1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Vom Kloster mit Brauerei zum Schloss

Kühbach

25.06.2010

Vom Kloster mit Brauerei zum Schloss

Vom Kloster mit Brauerei zum Schloss
5 Bilder
Stich von Michael Wening, der Schloss Kühbach um 1700 zeigt. Der Südflügel (im Bild rechts) existiert nicht mehr Repro: 500 Jahre Marktrecht Kühbach

"Wir werden hier nie fertig", sagt Frederico von Beck-Peccoz, Seniorchef im Schloss und inzwischen vorwiegend zuständig für den Erhalt des historischen Gutshofes. Kein Wunder bei Schlossmauern, die mehrere hundert Jahre alt sind und so manche Geschichte erzählen können. Von Klaus F. Linscheid

Kühbach. "Wir werden hier nie fertig", sagt Frederico von Beck-Peccoz, Seniorchef im Schloss und inzwischen vorwiegend zuständig für den Erhalt des historischen Gutshofes. "Kaum ist man mit einer Maßnahme halbwegs fertig, kann man den nächsten Abschnitt in Angriff nehmen". Kein Wunder bei Schlossmauern, die mehrere hundert Jahre alt sind und so manche Geschichte erzählen können.

Urkundlich geht das ehemalige Benediktinerinnenkloster St. Magnus bereits auf das Jahr 1011 zurück. Damals bestätigt Kaiser Heinrich II., dass Graf Adalbero von Kühbach als Schirmvogt des Klosters eingesetzt wird und damit eine Schutzaufsicht innehat. Sie räumt ihm Einfluss auf die klösterliche Wirtschaftsführung, Gerichtsbarkeit und rechtliche Vertretung ein. Grund und Boden sind damals die wichtigsten Einnahmequellen. Im Spätmittelalter gehören bereits 70 Höfe und große landwirtschaftliche Flächen sowie Wälder zum Vermögen. Offensichtlich prosperiert der Betrieb so sehr, dass der Fuldaer Fürstabt Johann Bernhard Schenck im Jahr 1630 Nonnen aus Kühbach in sein neu gegründetes Benediktinerkloster Fulda holt.

Im Laufe von tausend Jahren wird Schloss Kühbach immer wieder Opfer von Kriegen und Bränden. Nicht nur die Bausubstanz ging dabei verloren, auch Archiv und Bibliothek gingen unter. Zuletzt verschwinden nach der Säkularisation 1803 wertvolle Kunstschätze auf nimmer Wiedersehen. Die heute noch erhaltene Bausubstanz geht auf die Zeit zwischen dem Ende des 17. und dem Beginn des 18. Jahrhunderts zurück. Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich auch das wieder aufgebaute Kreuzgewölbe der gotischen Klosteranlage. Es handelt sich dabei um Reste des früheren Kreuzganges.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Um 1820 wird der Südflügel zur heutigen Aichacher Straße abgerissen und durch eine Mauer mit einem schmiedeeisernen Gitter ersetzt. Herzog Maximilian in Bayern erwirbt das Gut 1839 zusammen mit Schloss Rapperzell und dem Wasserschloss in Unterwittelsbach einschließlich großer Ländereien in der Umgebung. Während er in Unterwittelsbach wohnt, nutzt er Schloss Kühbach für ausgiebige Feste. Die hauseigene Tradition des Bierbrauens passt gut in sein Konzept. 1841 lässt Max ein neues Brauhaus errichten und passt die Klosteranlage den neuen Bedürfnissen an. Auch der Park und der Schlosssaal tragen seine Handschrift. Nach gut 20 Jahren veräußert Max das Gut 1862. Die Vernichtung großer Teile der Wohn- und Wirtschaftsgebäude zwei Jahre zuvor mag hierfür der Grund gewesen sein.

Das war der Start einer nunmehr fast 150 Jahre währenden Brautradition des Kühbacher Bieres. Dieses genießt Mitte des 19. Jahrhunderts nämlich einen so guten Ruf, dass auch Joseph Anton von Beck-Peccoz, der das Schloss 1862 erwirbt, dieses einträgliche Geschäft fortführt. Er erkennt die Chance einer florierenden Regionalbrauerei. 1908 entsteht ein Neubau für die Brauerei gegenüber dem Schloss und weitere Gaststätten werden erworben. Den ersten großen Umbau nimmt Joseph Anton zwischen 1880 und 88 vor. Vermutlich aufgrund eines geplanten (und dann geplatzten) Treffens des Hauses Savoyen mit dem Haus Wittelsbach, bei dem es um eine vermeintliche Hochzeit geht, wird der große Festsaal renoviert.

Nach dem Krieg konfiszieren die Amerikaner das Schloss bis 1949 und nutzen es als Flüchtlingsunterkunft. Frederico von Beck-Peccoz kommt 1957 als elfjähriges Kind nach Kühbach. 1971 übernimmt er die Geschäfte von seinem Onkel, zieht selber aber erst zwanzig Jahre später ins Schloss.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20TSV_Weihnachtsfeier.tif

TSV Kühbach ehrt Mitglieder

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen