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Heimatverein

20.01.2015

Von der ersten Zeichnung bis zur heutigen Internet-Karte

Michael Ritter zeigt eine der Landtafeln von Philipp Apian aus dem 16. Jahrhundert mit dem Bereich Aichach, hergestellt als Holzschnitt. Rechts der Vorsitzende des Heimatvereins Aichach, Wolfgang Brandner.
Bild: Bernhard Gut

Michael Ritter aus Sielenbach berichtet von der Geschichte der Landkarten. Warum Augsburg seine führende Rolle im Kartendruck verloren hat

„Eine Stadt ohne Karte wäre nicht zu verwalten. Es gibt keine Nachrichtensendungen ohne Karten. (...) Jede Nachrichtensendung schließt mit einer Karte, der Wetterkarte.“ So beschrieb Michael Ritter, beheimatet in Sielenbach, in einem Vortrag vor dem Geschichtsstammtisch des Heimatvereins Aichach die Bedeutung der Landkarten. Der Mitarbeiter des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege in München beschrieb die historische Entwicklung von Karten.

Ritter sprach von einem steinigen Weg von den Anfängen der Kartenzeichnungen in Mesopotamien bis zu den Karten der heutigen Zeit im Internet. Der Referent stellte die drei Epochen vor, aus der die meisten der heute noch existierenden Karten stammen: die Zeit des Holzschnitts, des Kupferdrucks und der Lithografie.

Der Holzschnitt war ein Hochdruckverfahren. Es wurden die erhabenen Stellen einer Platte zum Abdruck gebracht. Dieses Verfahren gab es ab etwa 1400 auch in Bayern und im Alpenbereich, hier in den Klöstern. Auf ein dickeres Holzbrett aus Weichholz wie Birnbaum oder Kirschbaum wurden Zeichnungen aufgetragen. Danach schnitt der Formschneider (ein damaliger Beruf) das Holz aus. Ab etwa 1480 gab es den Farbholzschnitt. Illuministen schmückten Drucke farbig aus.

Augsburg habe, so der Referent, um 1500 eine herausragende Rolle im Holzdruck gespielt. Die Stadt sei Hauptzentrum des Kunsthandwerks gewesen und auch führendes Zentrum des Landkartendrucks. So sei der erste Kartendruck des Abendlands in Augsburg entstanden. Michael Ritter zeigte einen Abdruck davon, der die drei bekannten Kontinente Europa, Asien und Afrika andeutete.

Eine Rolle haben auch Meilenschreiben oder Streckenanweisungen gespielt. Als Beispiel zeigte der Referent die Augsburger Meilenscheibe des Formenschneiders Hans Rogel von 1563. Es handelte sich um die Streckenbeschreibung von Augsburg nach Regenburg, in der auch die Stadt Aichach genannt war. Neben vielen weiteren Beispielen präsentierte Ritter auch einen Stadtplan Augsburgs um 1560.

Die Kupferplatte ist weniger bruchanfällig

Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts löste der Kupferstich den Holzschnitt ab. Es handelte sich um ein Tiefdruckverfahren. Demzufolge wurde nicht mehr die erhöhte, sondern die eingetiefte Stelle gedruckt. Es musste zuvor alles seitenverkehrt auf eine Platte aufgetragen werden.

Die Kupferplatte war weniger bruchanfällig. Es konnten von einer Kupferplatte möglicherweise bis zu 9000 Abzüge hergestellt werden, in einer Stunde etwa zehn Stück. Tiefdruck war nur auf Papier möglich. Auf die Frage, was denn früher eine Landkarte gekostet habe, antwortete der Referent, so viel wie eine einfache Dienstmagd pro Woche verdient habe.

Dem Kupferstichverfahren folgte ab 1800 die Lithografie – ein Flachdruckverfahren, das auf chemischen Verfahren beruhte. Erfunden hatte es um 1796 Alois Senefelder. Es handelte sich um ein Steindruckverfahren, zu dem ein Kalkstein von hoher Qualität benötigt wurde. Die bekannteste Abbaustelle dieses Kalksteins ist Solnhofen. Die Kalkplatten mussten geschliffen werden. Die fettige Tusche wurde auf den Stein aufgezeichnet. So seien noch feinere Linienführungen möglich gewesen, so der Referent. Auch waren endlos viele Abzüge möglich.

Augsburg habe den raschen Umstieg auf die Lithografie versäumt und dadurch seine führende Rolle im Kartendruck verloren.

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