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Interview

16.05.2020

Vor Bundesliga-Neustart: Gemischte Gefühle bei Daferner

Der Immendorfer Christoph Daferner steht mit dem Team des FC Erzgebirge Aue vor den Neustart nach der Corona-Krise.
Bild: imago/ PICTURE POINT / S. Sonnt

Plus Der Immendorfer Christoph Daferner spielt für den Zweitligisten Erzgebirge Aue. Er spricht im Interview über Training unter anderen Bedingungen, Quarantäne und über Tabata.

Ab Samstag rollt der Ball in der 1. und 2. Bundesliga wieder. Seit Anfang April sind die Fußballprofis wieder im Trainingsbetrieb. So auch Mittelstürmer Christoph Daferner vom FC Erzgebirge Aue. Innerhalb des Funktionsteams wurde vergangene Woche eine Person positiv auf das Coronavirus getestet und die komplette Mannschaft in häusliche Quarantäne geschickt. Zum vergangenen Wochenende gab es dann Entwarnung, und Daferner und Co. stiegen ins gemeinsame Mannschaftstraining ein. Der Immendorfer (Gemeinde Pöttmes) erzählt vor dem Neustart im Interview mit den Aichacher Nachrichten, wie das Training mit Einschränkungen funktioniert hat, wie er mit der Corona-Krise und der häuslichen Quarantäne umgeht und warum der 22-Jährige auch an die Amateurkicker denkt.

Herr Daferner, wie sind Sie mit der Situation rund um die häusliche Quarantäne umgegangen und wie groß war die Erleichterung, als es Entwarnung gab?

Christoph Daferner: Anfangs war ich schockiert. Nachdem es aber jedem Spieler am Telefon erklärt wurde und ich auch mehr Infos über die Situation hatte, war ich schon beruhigter. Ich wohne alleine und habe zum Glück am Vortrag noch für die kommenden Tage Lebensmittel eingekauft. Die Erleichterung drei Tage später war sehr groß.

Vor Bundesliga-Neustart: Gemischte Gefühle bei Daferner

Wie verlief das erste gemeinsame Training mit der Mannschaft? Was war das für ein Gefühl, alle wiederzusehen?

Daferner: Wir waren alle erleichtert, dass alle anderen negativ getestet wurden. Daraufhin haben wir auch mit dem Mannschaftstraining und der direkten Vorbereitung unseres Spiels gegen Sandhausen begonnen.

Hand aufs Herz. Wie sehr freuen Sie sich darauf, dass es nun endlich wieder losgeht – können Sie es überhaupt erwarten?

Daferner: Für den Kopf war es wichtig, ein genaues Datum zu haben. So kann man den Spannungsbogen zum Wettkampf nach und nach aufbauen. Die Vorfreude auf den Wiederbeginn wäre sicherlich bei uns allen viel, viel größer, wenn unsere tollen Fans im Stadion dabei sein dürften. Aber das geht ja derzeit leider nicht.

Christoph Daferner: "Zweikämpfe sind durch nichts zu ersetzen"

Was haben Sie in der Corona-Zwangspause mehr vermisst – den Ball oder die Teamkollegen?

Daferner: Einen Ball habe ich natürlich zu Hause, deshalb eher meine Kollegen.

Seit 6. April gab es zumindest wieder Training in kleinen Gruppen – wie muss man sich das vorstellen?

Daferner: Wir waren in Dreiergruppen, in denen der Schwerpunkt auf Technik, Sprints und Abschlüssen lag.

Gerade Zweikämpfe und Torschuss gehören für einen Mittelstürmer dazu – war das überhaupt möglich?

Daferner: Hinsichtlich Torschüsse konnte ich sehr viel trainieren, aber Zweikämpfe sind durch nichts zu ersetzen.

Was war sonst anders beim Training und Umgang mit den Teamkollegen?

Daferner: Jeder war vorsichtig und hat auf die Regeln geachtet. Ich bin schon umgezogen, mit dem Fahrrad zum Training gefahren und habe mir kurz die Fußballschuhe angezogen. Geduscht wurde immer zu Hause.

Wie haben Sie sich in der Zwangspause fit gehalten?

Daferner: Wir haben einen Trainingsplan bekommen. Zu Hause habe ich einiges an Equipment. Gelegentlich fand ein Cyber-Work-out mit meinem Athletiktrainer statt.

Wie gehen Sie privat mit der Situation um?

Daferner: Ich halte mich an die Hygienevorschriften und sonstigen Auflagen, wie jeder andere auch.

Manche Mitspieler hat Christoph Daferner eine Woche lang nicht gesehen

Was machen Sie gegen den Corona-Blues, dass Ihnen zu Hause nicht die Decke auf den Kopf fällt?

Daferner: Beschweren möchte ich mich wirklich nicht. In Aue arbeite ich nebenbei an meinem Fernstudium.

Wie war die Kommunikation innerhalb der Mannschaft?

Daferner: Da wir immer in Kleingruppen trainiert haben, konnte es sein, dass ich manche Spieler eine ganze Woche lang nicht gesehen habe. Ansonsten haben wir eine WhatsApp-Gruppe.

Vermutlich wurde auch viel Fifa gegeneinander gespielt?

Daferner: An der Konsole zu sitzen, ist eher nicht so mein Ding.

Es gibt Kritik, dass der Profi-Fußball nun wieder beginnt – können Sie das nachvollziehen?

Daferner: Das ist ein sehr sensibles Thema, bei dem ich sowohl die eine als auch die andere Seite verstehen kann. Es wurden sowieso schon etliche Meinungen dazu veröffentlicht und sehr viel dazu geschrieben. Ich selbst kann dies sowieso nicht beeinflussen.

Es werden zunächst nur sogenannte Geisterspiele stattfinden können: Wird dann nicht etwas fehlen?

Daferner: Ein Verein besteht vor allem aus seinen Mitgliedern und seinen Fans. Wenn die beim Spiel nicht da sind, fehlt natürlich etwas.

Eine schwierige Zeit, kann man der Zwangspause vielleicht sogar etwas Gutes abgewinnen?

Daferner über Unterschiede zwischen Regionalliga und 2. Liga

Daferner: Ich glaube nicht, dass man dieser Krise etwas Positives abgewinnen kann. In meinem persönlichen Umfeld sehe ich genügend Beispiele, welche negativen Auswirkungen Corona hat.

Sie sind seit Juli in Aue – was ist der größte Unterschied zu Ihrer Heimat?

Daferner: (lacht) Der Dialekt.

Wie groß ist der Unterschied zwischen 2. Bundesliga und Regionalliga?

Daferner: Der Unterschied ist schon sehr groß. Und das Niveau ist um einiges höher.

Sie haben in Ihrem ersten Zweitligaspiel getroffen, seitdem nicht mehr – macht man sich Gedanken?

Daferner: Solche Phasen gehören im Profisport wie auch in anderen Berufen dazu. Ich sehe es immer als Lernprozess an. Bisher habe ich in meiner ersten richtigen Profisaison wertvolle Erfahrungen gesammelt, positive wie negative.

Sie sind aktuell von Freiburg an Aue ausgeliehen – wie sieht die Zukunftsplanung aus?

Daferner: Zuerst einmal die Saison zu Ende spielen, und dann wird man sehen. Momentan gibt es da keine Neuigkeiten.

Sie haben beim TSV Pöttmes angefangen – wie sehr fühlen Sie mit den Amateurfußballern mit, die vermutlich erst wieder im September spielen können?

Daferner: Meine beiden größeren Brüder und einige meiner Freunde betrifft diese Regelung. Deshalb weiß ich natürlich, wie es denen damit geht. Sie verstehen aber, wieso der Profisport wieder spielen darf.

Haben Sie einen Tipp, wie sich Fußballer ohne Mannschaftstraining in der Pause fit halten können.

Daferner: Ich habe in den letzten Wochen das Intervalltraining Tabata für mich entdeckt. Das haut richtig rein, und man erkennt relativ schnell Fortschritte.

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