werden. Entweder die Bewerber sind Direktkandidaten, dann können sie nur mit der Erststimme im eigenen Stimmkreis (hier Aichach-Friedberg) angekreuzt werden. In allen anderen zwölf Stimmkreisen im Regierungsbezirk sind diese Kandidaten dann aber mit der Zweitstimme auf der Liste wählbar. Wer nur auf der Liste kandidiert, ist in allen dreizehn Stimmkreisen in ganz Schwaben mit der Zweitstimme wählbar. Wir stellen ihnen Kandidaten aus dem Landkreis, die ausschließlich auf ihrer Parteiliste und nicht als Direktkandidat antreten, in einer Sammelgeschichte vor:

Dauerläufer beackert Wittelsbacher Land

Peter Tomaschko (CSU) Wenn es den Titel "Fleißigster Wahlkämpfer im Wittelsbacher Land" gäbe, dann hätte ihn Peter Tomaschko sicher. Der Fraktionschef der CSU im Kreistag (seit 2006) beackert seit dem Sommer den Landkreis nahezu täglich mit Wahlveranstaltungen von Pöttmes bis Steindorf - neben der Arbeit. Der verheiratete Diplom-Verwaltungswirt (34) ist für den Kommunalen Prüfungsverband tätig und hat Termine in Landratsämtern in ganz Bayern. "Ich kämpfe um jede Stimme", sagt der Merchinger - dort ist er Zweiter Bürgermeister. Für einen Christsozialen kein neuer Slogan, doch er hat dazu eine schwierige Ausgangslage auf seinem Listenplatz. Dabei galt der vom CSU-Kreisvorsitzenden Christian Knauer geförderte "Kronprinz" eigentlich als gesetzt für die Direktkandidatur. Doch es kam in Dasing bekanntlich anders: Der Abgeordnete Reinhard Pachner trat - entgegen früherer Ankündigungen (und Abmachungen) - wieder an und wurde von den CSU-Delegierten im Kreis mit 96:89-Stimmen nominiert. Tomaschko musste ins zweite Glied zurück, der begeisterte Läufer will aber nicht aufgeben. Seine Themen: Natürlich die Bildung - und die Investitionen im Landkreis für Schulen (rund 30 Millionen Euro) in den vergangenen Jahren. Ohne den Freistaat wäre das nicht möglich gewesen. Es gelte die Hauptschulen im Kreis (wie in Sielenbach) abzusichern, zu stärken und wo möglich mit M-Zügen aufzuwerten. Auch den Krankenhausausbau in Aichach und Friedberg habe der Freistaat finanziert, erinnert Tomaschko. Listenplatz: 111.

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Walter Jöckel (SPD) Mit Walter Jöckel will ein eingefleischter Gewerkschafter in den Landtag, aber vor allem nach einem halben Jahrhundert ein Ende der absoluten CSU-Mehrheit in Bayern sehen. Der verheiratete Schriftsetzer (46) aus Aichach ist seit rund 20 Jahren im Betriebsrat (derzeit stellvertretender Vorsitzender) seiner Firma, Fachbereichsvorsitzender bei Verdi, Stadtrat (seit 2002) und dazu Ortsvorsitzender der SPD. Auch er nennt die Bildung als wichtigstes Zukunftsthema für den Landtag. Unterm Strich: "Wir brauchen mehr Geld für die Bildung" - kleinere Klassen, mehr Lehrer, mehr Förderung. Als Gewerkschafter liege ihm aber der Kampf gegen Lohndumping ebenso am Herzen: "Mindestlohn jetzt." Listenplatz: 218.

Dr. Sabine Bard-Kröniger (Grüne) Sie ist sozusagen das grüne Urgestein in Aichach und als Stadträtin (seit 1990) die einzige Mandatsträgerin der Umweltpartei im ganzen nördlichen Landkreis Aichach-Friedberg. Von 1996 bis 2008 war die 61-Jährige auch im Kreistag. Die Tiermedizinerin zog vor 25 Jahren mit der ersten Grünen-Generation (Petra Kelly, Joschka Fischer) in den Bundestag in Bonn ein und blieb zwei Jahre im Parlament (Rotation). Bei der Umweltpolitik habe die Konkurrenz zumindest "verbale Fortschritte" gemacht: Grüne Thesen, zwanzig Jahre alt, seien jetzt Allgemeingut. Bei der Bildungspolitik sieht sie dagegen auch aus Erfahrung als Stadträtin eine große "Baustelle", Kompetenzgerangel und Geldmangel. Es fehle an Ganztagsschulen und Umsetzung der Mittagsbetreuung. Listenplatz: 319.

Claudia Bär (Freie Wähler) Im Wasser ist Claudia Bär seit 20 Jahren in ihrem Element - dabei ist sie heute auch erst 28. Auf dem glatten politischen Parkett hat sie zwar deutlich weniger Erfahrung, aber dafür erbliche Vorbelastung. Die Kajakfahrerin (Schwaben Augsburg) ist Spitzensportlerin, mehrfache Deutsche Meisterin und Mannschafts-Europameisterin. Die Politikstudentin aus Kissing ist in der Kommunalpolitik engagiert und leitet den Ortsverband der Freien Wähler. Ihr Vater, der langjährige Gemeinderat Helmut Bär, habe sie dazu gebracht. Schule, aber vor allem Sport ist auch ihr politischer Schwerpunkt als Landtagskandidatin. Aus eigener Erfahrung wisse sie, welch positiven Einfluss Sport auf Jugendliche habe. Besonders der Sportunterricht an den Schulen müsse ausgeweitet und besser organisiert werden. Claudia Bär fordert auch eine generell bessere Förderung von Vereinen und Talenten. Listenplatz: 418.

Dr. Manfred Uhl (FDP) Beruflich hat Dr. Manfred Uhl mit Kommunikation und Versorgungstechnik zu tun - eine interessante Kombination für einen Politiker. Seit sieben Jahren ist der Friedberger FDP-Mitglied und seit heuer Kreisvorsitzender. Der 41-jährige Familienvater (verheiratet, drei Kinder) hat Politik- und Kommunikationswissenschaften studiert, war einige Jahre in der Wissenschaft und ist jetzt Marketingleiter bei den Stadtwerken in Augsburg. Zudem hat er einen Lehrauftrag für Unternehmenskommunikation an der Augsburger Fachhochschule. Er formuliert seine politischen Ziele vor allem in der Bildungspolitik und den Bürgerrechten. In den bayerischen Schulen bleibe die Chancengerechtigkeit immer mehr auf der Strecke, so Uhl. Der Geldbeutel der Eltern entscheide über die Ausbildung der Kinder. Es hapere auch bei Lehrerausbildung und Lehrerplanung - also deren Einsatz an den Schulen. In der Region könnte dem Hauptschulsterben mit Kooperationen entgegengesteuert werden. Eine freiheitliche Partei wie die FDP werde sich im Landtag auch der weiteren Aushöhlung der Bürgerrechte widersetzen, sagt Uhl: "Da muss wieder jemand Stopp sagen und klar Flagge zeigen." Listenplatz: 506.

Republikaner Die vier Listenkandidaten der Republikaner haben sich seit Jahren bei verschiedenen Wahlen um Mandate beworben und stammen aus Kissing und Affing. Der Beamte Paul Stegmair (Affing) tritt an auf Listenplatz 614. Josef Stegmair, Heizungsbauer und ebenfalls aus Affing, steht auf Listenplatz 615. Der Dreher Robert Lieb (Listenplatz 617) und Schreiner Stephan Gärtner (Listenplatz 626) kommen beide aus Kissing.

Hubert Nießner (ÖDP) Als Physik-Ingenieur interessiert sich Hubert Nießner besonders für nachhaltige und umweltverträgliche Energieversorgung. Der 31-Jährige aus Paar (Stadt Friedberg) beschäftigt sich auch beruflich mit Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (Blockheizkraftwerke). Windenergie sei grundsätzlich positiv, im Fall Bachern müssten zuvor aber Auswirkungen (Schatten, Lärm) auf die Anwohner geprüft werden, sagt Nießner. Er lehnt Atomenergie ab, will sich gegen die schleichende Einführung der grünen Gentechnik einsetzen und fordert als frisch gebackener Vater (Tochter seit August) Wahlfreiheit für die Familien. Die ÖDP verzichte auf Spenden aus der Industrie, betont der Schatzmeister des Kreisverbands. Hobbys? Eine kleine Schafzucht. Listenplatz: 717

Ökologie als Überlebensfrage und Ärger über Roman Herzog

August Müllegger (Linke) Er war das Urgestein der Grünen in Friedberg (seit 1984 im Stadtrat). Jetzt geht der streitbare August Müllegger (62) für die Linkspartei ins Rennen. Parteimitglied ist er erst seit einem halben Jahr. Den Grünen kehrte er 2003 den Rücken, weil sich ökologische Politik mit Marktwirtschaft nicht vereinbaren lasse und die Grünen die Ungleichheit in der Gesellschaft akzeptieren würden. Gegen seine Ex-Parteikolleginnen in Friedberg ging Müllegger Ende 2007 noch vor den Zivilrichter - und unterlag. Der Realschullehrer (unter anderem Sozialkunde) war im Oktober 2006 als Nachrücker für seine Tochter Katrin Müllegger-Steiger (die Kreisrätin tritt für die Grünen bei der Bezirkstagswahl an) als Parteiloser (aber Linkspartei-Unterstützer) in den Stadtrat nachgerückt, obwohl er 2002 für die Grünen antrat. Sein Schwerpunkt sei weiter die Ökologie, sagt Müllegger: "Die wichtigste Zukunftsfrage überhaupt." Die Diskussion in seiner Heimatstadt um den geplanten Windpark bei Bachern sei deshalb "aberwitzig - die müssen gebaut werden". Listenplatz: 925.

Rentnerpartei Der im Juni neu gegründete Kreisverband der Rentnerpartei schickt drei Kandidaten aus dem Wittelsbacher Land ins Rennen. Gemeinsamkeit: alle sind Rentner. Joachim Preuß steht auf Listenplatz 1112. Der Friedberger (66) war früher selbstständiger Versicherungskaufmann. Ihn hat die Rentnerschelte von Ex-Bundespräsident Roman Herzog und von Studentenvertretern zur Politik und zur Rentnerpartei gebracht: "Wir haben dieses Land über 40 Jahre lang aufgebaut." Der Meringer Herbert Stiebling kandidiert auf Listenplatz 1118 und der Friedberger Peter Eckert auf Listenplatz 1123.

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Am Sonntag, 28. September, ist Landtags- und Bezirkstagswahl. Wir stellen Direkt- und Listenkandidaten für und aus dem Stimmkreis Aichach-Friedberg vor.

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