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Prozess

17.04.2018

Versicherungsbetrug nach Auffahrunfall bei Aichach

Ein 28-Jähriger musste sich wegen versuchten Betrugs vor dem Amtsgericht Aichach verantworten.
Bild: Christian Kirstges

Nach einem Auffahrunfall in Oberbernbach forderte ein 28-Jähriger Schadenersatz. Nach Auffassung des Amtsgerichts Aichach verlangte er mehr, als ihm zustand.

Ein kleiner Auffahrunfall im Aichacher Stadtteil Oberbernbach hat einem 28-Jährigen eine achtmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen versuchten Betrugs eingebracht. Nach Überzeugung von Richter Walter Hell hatte er versucht, sich bereits vor dem Unfall vorhandene Schäden an seinem Auto von der Versicherung erstatten zu lassen.

Der Unfall, um den es am Montag am zweiten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht Aichach ging, ist fast drei Jahre her. Darin waren der angeklagte Autofahrer und ein Motorradfahrer verwickelt. Anfang Juni 2015 fuhr der 28-Jährige mit seinem BMW durch Oberbernbach, blinkte laut seiner Aussage, weil er links abbiegen wollte, stoppte und hörte einen Knall. Seiner Schilderung vor Gericht zufolge prallte ein Motorradfahrer mit seiner Honda hinten in seinen Wagen und stürzte. Der angeklagte Autofahrer sagte vor Gericht aus, der Motorradfahrer habe darauf gepocht, die Versicherung aus dem Spiel zu lassen. Auch die Polizei rief der 28-Jährige nicht.

Tatsächlicher Schaden war laut Staatsanwalt nicht mal halb so hoch

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Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, rund 2500 Euro Schadenersatz von der Versicherung gefordert zu haben, obwohl der tatsächliche Schaden knapp 1000 Euro betragen haben soll. Er habe dem Gutachter verschwiegen, dass das Auto bereits einige kleinere Schäden hatte.

Aus Sicht des heute 67-jährigen Motorradfahrers war überhaupt kein Schaden entstanden. Er sagte am ersten Prozesstag vor Gericht aus, dass der Angeklagte „unvermittelt in die Bremse gestiegen“ sei. Das habe ihn gezwungen, nach rechts auszuweichen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Weil er sein Motorrad danach nicht mehr stabilisieren konnte, sei er gestürzt. Er sei allenfalls mit dem Hosenbein an der Stoßstange des Autos entlanggewischt. Einen richtigen Kontakt zwischen Motorrad und Auto habe es nicht gegeben.

Eine Schilderung, die ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger aus Augsburg am Montag als nachvollziehbar bezeichnete. Er war im Zivilprozess zwischen den beiden Männern vom Amtsgericht Aichach beauftragt worden und hatte sowohl das Auto als auch das Motorrad untersucht. Eine Streifspur am Auto und die verdrückte Stoßstange ließen sich ihm zufolge durch die kurze Berührung erklären. Ganz im Gegensatz etwa zu einer defekten Rückleuchte und weiteren angeblichen Unfallschäden, die ein zweites Gutachten auflistete.

Angeklagter: „Ich hatte keine betrügerische Intention“

Auch dessen Verfasser sagte am Montag aus. Er hatte das Motorrad nie gesehen. Auf Nachfragen stellte sich heraus, dass sein Gutachten mehrere Fehler enthielt, die er auf Eingabefehler am Computer zurückführte. Der angeklagte Autofahrer hatte dieses Gutachten unterzeichnet – laut eigener Aussage hatte er es zuvor nicht durchgelesen. Der Autofahrer sagte vor Gericht: „Ich hatte keine betrügerische Intention. Das kann ich reinen Gewissens sagen.“ Er habe dem zweiten Gutachter von den Vorschäden seines Autos erzählt. Dieser habe sie fälschlicherweise nicht aufgenommen. Das Gericht hielt das nicht für glaubhaft – zumal der Angeklagte bereits wegen Betrugs vorbestraft ist.

Da half es auch nicht mehr, dass Verteidigerin Carina Grübl Freispruch forderte, weil sie die Schuld ihres Mandanten für nicht erwiesen hielt. Staatsanwalt Martin Neumann sah das anders: Der Angeklagte habe dem Gutachter Falschinformationen mitgeteilt. So habe er versucht, in betrügerischer Weise 1600 Euro mehr zu bekommen.

Für den Richter ist der Fall klar

Während aus Sicht des Angeklagten Gutachten gegen Gutachten stand, war für den Richter der Fall klar: Laut Motorradfahrer habe es keinen Aufprall gegeben, dazu passe das Schadensbild. Zum Angeklagten sagte Hell: „Ihnen kam der Unfall gelegen.“ Der 28-Jährige habe hartnäckig auf seiner Position beharrt und auch in der Verhandlung nicht eingelenkt. Er darf sich drei Jahre nichts zuschulden kommen lassen, sonst muss er seine Strafe im Gefängnis verbüßen. Außerdem muss er 120 Stunden Hilfsdienste leisten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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