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Schauspiel

21.11.2017

Volkstheater hat zwei große Sorgen

Bei der Generalprobe: Siegfried (Mitte) wird von Hagen von Tronje gemeuchelt – links König Gunther.
Bild: Erich Echter

Kurz vor der Premiere der „Nibelungen“ bricht die Hauptdarstellerin des Aichacher Vereins zusammen. Alle Vorführungen werden abgesagt. Das hat finanzielle Konsequenzen.

Der Drachentöter Siegfried sollte am Samstagabend eigentlich die Königstochter Kriemhild auf der Bühne der TSV-Turnhalle heiraten. Doch die Premiere von „Die Nibelungen“ musste das Aichacher Volkstheater kurzfristig absagen. Das Bühnenbild war aufgebaut, die Programmhefte waren gedruckt und die Karten verkauft. Doch als die Schauspieler sich schminkten, brach die Darstellerin der Kriemhild in der Maske zusammen.

Claudia Flassig ist die Spielleiterin und erzählt: „Es kam völlig unerwartet. Sie ist ja erst Mitte dreißig und eine Powerfrau.“ Als die Schauspielerin kollabierte, riefen ihre Theaterkollegen sofort den Notarzt. Die Frau wurde ins Aichacher Krankenhaus gebracht, anschließend verlegten die Ärzte sie ins Klinikum Augsburg. Bis Montagnachmittag war noch keine Diagnose bekannt.

Claudia Flassig sagt: „Wir waren komplett geschockt.“ Die Premierengeschenke waren gekauft, die Dankessträuße standen hinter der Bühne. „Überall saßen halb geschminkte Schauspieler, die enttäuscht und den Tränen nah waren. Und Angst um ihre Kollegin hatten.“ Kurz nach dem Zusammenbruch der Frau war Claudia Flassig klar, dass die Premiere nicht stattfinden konnte. Die Schauspieler sagten den Premierengästen, von denen sie eine Telefonnummer hatten, mit einem Anruf ab. Den restlichen Theaterbesuchern gaben sie an der Abendkasse Bescheid. „Es haben alle wirklich lieb und verständnisvoll reagiert“, erzählt sie.

Zwischenzeitlich war die junge Frau wieder im Krankenhaus Aichach. Doch am Sonntag kam sie zum zweiten Mal ins Klinikum Augsburg. „Da war uns klar, dass wir alle Vorstellungen absagen und aufs nächste Jahr verschieben müssen“, sagt die Spielleiterin. „Unsere Darstellerin war so motiviert. Doch ihre Gesundheit geht vor. Wir wollen damit den Druck von ihr nehmen.“ Die Darsteller sind Laienschauspieler und arbeiten bei den Produktionen ohne Zweitbesetzungen. „Außerdem stehen wir uns als Team nahe. Die Rolle neu zu besetzen, das hätten wir ihr nicht antun können“, so Claudia Flassig.

Das Aichacher Volkstheater steht jetzt vor einem finanziellen Engpass. Der Verein muss ohne die Einnahmen der Vorstellungen eine fünfstellige Summe abzahlen. Claudia Flassig zählt die Kosten auf: „Wir zahlen alle Tickets aus. Und dann stehen die Rechnungen für Werbung, Bühnenbau, Kostümverleih und Requisiten aus.“ Es gibt aber bereits Angebote, dass nicht alle offenen Beträge sofort beglichen werden müssen. Regisseurin Dagmar Franz-Abbott verzichtet erst einmal auf ihre Gage. „Das Stück darf auf keinen Fall ganz ausfallen. Wenn wir die Kosten nicht mehr einspielen, wären keine weiteren Produktionen mehr möglich“, erklärt Claudia Flassig.

Eigentlich sollte die Premiere ein lustiger Abend werden. „Die Nibelungen“ wurde als Persiflage des mittelalterlichen Heldenepos von Thomas Birkmeir geschrieben. Birkmeir ist Intendant am Theater der Jugend in Wien, wuchs aber im Aichacher Stadtteil Untermauerbach auf und ging mit der Spielleiterin aufs Gymnasium. „Wir haben viel Witz in die Charaktere gesteckt und die Rollen der Frauen in den Vordergrund gestellt“, sagt Claudia Flassig. Sie hofft, dass das Aichacher Volkstheater spätestens in einem Jahr dann „Die Nibelungen“ aufführen wird. Mit der gesunden Schauspielerin als Kriemhild.

Kontakt Die Karten für „Die Nibelungen“ können am Samstag, 25. November, zwischen 17 und 18 Uhr in der TSV-Halle zurückgegeben werden. Wer an diesem Termin keine Zeit hat, wendet sich an Stefan Dauber unter der Telefonnummer 0178/3032907.

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