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Internationaler Frauentag

08.03.2018

Von Aichach nach Auschwitz

Mit Frauen in der Strafanstalt Aichach in der Zeit des Nationalsozialismus befasst sich das Frauenforum in einem Empfang. 

Historiker Franz Josef Merkl rückt eine bisher kaum beachtete Opfergruppe des NS-Regimes in den Blickpunkt: Frauen in der Strafanstalt.

 Mit zwei Veranstaltungen wird der Internationale Frauentag am kommenden Sonntag, 11. März, im Wittelsbacher Land begangen. Das Frauenforum befasst sich bei einem Empfang im Friedberger Rathaus mit dem Schicksal der Frauen in der Strafanstalt Aichach während des Nationalsozialismus. In Aichach wird bei einem Empfang der schwäbischen SPD-Landtagsabgeordneten eine überarbeitete Form der Bayernhymne vorgestellt: „Gott mit dir, du Land der Bayern, Heimaterde – Mutterland“.

Der internationale Frauentag findet seit dem Jahr 1911 weltweit am 8. März statt. Stand dabei zunächst das Wahlrecht für Frauen im Mittelpunkt, so geht es inzwischen um ganz unterschiedliche Aspekte des Kampfs für ihre Rechte – sei es Bildung, sexuelle Selbstbestimmung oder Gleichberechtigung am Arbeitsplatz. In einigen Ländern ist der internationale Frauentag sogar ein gesetzlicher Feiertag.

Obwohl sich heuer die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland zum 100. Mal jährt, befasst sich der Empfang des Frauenforums Aichach-Friedberg schwerpunktmäßig mit einem gänzlich anderen Thema. Die Frauen, die während der Dritten Reichs in Aichach einsaßen, gehörten zur Opfergruppe der „Asozialen und Kriminellen“. 362 sicherheitsverwahrte Frauen aus der Strafanstalt Aichach, deren Vergehen überwiegend wiederholte Diebstähle waren, wurden nach Auschwitz deportiert, wo die meisten nach kurzer Zeit starben. Das Frauenforum wurde vor eineinhalb Jahren durch den Publizisten Dr. Rudolf Stumberger auf das Schicksal dieser Frauen aufmerksam gemacht, einer Opfergruppe, die bisher bei der Aufarbeitung der Naziverbrechen kaum eine Rolle gespielt hat.

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Was Historiker Franz Josef Merkl in Aichach alles herausfand

Im Auftrag des Frauenforums recherchierte der Historiker Franz Josef Merkl die Schicksale der inhaftierten Frauen der Strafanstalt Aichach während der Naziherrschaft. Die Ergebnisse seiner Arbeit stellt er nun erstmals der Öffentlichkeit in einem Vortrag zum Internationalen Frauentag in Friedberg vor. Damit diese Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten, bemüht sich das Frauenforum daher um die Etablierung eines öffentlichen Gedenkorts um dies sichtbar im kulturellen Gedächtnis des Landkreises zu verankern. Ebenfalls am Sonntagvormittag geht es in Aichach um einen anderen Aspekt der Gleichberechtigung. Die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr hat die Bayernhymne zeitgerecht überarbeiten lassen. Das Lied der Bayern, das vor mehr als 150 Jahren von Konrad Max Kunz komponiert wurde, erklingt in einer modernen Rap-Version, ausschließlich mit Frauen- und Mädchenstimmen Strohmayr möchte damit die weibliche Seite Bayerns betonen. Dafür gibt es in ihren Augen viele gute Gründe: „In Bayern feiern wir in diesem Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht. Zur gleichen Zeit wurde der Freistaat Bayern ausgerufen“, erläutert sie. Und tatsächlich hätten die Frauen seitdem schon viel erreicht. Doch noch immer gelte es, das Augenmerk auf die Schwächeren im Land zu richten.

So wachse nicht nur die Zahl der Scheidungen und Alleinerziehenden an, auch die häusliche Gewalt im Freistaat nimmt zu. „Etwa 140000 Frauen werden jährlich Oper von sexueller und körperlicher Gewalt in Bayern“, kritisiert Strohmayr: „Es ist eine Schande, dass immer noch die Hälfte aller hilfesuchender Frauen, die regelmäßig Gewalt erfahren haben, mit ihren Kindern in Bayern keinen Platz in einem Frauenhaus bekommen.“ Um dem entgegenzuwirken, sammeln die SPD-Abgeordnete und ihre Kolleginnen Unterschriften im Rahmen einer Petition, welche die bessere finanzielle Unterstützung von Frauenhäusern zum Ziel hat. (gth)

Der Empfang der SPD-Landtagsabgeordneten mit der Ausstellung „Frauenbilder“ mit der Künstlerin Monika Mendat und Präsentation der überarbeiteten Bayernhymne durch Lucia Reng, Sängerin der jungen Band Time Travel Agency, beginnt am Sonntag um 10 Uhr im Fotostudio Holger Weiß am Plattenberg Aichach. Das Frauenforum Aichach-Friedberg lädt um 10.30 Uhr in den Rathaussaal Friedberg ein. Der Vortrag von Franz Josef Merkl wird musikalisch umrahmt von der Cellistin Hyun-Jung Berger. Im Anschluss gibt es für die Gäste Gelegenheit zum Austausch.

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